Kreis Germersheim
Einsturzgefahr gebannt: Glocken läuten wieder
Nach mehr als einem Jahr intensiver Planungs- und notwendiger Sanierungsarbeiten freut sich die Katholische Kirchengemeinde von Kandel, dass ihre Glocken wieder läuten. Aus Freude und Dankbarkeit für die Hilfe werden am Sonntag nach dem Gottesdienst um 11.30 Uhr alle Kirchenbesucher zu einem kleinen Stehempfang auf dem Vorplatz der St. Piuskirche eingeladen.
Eingestellt werden musste das Geläute im vergangenen Jahr wenige Tage nach Ostern. Die Glockenbeauftragte der Diözese Speyer Birgit Müller hatte damals nämlich festgestellt, dass wegen der starken Schwingungen die beim Läuten entstehen der Turm in seiner Stabilität gefährdet war und er im schlimmsten Fall sogar einstürzen könnte.
Fachleute warnten schon bei Glockenweihe 1959
Es war dies nicht das erste Mal, dass darauf aufmerksam gemacht wurde. Denn schon bald nach der Glockenweihe am 11. November 1959 wurde von Fachleuten darauf hingewiesen, dass der Turm bei längerem Läuten gefährde sei und daher wurde in den vergangenen Jahren an ihm auch mehrfach gearbeitet. Schuld an der Instabilität des Turms war der Glockenstuhl. Der war, was eigentlich nur selten vorkommt, aus Stahl gefertigt und zum Teil sogar noch einbetoniert. So konnten die beim Läuten entstehenden Schwingungen nicht abgefangen werden, woher die Instabilität großteils rührte.
Die jetzt beendeten Arbeiten zogen sich gerade wegen der Einbetonierung sehr lange hin. Der alte Glockenstuhl und die Decke der Glockenstube mussten in mühsamer Arbeit entfernt werden. Der neue, aus Eichenholz gefertigte Glockenstuhl kann jetzt die Schwingungen bestens auffangen und eine „Pendelanlage“ sorgt dafür, dass der Turm beim Läuten gerade stehen bleibt und er nicht mehr gefährdet ist.
Gleichzeitig mit den Arbeiten am Glockenstuhl wurden am Turm auch noch weitere Schäden beseitigt. So wurden die Schalllöcher, durch die Wasser in den Turm dringen konnte, erneuert. Überarbeitet wurde auch die alt gewordene Turmuhr, die jetzt mit Elektromotoren angetrieben wird und auch noch neue Zeiger und Ziffernblätter bekam.
Kosten rund 150.000 Euro, davon bisher knapp 14.000 Euro gespendet
Für all die vielen Arbeiten am Glockenstuhl und am Turm musste viel Arbeitsmaterial und Arbeitszeit investiert werden. So belaufen sich die Gesamtkosten auf rund 150.000 Euro. Davon übernimmt das Bistum 65 Prozent, also rund 97.000 Euro. Für den Rest muss die Kirchengemeinde aufkommen. Pfarrer Mach hatte daher um Spenden gebeten und bisher gingen schon 13.370 Euro ein. Pfarrer Mach will sich am Sonntag mit allen Spendern freuen, dass das „Glockenfasten“ vorbei ist und die große Christkönigsglocke, die Marienglocke, die St. Pius- und St. Georgsglocke sowie die kleine Wendelinusglocke künftig wieder vom Campanile die Gläubigen zum Gottesdienst, zum Gebet, aber auch zu Beerdigungen rufen.