Kreis Germersheim Das Geld liegt auf der Bank und wird nicht viel mehr

Sparkassenchef Siegmar Müller hält Aktien langfristig für eine solide Spargrundlage.
Sparkassenchef Siegmar Müller hält Aktien langfristig für eine solide Spargrundlage.

Die Deutschen, auch die Bürger im Kreis Germersheim, werden ihrem Ruf als Sparweltmeister gerecht. Nur, sie sparen falsch. Das sagte Siegmar Müller, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse-Germersheim Kandel, bei der Bilanzpressekonferenz für das Jahr 2018. Fast eine Milliarde Euro „parken“ Sparkassenkunden auf Sichteinlagen, auf Girokonten, „und warten bis die Zinsen steigen“. Insgesamt stiegen die Einlagen auf 1,521 Milliarden Euro (plus 4,4 Prozent). Viel zu wenig werde in langfristig immer noch ertragreichere Aktien angelegt.

Aktien und auf ihnen basierende Wertpapiere seien „auch in Zukunft die bessere Anlage, die langfristigen Trends sind stimmig“, so Müller. Stimmig trotz anhaltender Niedrigzinsphase ist für Müller und seine Vorstandskollegen Peter Dudenhöffer und Achim Seiler auch die Entwicklung „ihrer“ Sparkasse. Die Bilanzsumme wuchs um 3,3 Prozent oder 55 Millionen Euro auf 1,877 Milliarden Euro. Wie das Zinsproblem die Bank bedrückt, wird beim Blick auf das Ergebnis deutlich. Auch dort ist ein Trend erkennbar, aber seit 2014 nach unten. Das Betriebsergebnis in Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme (DBS; Mittelwert aus der Bilanzsumme zum Anfang der Berichtsperiode und der Bilanzsumme zum Ende der Berichtsperiode) sank von 0,93 auf 0,68. Zinsen als ehemals „zentraler Ertragsbringer“ habe ihre Bedeutung aktuell verloren und das Provisionsergebnis (Verkauf von Dienstleistungen) reiche nicht zur Kompensation, sagte der Sparkassenchef. Ausschütten werde die Sparkasse an den Landkreis und die Städte Kandel und Germersheim 6 Prozent aufs Stammkapital, insgesamt 767.000 Euro, „sofern der Verwaltungsrat am 25. März zustimmt“, so Müller. Der überdurchschnittliche Erfolg im Vergleich der rheinland-pfälzischen Sparkassen sei sicherlich der starken wirtschaftlichen Entwicklung im Landkreis Germersheim zu verdanken, nannte Müller einen Faktor, der das Kredit- und Immobiliengeschäft der Sparkasse kräftig ankurbelte. 1,24 Milliarden Euro an vergebenen Krediten stehen zum Jahresende 2018 zu Buche, was einer Steigerung um 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Ein guter Teil der Kredite geht in die Immobilienwirtschaft. Die Baugebiete im Kreis, aber auch Investitionen in den Bestand machten sich deutlich bemerkbar. In der Sparkassen-eigenen Immobilienabteilung „gehen die Objekte schneller ’raus als sie hereinkommen“, beschreibt Müller das Geschäft. Mehr Kredite wurden auch wieder an die öffentliche Hand vergeben, obwohl vor allem aus dem Ausland Konkurrenten mit Zinsen nahe Null lockten. Der Fachkräftemangel macht auch vor Geldinstituten nicht Halt. Bis heute habe die Sparkasse lediglich drei unterschriebene Ausbildungsverträge für den Ausbildungsstart Bankkaufmann ab September. „Einstellen würden wir acht bis 10 Auszubildende und zwei Studenten für die Duale Hochschule“, beschreibt Müller die Situation. Es gebe insgesamt weniger Bewerbungen, aber auch die Qualität der Bewerbungen lasse nach. Bei der Sparkasse Germersheim-Kandel arbeiteten zum Jahresende 2018 393 Personen, davon 25 Auszubildende und 4 Sudenten. Gut laufe das Projekt „30plus“ sagte Müller. Die Sparkasse bildet zurzeit 3 Frauen über 30 Jahre und aus anderen Berufen zur Bankkauffrau aus. Neue Ausbildungsberufe mit digitalem Schwerpunkt wie etwa kaufmännisches Dialogmarketing bereite man derzeit vor. Dass Digitalisierung nicht am Bankensektor vorbeigeht, zeigt sich nicht allein in neuen Ausbildungsberufen. „Fast kein Girokonto wird mehr ohne Onlinefunktion abgeschlossen“, sagte Seiler. „Egal, wie alt die Kunden sind.“ Für junge Kunden ist das neue „yomo“-Angebot; „your money “ ist die App fürs Smartphone, die der jungen Kundschaft die Dienstleistung der Sparkasse schmackhaft machen soll. Bezahlen per Handy läuft bereits, allerdings müssen Sparkassenkunden (noch) auf Apple pay verzichten. Müller: „Das wird bundesweit für alle Sparkassen entschieden.“ Das Problem: Apple sei für Apple pay Anbieter teuer. Hinzukommen soll 2019 die Zahlungsfreigabe per Fingerabdruck.

x