Landtagswahl
BSW-Kandidat Fidan Bllacaku: Geld für Bildung statt Rüstung
„Das Land braucht echte Reformen von Bürgern aus dem Mittelstand, die bereit sind mit allen demokratisch zu streiten und die Berufspolitiker eine Auszeit“, meint Fidan Bllacaku. Berufspolitiker wird der 34-Jährige nach der Landtagswahl mit ziemlicher Sicherheit nicht werden: Er ist Direktkandidat des Bündnis Sahra Wagenknecht im Wahlkreis 51, einen Listenplatz hat er nicht. Sein Einzug in den Landtag – unwahrscheinlich, sagt er selbst. Trotzdem gebe er jetzt „200 Prozent“ und will auf kommunaler Ebene kämpfen, um Veränderung „nach oben“ anzustoßen.
„Ich sehe eine Riesen-Rezession, die losgeht und unterschätzt wird“, sagt der Germersheimer. Hohe Energiepreise heizen die Inflation an, lassen die Nachfrage einbrechen und vernichten Arbeitsplätze, meint der 34-Jährige. Auch in der Südpfalz – Stichwort Sparpläne bei Daimler oder die Nolte-Schließung – seien Jobs in der Industrie bedroht oder verloren. „Wir müssen dort einkaufen, wo es am billigsten ist“, meint Bllacaku mit Blick auf die Energiepolitik. Sanktionen würden den Wohlstand gefährden. Steigende Co2-Preise seien angesichts der wirtschaftlichen Lage „Selbstmord“. Die „Masterlösung“ habe er nicht, aber Stellschrauben sieht er bei der Steuerlast sowie hohen Produktions- und Personalkosten in Unternehmen.
Resilienz und Lust auf Neues
Er streite gern und hartnäckig in der Sache und sei nicht so schnell unterzukriegen, sagt der Landtagskandidat über sich. Er tritt im Wahlkreis 51 an, zu dem Germersheim sowie die Verbandsgemeinden Bellheim, Lingenfeld und Offenbach gehören. Die Kandidatur war für ihn als Quereinsteiger ein Sprung ins kalte Wasser. „Es fühlt sich gut an, macht Spaß“, sagt Bllacaku. Er sei resilient und gehe gerne neue Dinge an. Gegenwind fürs BSW – „wir haben ja nicht die beste Publicity“ – scheint ihn anzuspornen.
Fidan Bllacaku ist in Norwegen geboren. Dorthin flüchteten seine Eltern 1991 aus dem Kosovo. Später kam die Familie nach Berlin. Bllacaku machte eine Ausbildung zum Bankkaufmann, studierte Wirtschaft und Politik und bekam eine Stelle bei der BASF in der Hauptstadt. Vor einigen Jahren kam das Angebot des Arbeitgebers in die Pfalz zu wechseln. Hier ist er im IT-Projektmanagement tätig. „Berlin ist super für junge Leute“, sagt Bllacaku. Mit seiner Familie genieße er hingegen das entschleunigte Leben in der Südpfalz. Er spielt gern Volleyball und Schach und geht ins Fitnessstudio. Vor wenigen Tagen ist er zum zweiten Mal Vater geworden.
Kitas in der Krise
Die angespannte Kita-Situation im Land ist ein Top-Thema des Familienvaters. Während Erzieher überlastet seien, versuchten regierende Politiker die Krise „schönzureden“. „Die Planstellen passen nicht zur Realität“, meint Fidan Bllacaku. Er setze sich für einen besseren Personalschlüssel, mehr Mittel, mehr Spracherziehung und eine Aufwertung des Erzieherberufs ein. Weiterhin auf seiner Agenda: bessere Arbeitsbedingungen für die Polizei, geringere Netzentgelte und Stärkung der Tarifbindung für Unternehmen. Tarifverträge sollen zur „erleichternden Voraussetzung für öffentliche Aufträge“ werden. Auch die Privatisierung des Gesundheitssektors beäugt Fidan Bllacaku kritisch. „Wir möchten, dass die öffentliche Hand mehr investiert“, sagt er. „Gesundheit darf kein Profitgeschäft sein.“
Milliarden anders verteilen
Milliarden, die in die Aufrüstung fließen, würde Fidan Bllacaku anders verteilen: „Warum ist das nicht für Bildung oder Gesundheit möglich?“, fragt er. Jeder Euro, der für Rüstung ausgegeben wird, komme mit 50 Cent in die Volkswirtschaft zurück. Jeder Euro für Bildung verdoppele sich hingegen, so der Kandidat. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine sei eine „Drohkulisse“ aufgebaut worden. „Das ist ein unfaires Spiel mit Ängsten der Bürger“, so Bllacaku. „Putin-Partei“, „Russlandfreunde“ – das sind Worte, die ihm auch während des Wahlkampfs in der Südpfalz entgegengeschleudert wurden, erzählt der Germersheimer. Da kommt wieder die Resilienz ins Spiel. Unabhängig davon wie die Wahl für ihn ausgeht, Aufhören oder Aufgeben ist keine Option. „Ich stehe hinter der Partei.“