Kreis Germersheim Eine Kuh als Mitgift
Sie sind zwei echte Neupotzer: Der „Schmed-Herbert“ (84) und die „Reise-Lorle“, (82) wie die Bellaires beide in Neupotz genannt werden. Heute feiern sie auf dem „Schmiedhof“, dem Aussiedlerhof, den sie 1967 gemeinsam gegründet haben, das Fest der Diamantenen Hochzeit.
Vor 60 Jahren, just an Herberts 24. Geburtstag wurden sie von Pfarrer Angermaier in der Neupotzer Kirche getraut. Am Vorabend hat sie Bürgermeister Albert Antoni auf dem Gemeindehaus Neupotz offiziell verheiratet. Zum Hochzeitsfest wurde bei Familie Reis in der Hinterstraße, wo Lorle zuhause war, das Wohnzimmer ausgeräumt. Wohnen konnte das neuvermählte Paar dann im Haus von Herberts Großvater in der Hauptstraße. Als Mitgift bekam Lorle eine Kuh von ihrer Familie. Da beide nicht weit voneinander aufgewachsen sind, hatten sie in der Kinder- und Jugendzeit immer Kontakt. Bei der Tanzmusik im „Karpfen“ ist man sich näher gekommen und aus der Bekanntschaft wurde eine Liebesbeziehung. Herberts Vater war Schmied mit eigener Werkstatt im Dorf und betrieb nebenbei Landwirtschaft. So war es für den Sohn nach der Schule selbstverständlich, sich damit zu beschäftigen. Damit unterstützte er auch seinen Großvater. Auch Lorle wuchs in einem landwirtschaftlichen Betrieb auf und so lag es nahe, gemeinsam einen eigenen Betrieb auf diese Art aufzubauen. In jungen Jahren besuchten beide die Landwirtschaftsschule in Kandel. Bei Herbert waren es zwei Jahre, jeweils in den Wintermonaten, wo er sich Kenntnisse in Praxis und Theorie aneignen konnte. Nach Kandel fuhr er den Winter über mit dem Fahrrad. Lorle war ein Wintersemester dort und lernte dabei Kochen, Handarbeit und Säuglingspflege. 1967 erfüllten sie sich ihren Traum und bauten den Aussiedlerhof „Schmiedhof“. Der Name war abgeleitet von der Schmiede, dem Elternhaus von Herbert. Die Land- und Viehwirtschaft war zum Lebensinhalt geworden. Der Betrieb wuchs stetig und beim Erreichen des Rentenalters konnte er an die jüngere Generation übergeben werden. Heute führen Sohn Roland und Enkel Dominik den Familienbetrieb. 1990 baute das Ehepaar auf dem „Schmiedhof“ sein Haus als Alterssitz. Beide sind geistig noch fit, brauchen aber im Alltag Unterstützung. Sie bedauern, nicht mehr Auto fahren zu können. Da aber die Kinder und Enkel ganz in der Nähe sind, ist dies kein großes Problem. Herbert Bellaire war 15 Jahre Mitglied im Verbandsgemeinderat für die CDU und ebenso lange im Verwaltungsrat der katholischen Kirchenstiftung Neupotz. Über 60 Jahre sang er aktiv im Gesangverein „Frohsinn“. Anfang der 1950er Jahre war er 10 Jahre Vorsitzender der Jungbauernschaft und 2. Vorsitzender beim Tabakbauverein. Lorle war in jungen Jahren im Kirchenchor aktiv. Allerdings musste man damals bei der Heirat aus dem Chor ausscheiden und so ergab sich für sie kein Neuanfang, zumal die Arbeit im landwirtschaftlichen Betrieb ihre ganze Kraft forderte. In ihrer Freizeit hatte sie viel Freude beim Handarbeiten und der Pflege des großen Gartens. Ihre handgestrickten Socken sind auch heute noch bei allen Familienmitgliedern sehr begehrt. Vier Kinder, vier Enkel und fünf Urenkel freuen sich nun, zusammen mit dem Paar das Fest der Diamanthochzeit feiern zu dürfen.