Wörth
Energy-Drinks vor der Schule: Snackautomat sorgt für Ärger
Als Jörg Engel am Montag in „seine“ Schule kam, traute er seinen Augen kaum: Neben dem Schulgebäude war ein Snackautomat aufgebaut. Auf der einen Seite voll mit Limo, bunten Energy-Drinks und weiteren Getränken, auf der anderen voller Süßigkeiten. „Ich habe die Inhalte gesehen und gedacht, das geht gar nicht“, sagt der Leiter der Carl-Benz-Gesamtschule. Der Automat in unmittelbarer Schulnähe ist aus seiner Sicht ein Problem, das nicht tolerierbar ist.
Für die Kinder war der Snackautomat natürlich die Attraktion am Montagmorgen. „Die haben da schön ihre Euros reingesteckt“, erzählt Engel. Nicht nur wegen der koffeinhaltigen Energy-Drinks findet er die Automaten bedenklich, auch wegen der anderen zuckerhaltigen Produkte. Im Schulkiosk werden bewusst keine Getränke mit hohem Zuckergehalt verkauft, berichtet er. Der Automat ziehe den Kindern nicht nur „das Geld aus der Tasche“, sondern verführe sie, in der Pause das Schulgelände zu verlassen, um mal eben eine Cola oder einen Schokoriegel zu ziehen. „Sie sollen natürlich nicht rausgehen.“
Engel steht mit seiner Kritik nicht allein. Auch sein Kollege vom Europa-Gymnasium, Holger Hauptmann, sieht den Automaten mit den Energy-Drinks in direkter Nähe zu den beiden Schulen als problematisch an. Hinzu komme noch die Vermüllung, sagt er. Schon am Montag seien entlang des Gymnasiums mehr Abfälle als sonst liegengeblieben.
Was Behörden sagen
Dass der Automat auf die Schüler abzielt, wird durch die Aufschrift deutlich: „Gönn-dir-mat. Dein Pausenheld“. Er steht auf einem Privatgrundstück und ist von der Straßenseite aus zugänglich. Die IGS möchte die Aufstellung nicht einfach so hinnehmen und hat Kontakt zur Kreisverwaltung, dem Schulträger, aufgenommen. Die Behörde sieht auf RHEINPALZ-Nachfrage allerdings „keine Möglichkeiten, das Vorhaben einzuschränken, da es auf privatem Grundstück errichtet wurde“. Bis September vergangenen Jahres brauchten Betreiber eine Baugenehmigung für solche Automaten. Im Zuge der Entbürokratisierung wurde das aufgehoben, erläutert die Kreisverwaltung. Abgesehen davon möchte die Behörde die Aufstellung nicht weiter bewerten. Es handle sich „um eine privat-rechtliche Angelegenheit, zu der keine Stellungnahme durch den Schulträger erfolgt“.
Weil weder eine baurechtliche Genehmigung noch Angaben zu Aufstellorten bei der Gewerbeanmeldung erforderlich sind, wusste auch die Stadt Wörth bis Montag nichts von dem Automaten. Hätte die Stadt Möglichkeiten, auf das Angebot einzuwirken? „Es werden keine illegalen Waren angeboten“, so die Wörther Verwaltung auf Nachfrage. In Deutschland gebe es kein gesetzliches Verbot oder eine Altersgrenze für Energy-Drinks. Solche Einschränkungen müssten auf Landes- oder Bundesebene geregelt werden. „Die Handlungsmöglichkeiten für die Stadt sind hier sehr beschränkt.“
Was der Betreiber sagt
Er habe mit vereinzelter Kritik gerechnet, aber nicht damit, „dass das so eskaliert“, sagt Tristan Adam gegenüber der RHEINPFALZ. Er betreibt den Automaten, es ist sein erster. Die Grundschule hat einen Elternbrief wegen des Automaten verfasst. Er habe die Grundschüler nicht als Zielgruppe im Blick gehabt, erzählt Adam. „Falls der Eindruck entstanden sein sollte, wir hätten mögliche Bedenken nicht ausreichend berücksichtigt, möchten wir uns dafür entschuldigen“, schreibt Adam in seiner Antwort an die Grundschule. „Da wir mit unserem Snackautomaten noch ganz am Anfang stehen, sind wir offen für Anregungen zur Gestaltung des Sortiments.“ Der Automat soll nicht das Pausenbrot ersetzen. Man könne auch Positives sehen, meint der Betreiber. Etwa, dass der Automat Eigenverantwortung stärkt, indem die Schüler selbstständig entscheiden, was sie kaufen und dadurch einen „bewussten Umgang mit Geld“ lernen. Durch die Lage außerhalb des Schulgeländes bleibe der Automat in der Verantwortung der Familien und sei nicht unmittelbar mit dem schulischen Alltag verbunden.
Auch im RHEINPFALZ-Gespräch zeigt sich Tristan Adam gesprächsbereit, was das Angebot betrifft. Im Hinblick auf die Energy-Drinks sagt er: „Über eine Altersverifikation kann man reden.“ In diesem Fall würde der Snackautomat das Alter der Kinder mittels Ausweis-Kontrolle prüfen. Er habe den Automaten nach dem ersten Tag schon nachfüllen müssen, aber bislang seien deutlich weniger Energy-Drinks gezogen worden, als er erwartet hatte.
