Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ende der Kandel-Demos angekündigt

Placeholder-Image

Das Frauenbündnis Kandel will zumindest vorläufig nicht mehr in der Südpfalz demonstrieren. Die Anmeldungen für die Demonstrationen Anfang Juni wurden zurückgezogen, so ein Statement, das auf Facebook und anderen Kanälen veröffentlicht wurde.

„17 Monate und 24 Demonstrationen haben uns an einen Punkt gebracht, über die Sinnhaftigkeit derselben nachzudenken“, beginnt die Erklärung des Frauenbündnisses, die am Montagnachmittag veröffentlicht wurde. „Demonstrationen sollten ein Ziel haben und Unterstützer, die bereit sind, den Weg, über persönliche Befindlichkeiten hinweg, mitzugehen“, heißt es weiter. Danach wird schnell klar, was die Organisatoren um Marco Kurz zur Aufgabe bewogen hat: Die immer geringer werdenden Teilnehmerzahlen. Denn bei der vorletzten Kandel-Demo sei angekündigt worden, bei Teilnehmerzahlen unter 200 zumindest eine Pause einzulegen. Bei der nächsten Demo wurden dann 120 Menschen gezählt, so das Frauenbündnis. „Nach nun durchgeführten Gesprächen sind wir zur Überzeugung gelangt, dass ein Weitermachen um jeden Preis für uns nicht in Frage kommt“, heißt es in der Stellungnahme des Frauenbündnisses: „Die Mehrheit der bisherigen Teilnehmer hat entschieden. Und somit wurde heute beschlossen, die Kandel-Demos auf unbestimmte Zeit einzustellen.“

Stetig sinkende Teilnehmerzahl

Einer Auflistung von „ka-gegen-rechts“ zufolge sank die seit Oktober 2018 die Zahl der „Frauenbündnis“-Demonstranten stetig: von 350 auf 250 im November, je 200 bei den beiden Dezember-Demos, 150 im Januar in Kandel und 50 beziehungsweise 70 bei den beiden Demos Anfang des Jahres in Wörth. Später in Landau waren es dann rund 80 Demonstranten. Einsamer Höhepunkt war die erste Demo im April 2018 mit 900 Teilnehmer, im Sommer 2018 schwankte die Zahl dann zwischen 110 und 350. Anlass für die Demonstrationen war die Ermordung einer 15-jährigen Schülerin Ende Dezember 2017. Als Täter wurde ihr Ex-Freund verurteilt, ein Flüchtling aus Afghanistan. Das Frauenbündnis kündigt an, „in irgendeiner Form“ weiter aktiv zu bleiben. „Ob wir noch einmal Demos organisieren und in welcher Form, wird die Zukunft zeigen“, schreiben die Organisatoren. Auf jeden Fall wolle das Frauenbündnis weiter in den sozialen Netzwerken präsent sein.

Kommentar: Kandel kann aufatmen

Die monatlichen Demos des rechten Frauenbündnisses sind vorbei. Zumindest vorerst. Dafür dürften vor allem zwei Gründe verantwortlich sein. Diese Gründe sind: Erstens der deutliche Widerstand verschiedener Gruppen aus einem breiten Spektrum von SPD und Grünen bis zur Antifa, begleitet von der nicht immer schweigenden Ablehnung der großen Mehrheit der Bürger. Zweitens Zerfalls- und Abgrenzungsprozesse und ständige Neuformierungen innerhalb der rechten Szene, in deren Verlauf das Frauenbündnis nach seinen anfänglichen Erfolgen zunehmend isoliert wirkte. Ansonsten bleibt die Erfahrung, dass der Umgang mit den Zumutungen durch das Frauenbündnis für die Bürger einer Kleinstadt wie Kandel viel Kraft absorbiert. Energie, die vielleicht bald wieder in die Arbeit für die Zukunft gesteckt werden kann.

x