Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel „Die Lehrerin die immer eine Kette trägt“

Marika Rossell verlässt nach 53 Jahren – davon 40 als Lehrerin – die Schule endgültig. Foto: Iversen
Marika Rossell verlässt nach 53 Jahren – davon 40 als Lehrerin – die Schule endgültig.

RHEINZABERN. „Das Alltagsgeschäft, den Austausch mit und den Kontakt zu meinen Schülern und guten Unterricht werde ich am meisten vermissen, also all das, was Schule ausmacht“, erklärte Marika Rossell, scheidende Rektorin der Grundschule Rheinzabern.

Sie geht wenige Monate nach ihrem 40-jährigen Dienstjubiläum, in Pension. In einem Gespräch mit der Rheinpfalz blickte sie auf ihre lange „Schulzeit“ zurück, die für sie als Erstklässlerin im Jahr 1962 in der Volksschule Kandel begann. „Privat bin ich sehr bodenständig und habe die meiste Zeit meines Lebens in Kandel, meinem Geburtsort, verbracht“, beschreibt sich die Pädagogin.

„Beruf der Lehrerin war für mich lange keine Option“

Als Kind wuchs sie in einer Familie mit traditionell verteilten Rollen auf, „für mich war der Beruf der Lehrerin lange keine Option.“ Erst nach dem Abitur entschied sich die junge Pfälzerin, die 1956 geboren ist, in Karlsruhe Lehramt für Grund- und Hauptschulen zu studieren. Nach ihrem Referendariat an einer Stadtschule, der Gutenbergschule in Karlsruhe, nahm sie schweren Herzens ihre erste Stelle im Enzkreis, weit weg von zuhause, an. Damit verbunden war ein Wegzug aus ihrem geliebten Kandel.

Noch schlimmer war der Umstand, dass sie als junge Ehefrau mit ihrem Mann deshalb sogar eine Wochenendehe führen musste. Als das Paar den ersten Sohn im Jahr 1986 bekam, zog die Familie zurück in die Pfalz, drei Jahre später vervollständigte der zweite Sohn die Familie. Um nicht wieder nach ihrem Erziehungsurlaub in Baden-Württemberg unterrichten zu müssen, „stellte ich einen Antrag auf einen Ländertausch zwischen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.“ Ihrem Wunsch wurde schneller als erhofft entsprochen, und schon im August 1988 begann Marika Rossell als Lehrerin an der Eduard-Orth-Grundschule Germersheim.

Als Vorsitzende des Personalrats Organisieren gelernt

Danach war sie an der Grundschule Minfeld, musste diese wegen sinkender Schülerzahlen verlassen und kam an die Grundschule Maximiliansau. „Als Personalrats-Vorsitzende war ich zum ersten Mal nicht nur Lehrerin, sondern hatte auch mit dem Organisieren und Führen einer Schule zu tun“, eine positive Erfahrung, die sie dazu bewog, sich als Konrektorin an der Grundschule Rülzheim zu bewerben.

Sie wurde ausgewählt und kam an die Schule, die gerade als Schwerpunktschule aufgebaut wurde. „Diese Zeit war sehr wichtig für mich, ich lernte viel“, so dass ihre Bewerbung als Rektorin in Rheinzabern nur die logische Folge für sie war. „Ich bin ein Vorwärts-gerichteter Mensch, schaue nicht zurück, denn Menschen und Institutionen, wie Schulen, entwickeln und verändern sich stets weiter.“ Sie bekam die Stelle als Rektorin und konnte damit ihren Dienst im Februar 2007 antreten.

So wie ihre vorangegangene Laufbahn durch vielen Facetten des Schullebens und den Wechsel der Schulen geprägt war, so waren auch ihre zwölf Jahre in Rheinzabern „voller Wandel“. Sie erinnere sich noch gut, als der damalige Bürgermeister der Verbandsgemeinde sie gefragt habe, ob an der Grundschule Rheinzabern Schulsozialarbeit nötig sei, was Rossell klar verneinte. Nur wenige Jahre danach wurde eine Stelle dafür geschaffen und ist heute nicht mehr aus dem Schulalltag wegzudenken. In ihre zwölf Jahre dauernde Amtszeit fiel der Umbau der Schule und der Bau eines neuen Gebäudeteiles. Besonders auf die Farben, die seitdem die Schule innen wie außen fröhlich wirken lassen, ist Rossell stolz, denn sie habe wesentlich zum Farbkonzept beigetragen.

„Es wird Zeit, neue Wege zu gehen“

Zu ihrer Vorliebe für Farben passt auch ihr ganz persönliches Markenzeichen, denn ich bin „die Lehrerin, die immer eine Kette trägt“, wie ihre Schüler berichten und sogar auf gemalten Bildern festgehalten haben. Die Grundschule an der Römerstraße ist seit zwei Jahren eine Medienkompetenzschule und schon länger eine Ganztagsschule mit aktuell 50 Schülern. Dadurch sei das Lehrer-Kollegium enger zusammen gerückt, schon allein durch die gemeinsam verbrachte Mittagspause. „Die Gespräche und den Austausch mit den Kollegen werde ich ebenfalls extrem vermissen!“ Aber, wie sie selbst nach 53 Jahren Schule das Fazit zog: „Es wird Zeit, neue Wege zu gehen.“

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