Sparen mit der RHEINPFALZ
Der eigene Saft schmeckt am besten
Der Weg zum eigenen Apfelsaft führt in eine Halle in einem Gewerbegebiet in Hatzenbühl. Dort betreibt Monika Paulat seit 11 Jahren ihr Saftomobil, denn sie hat eine Mission: „Eigener Saft aus eigenen Äpfeln, auch aus Kleinmengen.“ Früher hatte sie selbst eine Streuobstinitiative, war aber bei den Terminen zum Saftpressen nie wirklich zufrieden. Nun ist sie diejenige, die den Apfelsammlern zum eigenen Getränk verhilft. „Streuobst ist noch besser als bio“, sagt sie. Denn diese Bäumen würden garnicht behandelt, nicht einmal mit zugelassenen Mitteln. Wer nun also eifrig Äpfel gesammelt hat, zum Beispiel auf öffentlichen Streuobstwiesen, ist bei ihr an der richtigen Adresse.
Die Äpfel werden zunächst in eine Wanne gekippt und gewaschen. Ein Förderband bringt sie dann zu einer Mühle, dort werden sie zerschreddert. Die entstandene Meische kommt in eine Zentrifuge, „das ist der Schlüssel zum naturtrüben Saft“, erläutert Paulat. Der Rohsaft wird in einen Tank gepumpt, dann im Pasteurisierer auf gut 80 Grad erhitzt und dann direkt in Plastikbeutel abgefüllt. Diese umfassen 5 Liter, sind mit einem Zapfhahn versehen und werden in einen Pappkarton gestellt. Für 300 Kilogramm Äpfel benötigen Maschine und Menschen zirka 15 Minuten.
Angebrochene Packung ist monatelang haltbar
Mit dem Konzentrat-Apfelsaft aus dem Discounter kann der selbstgepresste Saft preislich natürlich nicht mithalten. Mit naturtrüben Biosäften hingegen durchaus. In Sachen Haltbarkeit schlägt er diese sogar: „Der angebrochene Saft hält ungekühlt drei Monate, da im Beutel ein Vakuum ist“, erläutert Monika Paulat. Ungeöffnet sind die Beutel mindestens 12 bis 24 Monate haltbar, ja nach Säuregehalt und Qualität der Äpfel. Sogar für den Trester gibt es Verwendung: Jäger und Besitzer von Schafen und Ziegen silieren die Obstreste in Tonnen. Der Rest geht in die Biogasanlage nach Westheim.
Die Nachfrage ist groß, „leicht steigend“. Ihr Einzugsgebiet umfasst zirka 50 Kilometer, schätzt Paulat. Entsprechend kommen Kunden auch aus Kaiserslautern, dem Schwarzwald oder Frankreich nach Hatzenbühl. Die Saison beginnt mit den frühen Sorten Mitte August und endet mit den späten Sorten Anfang November.
Kistenweise Saft für den Familien-Vorrat
An diesem Morgen ist auch Anna Wagner, 81 Jahre alt, aus Neuburg vor Ort. „Wir haben die Äpfel am Samstag mit der ganzen Familie geerntet, da ging das ganz schnell“, sagt sie mit Blick auf die zweieinhalb großen Kisten. Die erwachsenen Töchter haben sich extra Urlaub genommen, um ihre Eltern bei der Saftabfüllung zu unterstützen. „Wir pressen Saft für die Familie, ab und zu verschenken wir auch welchen“, sagt Anna Wagner. Zuhause stünde noch eine letzte Kiste von einer Pressung von vor zwei Jahren. Die auf den drei Grundstücken gesammelten Früchte bringen insgesamt einen Ertrag von 84 Kisten Saft mit je 5 Litern. „Ich mache aus dem Saft auch gerne Apfelessig“, verrät sie.
Schon seit vielen Jahren führt der Weg von Familie Wagner zur Saftpresse in Hatzenbühl. Früher habe man den eigenen Saft bei hydraulischen Pressen abfüllen lassen, sagt Wagner. Der Nachteil: Dann musste der Saft zuhause noch selbst abgekocht und so haltbar gemacht werden. Jetzt bringen sie ihre Verpackungen sogar selbst mit: „Die Kartons behandeln wir pfleglich, dann können wir sie wiederverwenden“ , sagt sie und zeigt einen sorgfältig gefalteten Stapel Pappkartons. Die Plastikbeutel, in die der heiße Saft abgefüllt wird, werden gereinigt und noch zum Einfrieren verwendet.
„Der Saft schmeckt, da ist nix gespritzt und nix überdüngt“, sagt Anna Wagner und reicht lächelnd einen Becher frisch gepresstes Obst. Sofort liegt der frische Geschmack eines zarten grünen Apfels auf der Zunge. Auch diesmal wird der Vorrat bei Wagners wieder eine Weile reichen.
Manchmal sorgt der Saft sogar für neue Bäume. Bei einer großen Aktion mit dem Teenietreff hat die „Eh da“-Initiative Essingen 3 Tonnen Äpfel gesammelt. Der Saft wird verkauft, mit dem Erlös werden neue Bäume gepflanzt, sagt der Vorsitzende Eckart Kleemann, während er ansteht, um mit Monika Paulat einen Termin zu vereinbaren.
Für alle, die sich nun selbst am eigenen Saft versuchen wollen, hat sie noch einen Tipp: Wenn jemand selbst nur 100 Kilogramm hat, soll er sich mit anderen zusammenschließen. „Dann macht das mehr Sinn.“ Nicht nur, weil größere Mengen günstiger gepresst werden: „Je mehr Sorten, desto besser schmeckt der Saft.“
Stellen frei
Da eingeplante Helfer kurzfristig nicht mehr zur Arbeit erschienen sind, braucht das Saftomobil dringend Mitarbeiter, die die Maschine bedienen können.
Die Preise
Unter einer Großkiste (100 bis 250 Kilogramm) kostet der Liter 0,99 Euro netto, 1,18 Euro brutto. Bei drei Großkisten, also zirka 900 Kilogramm, kostet der Liter 0, 69 Euro netto, 0,82 Euro brutto. Dazu kommen noch die Kosten für Karton (1,14 Euro, brutto) und 5-Liter-Beutel (0,79 Euro, brutto). Der Preis sinkt, je mehr Äpfel man bringt.
Kontakt
Monika Paulat, Telefon 0176 98126262
www.saftomobil.de