Kreis Germersheim Das Dorf der Vorfahren besucht

Seit über zwei Jahren besteht ein reger Kontakt zwischen dem Kulturverein Bellheim und der „Maeystown Conservation Society“ (MCS) in Illinois (USA). Die Beziehung ist eine familiäre: Die Kleinstadt, zehn Kilometer vom Mississippi entfernt, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von den Bellheimer Auswandererfamilien Sutter, Hoffmann, Hünerfauth, Job und Doll mitgegründet. Seit Mittwoch besucht Shirley Asselmeier als Kontaktbeauftragte der MCS mit ihrem Sohn David „Buzz“ die Heimat der Altvorderen.

Auf Initiative der MCS entwickelte sich ein intensiver Informationsaustausch zwischen Shirleys Mann, dem vor einem Jahr verstorbenen David A. Asselmeier, und Klaus Schäffner, der für die Kontaktpflege auf Seiten des Kulturvereins zuständig ist. „Maeystown, das nur 152 Einwohner zählt, ist in der Liste der historischen Stätten der USA aufgeführt“, berichtet der Bellheimer. Benannt wurde die Stadt nach dem offiziellen Gründer und Landbesitzer Jakob Mees aus Oggersheim. „Ureigenste deutsche Traditionen werden bewahrt und weiter gepflegt“, so Schäffner. Er erwähnt den deutschen Weihnachtsgottesdienst, Fastnacht und das Oktoberfest, das zum gleichen Termin wie die „Bellemer Kirwe“ gefeiert wird. Vierteljährlich erscheint – in Englisch - das „Maeystown Volksblatt“. Hier liest man über einen „Frauenabend“ oder typisch Deutsches wie „Apple Butter“ (Apfelmus). Bis zum Ersten Weltkrieg sprachen die Bewohner von Maeystown noch deutsch. Ganz überrascht von Bellheim waren die Asselmeiers nicht: „Vor sieben Jahren sind wir hier durchgefahren, nur um Fotos für die Daheimgebliebenen zu machen“ erzählt der 49-jährige David Asselmeier, Beamter beim Umweltamt des Staates Illinois. Ihm und seiner Mutter, eine geborene Deffenbaugh (abgeleitet von (Diefenbach) falle nach der Besichtigungstour vor allem auf, dass es in Bellheim („A nice place“) „weniger grün“ zwischen den Häusern und „mehr Bevölkerung“ als in Maeystown gibt. Die ländliche Umgebung der beiden Orte sei ähnlich, so die Asselmeiers. Zum Schluss der Ortsbesichtigung zeigt Schäffner den Amerikanern das Sägewerk an der Mittelmühle, das wieder aufgebaut wird – eine weitere Gemeinsamkeit von Bellheim und Maeystown. Schäffner: „Eine tolle Parallele“. Die historische „rock mill“, die gemauerte Getreidemühle dort, sei jedoch kleiner und ohne Wasserrad, sagt David. „Das Gebäude wurde später als Tankstelle und Autowerkstatt sowie von einem Bestatter und Schreiner benutzt“, ergänzt die pensionierte Schulsekretärin Shirley Asselmeier (70). Die Mühle in Maeystown wurde ebenfalls mit freiwilligen Helfern restauriert und wird seit etwa acht Jahren als Heimatmuseum und Besucherzentrum genutzt. Nachdem die eigene Verwandtschaft nahe Koblenz besucht wurde, wollen die Asselmeiers vier Nächte in der Südpfalz verbringen. Auf dem Programm stehen zusammen mit dem Ehepaar Schäffner eine Wanderung im Pfälzer Wald, die Weinstraße mit einem Schlenker nach Wissembourg, Speyer, Heidelberg und zum Schluss der Schwarzwald. „Nächstes Jahr ist ein Gegenbesuch in Maeystown geplant“, sagt Schäffner. Eine offizielle Partnerschaft zwischen Maeystown und Bellheim sei nicht das Ziel, sind sich beide einig. Diese bestünden schon in Nachbarorten am Mississippi. Die Kontakte sollen weiterhin auf Vereinsebene gepflegt werden. „Es war wunderbar, diese Menschen in Bellheim zu treffen, auch wenn sie nicht meine Verwandten sind“, zieht Shirley Bilanz. Sie wünscht sich, dass die Maeystowner sich genauso „in Bellheim verlieben wie wir“. Denn: „The closer we get, the more understanding. – Je näher wir einandern kommen, umso besser verstehen wir uns.“ (mjn)

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