Landau / Weingarten
Erstochener 17-Jähriger: Handschlag verweigert, Streit eskaliert
Mit den Aussagen zahlreicher junger Männer versucht das Landgericht Landau weiterhin, den Ursachen für den Tod eines 17-Jährigen nahe der Grillhütte von Weingarten im Sommer 2023 auf den Grund zu gehen. Der Jugendliche war nach einer Party an einem Feldrand von einem damals 20 Jahre alten Mann erstochen worden.
Ein Freund des Angeklagten berichtete, sie seien zusammen mit weiteren Bekannten zur Party gegangen und zunächst sei alles ganz entspannt und friedlich gewesen. Die Probleme hätten begonnen, als der Angeklagte dem ihm nur flüchtig bekannten 17-Jährigen bei der Begrüßungsrunde aus unbekannten Gründen den Handschlag verweigerte. Ganz plötzlich habe er den jungen Mann dann in den Schwitzkasten genommen.
Tritte gegen einen am Boden Liegenden
Die Mitglieder beider Gruppen hätten die Kontrahenten zu trennen versucht – dabei sei der Angeklagte überwältigt, zu Boden gebracht und anschließend von verschiedenen Personen, auch dem späteren Opfer, mit Tritten traktiert worden. Seine Freunde und er hätten dem vielleicht kurzzeitig bewusstlosen jungen Mann dann auf die Beine geholfen und überlegt, dass es besser wäre, wenn sie das Gelände verlassen.
Der Zeuge bestritt den Verdacht, dass sich die jungen Männer seiner Gruppe hinsichtlich ihrer Aussagen abgesprochen hätten. Er selbst sei ab dem nächsten Tag für 14 Tage im Urlaub gewesen, mit seinen Freunden habe er über Whatsapp in Verbindung gestanden, sei aber nur über die Umstände der Vernehmung, nicht über den Inhalt informiert worden.
Zeugen beschreiben 17-Jährigen als aggressiv
Einen weiteren Blick auf den Abend der Tat lieferte eine andere Gruppe von Zeugen, die in die Vorgänge auf der Party involviert war. Die Gruppe um den später getöteten 17-Jährigen hatte vom Auftauchen „der Lustädter“ berichtet, die sie als bedrohlich wahrnahmen. Dabei handelte es sich um etwa zehn bis zwölf Männer, die kamen, um den jungen Mann abzuholen, der zuvor mit dem 17-Jährigen in Konflikt geraten war.
Der damals 20-Jährige hatte seinen Cousin gebeten, ihn abzuholen, was dieser auch tat – zusammen mit einigen Freunden. Andere Zeugen hatten sie als eine Gruppe „älterer Männer“ beschrieben und die berichteten nun übereinstimmend, dass der 17-Jährige auf sie einen äußerst aggressiven Eindruck gemacht habe. Er hätte wohl gern eine Prügelei angefangen, daran seien sie aber nicht interessiert gewesen, hieß es weiter.
Diese Zeugen, heute allesamt zwischen 23 und 28 Jahren alt, gaben zudem an, sie hätten den verängstigten jüngeren Cousin gefunden und seien mit ihm weggefahren. Zunächst zur Tankstelle in Weingarten, wo die Ereignisse noch einmal besprochen worden seien. Dann wäre ein Freund des 17-Jährigen, der schon auf dem Festplatz habe deeskalieren wollen, vorbeigekommen und man habe sich geeinigt, dass der 17-Jährige die kaputte Brille des 20-Jährigen ersetzen werde. Sie hätten sich in Frieden getrennt, es habe keine offenen Rechnungen mehr gegeben.
Viel Lob für den Taxifahrer
Der Taxifahrer, der die Gruppe um den 17-Jährigen zur Grillhütte gebracht hatte und wieder abholen sollte, wurde auch befragt. Er berichtete, wie er an der Weggabelung ankam, wo die Tat kurz zuvor geschehen war. Ein völlig verstörter junger Mann habe geschrien: „Er hat einen Stich bekommen!“ Er sei ausgestiegen und habe den jungen Mann auf dem Boden liegen sehen. Er habe sofort Polizei und Notarzt alarmiert und das Warnlicht an seinem Taxi eingeschaltet, damit das Auto in der Dunkelheit für die Einsatzkräfte besser zu sehen sei.
Bis zu deren Eintreffen habe er versucht, den jungen Mann zu reanimieren. In groben Zügen hätten die jungen Leute geschildert, was passiert sei, sie seien völlig durcheinander gewesen. Der Vertreter der Nebenklage lobte ihn für seinen mutigen Einsatz und auch die Vorsitzende Richterin dankte ihm für alles, was er in dieser Nacht getan hatte.