Kreis Germersheim Dachmarke soll Touristen locken

Welche Potenziale schlummern in der Region, um Urlauber anzulocken? Darum ist es am Dienstag beim gemeinsamen Tourismustag des Rhein-Pfalz-Kreises und des Landkreises Germersheim in Altrip gegangen. Im Vordergrund standen barrierefreie Angebote und die Funktion einer Dachmarke für eine Region. Fazit: Nur gemeinsam ist man stark.
Ein kleiner Versuch reichte und Professorin Uli Mayer-Johanssen hatte den rund 70 Zuhörern im Saal die Wirkung einer Dachmarke deutlich gemacht. „Marke“ stand da in bunten Buchstaben. „Google“, ertönte es mehrstimmig im Raum, noch ehe die Professorin fragen konnte, welche Marke sie hier denn verfälscht habe. Mayer-Johanssen war eine von zwei Referentinnen, die beim siebten Tourismustag des Rhein-Pfalz-Kreises und des Landkreises Germersheim geladen waren. „Tourismus macht an keinen Kreisgrenzen halt“, unterstrich Michael Braun, Beigeordneter des Landkreises Germersheim, die Bedeutung des bereits zum dritten Mal gemeinsam stattfindenden Tourismustags. Auch Clemens Körner (CDU), Landrat des Rhein-Pfalz-Kreises, betonte: „Wir haben in beiden Kreisen ähnliche Herausforderungen, die wir gemeinsam angehen können.“ Dann schwärmte Körner aber erst einmal nicht von der Schönheit seines eigenen Kreises, sondern von Südtirol. Überall – auf Produkten, der Vinschgerbahn, Flyern – begegne man dort dem Markenschriftzug „Südtirol“. „Die Menschen leben dort die Marke“, sagte er. Mayer-Johanssen hatte diese Marke ab 2005 mitentwickelt. Beim Tourismustag stellte sie die „Kraft einer Dachmarke für eine Region“ vor. „Es geht dabei nicht um Marketing“, betonte sie, „sondern um die strategische Markenführung“. In einer Welt, die immer komplexer werde, in der die Menschen von der Masse der Informationen erdrückt würden, drängten viele nach Einfachheit. „Nur 0,0004 Prozent aller Infos von außen erreichen das Bewusstsein“, erläuterte sie. „Wir müssen uns also für Dinge interessieren, um uns darauf einzulassen.“ Eine Dachmarke biete einen Wiedererkennungswert in einer sonst undurchsichtigen Welt. Allerdings, schränkte sie ein, sei es nicht sinnvoll, für zwei Landkreise eine solche Marke zu entwickeln. Die Pfalz als übergeordnete Region sei dafür besser geeignet. „Die Gebiete behalten ja ihre eigene Identität, stellen sich aber unter die Dachmarke und stellen so eine Verbindung her“, sagte sie. In Südtirol hätten zwei Jahre nach der Einführung fast alle Regionen und 80 Prozent der Betriebe die Marke genutzt. 160.000 Euro habe dort das Anfangsbudget betragen. Körner war begeistert von der Idee: „Sowas müssten wir in der Pfalz hinkriegen.“ Zuvor hatte Referentin Nathalie Hartenstein über barrierefreie Angebote gesprochen und die Chancen, die sich dadurch für den Tourismus ergeben. „Von barrierefreien Angeboten profitieren ja nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern beispielsweise auch Familien mit Kinderwagen“, sagte sie. Menschen mit Beeinträchtigungen haben ihr zufolge eine hohe Reisezieltreue, wenn sie sich mit den Angeboten vor Ort wohlfühlen, und reisen häufig in der Nebensaison. „Wir müssen zusammenarbeiten mit unseren Nachbarn“, zog Körner ein Fazit des Tourismustags und betonte: „Wir müssen mehr mit der Pfalz denken.“