Germersheim
BYD wird Zweitmarke bei Ford-Autohaus Deutschler (Bildergalerie)
Seit gut einem Jahr ist das zuvor selbstständige Ford-Autohaus Deutschler in Germersheim Teil der Autowelt Ebert mit Sitz in Weinheim. Nun erhält deren Mercedes-Benz, Skoda, Ford, MG sowie US-Cars verschiedener Hersteller umfassende Markenfamilie Zuwachs: BYD kommt hinzu. Die Fahnen des chinesischen Autoherstellers wehen schon einige Zeit bei Deutschler, dem ersten BYD-Händler in der Südpfalz. Zunächst sollen die BYD nur hier und in Weinheim zu sehen sein, sagt Dominik Bessler, Sprecher der Geschäftsführung. Uwe Reinhard, Kaufmännischer Geschäftsführer, ergänzt, dass weitere Autowelt-Standorte die Marke bekommen sollen. Nur welche das sein werden, sei noch nicht spruchreif.
Warum BYD ins Portfolio genommen wird? Bessler nennt das gute Preis-/Leistungsverhältnis und die „einzigartige Technik“ als Gründe, insbesondere was das Aufladen der Batterie während der Fahrt anbetrifft. Zudem lasse sich der BYD Denza Z9 GT an ultraschnellen Ladesäulen binnen zehn Minuten vollladen. Zudem bestehe eine große Nachfrage nach BYD.
Premiummarke Denza soll folgen
Zunächst seien elf Modelle verfügbar, vom Kleinwagen bis zum großen SUV, davon zwei Drittel reine Stromer, ein Drittel Hybride; ein zwölftes Modell soll bald hinzukommen. Die Listenpreise liegen zwischen 20.000 und 70.000/75.000 Euro, weiß der BYD-Markenverantwortliche bei Autowelt Ebert, Domenico Macchia. Laut Bessler soll im Herbst auch die BYD-Premiummarke Denza das Programm ergänzen. Hier stünden zunächst zwei, später sechs Modelle zur Auswahl, ergänzt Macchia. Nach seinen Angaben sollen dieses Jahr noch 300 bis 400 BYD verkauft werden. Langfristig werde in der Gruppe der Verkauf von 1000 Einheiten pro Jahr angepeilt. Bessler betont, dass für die BYD an beiden Standorten auch Kundendienst angeboten wird – auch für die in den Jahren zuvor andernorts gekauften Wagen. Denn der Kundendienst war in der Anfangszeit von BYD in Deutschland ein Problem, aufgrund der geringen Werkstattdichte. Bessler weist darauf hin, dass BYD nicht so individuell konfiguriert werden können wie etwa deutsche Autos. Vielmehr gebe es zwei, drei gute Ausstattungspakete mit einer Handvoll Farben.
Dass der Automarkt schwächelt, mag Centerleiter Mario Deutschler so nicht unterschreiben. „In Deutschland wird viel schlechtgeredet“, sagt er lächelnd, um wieder ernst werdend fortzufahren: „Die Nachfrage ist da – nach Verbrennern und E-Fahrzeugen.“ Bei Letzteren hänge das nicht nur an der staatlichen Prämie; die sei nur das i-Tüpfelchen. Hintergrund seien die hohen Spritpreise. Zudem hätten viele Menschen, gerade im ländlichen Raum, eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, um ihre E-Fahrzeuge aufladen zu können. Infolgedessen und wegen der besser werdenden Ladeinfrastruktur würden inzwischen auch viele, die bisher einen Zweitwagen mit Verbrennermotor für weitere Strecken vorhielten, komplett auf E-Antrieb setzen.
Breiteres Angebot durch Gruppe
Den Vorteil der Gruppenzugehörigkeit sieht Deutschler vor allem darin, dass er seinen Kunden nun ein deutlich größeres Angebot an Neu- und Gebrauchtwagen unterbreiten kann, weil er auch Zugriff auf andere Marken hat. Das gilt laut Reinhard nicht nur für die im Computer gelisteten, sondern auch für die an den anderen Standorten verfügbaren Autos, falls zum Beispiel eine Probefahrt gewünscht wird.
Pro Jahr verkauft Autowelt Ebert an seinen 20 Standorten in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz 7500 Neu- und Gebrauchtwagen, Personen- und Nutzfahrzeuge, berichtet Bessler. Bei Letzteren seien es etwa 500 Lkw und 1000 Lieferwagen, sogenannte Sprinter. Ziel seien 8000 Einheiten. Der Anteil der E- und Hybridautos im Pkw-Geschäft der Autowelt Ebert liegt laut Macchia inzwischen bei 40 Prozent – Tendenz steigend. Gründe für die Zuwächse in dem Segment seien größere Reichweiten und kürzere Ladezeiten.
Das macht sich laut Bessler auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt bemerkbar, wo das Angebot wachse. Nicht zuletzt weil Leasingfahrzeuge zurückkämen. Hier werde insbesondere auf den Zustand der Batterien geachtet, die vor dem Wiederverkauf der E-Autos geprüft und zertifiziert würden, was von den Kunden gefragt sei.
Was die Autowelt noch umfasst
Von den rund 600 Mitarbeitenden der Autowelt Ebert seien knapp 100 Azubis. Personal wird laut Reinhard für alle Standorte gesucht. In Germersheim arbeiten laut Deutschler 15 Leute. Verkauft würden etwa 250 Fahrzeuge pro Jahr. „Tendenz steigend“, ergänzt Bessler, der den Gruppenumsatz pro Jahr auf 300 Millionen Euro beziffert.
Zum Angebot der Gruppe zählten unter anderem auch der Verkauf von Oldtimern und von Campingfahrzeugen, wobei man Letztere auch vermiete. Als größter Händler des Autoveredlers Brabus verfüge man auch über eine eigene Karosserieabteilung, um Fahrzeuge tunen zu können, so Bessler. Und im Daimler-Truck-Werk in Mannheim repariere man nicht nur die Geschäftswagen, sondern auch die Privatautos der Mitarbeitenden während deren Arbeitszeit. Momentan zwar noch nur Mercedes, geplant ist laut Bessler aber, das Geschäftsfeld auf alle Marken auszudehnen.
Zahlen & Fakten
Nach Reinhards Angaben gehört die Autowelt Ebert der Familie Pfenning, der auch die gleichnamige Logistik-Gruppe mit Sitz in Heddesheim gehört. Diese verfügt nach Unternehmensangaben über 1000 Lkw und rund 7000 Mitarbeitende an 110 Standorten in Europa.
BYD ist ein 1995 gegründeter chinesischer Mischkonzern mit eigener Batterieproduktion und Sitz in Shenzhen. Die Tochtergesellschaft BYD Auto Company Ltd. ist einer der größten Autohersteller in China und weltweit. Produziert wird zwar vor allem im Reich der Mitte, aber auch in den USA, in Brasilien, Japan, Indien, Ungarn und der Türkei. 2025 hat BYD den US-amerikanischen E-Auto-Hersteller Tesla überholt. Während Tesla im vergangenen Jahr laut einem Fachmagazin 1,64 Millionen E-Autos verkauft hat, waren es bei BYD 2,26 Millionen. Allerdings verkaufte Tesla laut einem Nachrichtenmagazin im ersten Quartal 2026 wieder mehr Fahrzeuge als BYD, der einen 25-prozentigen Absatzrückgang verkraften musste. Die Abkürzung BYD steht übrigens für Biyadi, die latinisierte Form des chinesischen Firmennamens.