Bellheim RHEINPFALZ Plus Artikel Brandmauer IT bietet Hackern Paroli

Knapp 50 Mitarbeiter zählt das Unternehmen von Volker Bentz (2.v.l.). 100 sollen es in den nächsten Jahren werden.
Knapp 50 Mitarbeiter zählt das Unternehmen von Volker Bentz (2.v.l.). 100 sollen es in den nächsten Jahren werden.

Volker Bentz’ mittelständisches Unternehmen betreut unter anderem Stadtwerke – kritische Infrastruktur, die es vor Angriffen aus dem Internet zu schützen gilt.

Angesichts immer häufiger bekannt werdender Angriffe auf Computernetzwerke von Betrieben und Behörden gewinnt das Thema IT-Sicherheit bei Nutzern und in der Öffentlichkeit immer mehr an Gewicht. So wurde vor zwei Wochen eine inzwischen von der Bundesregierung bestätigte Serie von Cyber-Angriffen auf deutsche Behörden und Ministerien bekannt, die angeblich folgenlos blieb. Ziele sind aber immer wieder auch Schulen wie vor wenigen Wochen in Vorder- und Südpfalz sowie die kritische Infrastruktur, zu der unter anderem auch Wasserwerke zählen. Um das Tun von Hackern zu vereiteln oder zumindest mögliche Schäden zu minimieren, bietet die Bellheimer Firma Brandmauer IT seit Jahrzehnten Rat und Hilfe an. Abgeleitet ist der Name der Firma des Geschäftsführenden Gesellschafters Volker Bentz vom englischen Wort Firewall, die Computer vor Angriffen schützen soll. Doch es geht nicht nur um Netzwerksicherheit.

Fast alle Kunden von Brandmauer IT befänden sich im Umkreis von einer Autostunde rund um Bellheim. Bentz berichtet von zahlreichen Fällen, in denen Unternehmen, die um Hilfe gebeten haben, bereits gehackt waren. „Dann dauert es in der Regel noch einen Tag, bis der Hacker das System unter seine Kontrolle gebracht hat“ – wenn nichts dagegen unternommen wird. „Das Schlimmste, was passieren kann, ist ein unentdeckter Hacker“, so Bentz. Vor einigen Jahren habe es noch etwa zwei Wochen gedauert, bis ein Hacker-Angriff vervollständigt war. „Wir entdecken Hacker innerhalb von zwei Stunden.“

Neue EU-Richtlinie soll helfen

Schutz vor Cyberangriffen bieten soll die EU-Richtlinie NIS 2, die noch nicht in deutsches Recht umgesetzt sei. Das soll laut Bentz nach der nun erfolgten Wahl des Bundeskanzlers geschehen. In Deutschland seien schätzungsweise 30.000 bis 40.000 Unternehmen davon betroffen. Ziel der Richtlinie sei es, „IT-Sicherheit im Staat zu organisieren“. So werde auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gestärkt. Dazu müssten jedoch einzelne Ministerien Kompetenzen abgeben. Davon, dass dies gelingt, sei auch der Erfolg des Ministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung abhängig.

Zuwächse bei IT-Sicherheit

Brandmauer IT wolle Unternehmen helfen, die neue EU-Richtlinie NIS 2 zum Thema IT-Sicherheit umzusetzen. Schließlich betreue man zahlreiche Stadt- und Gemeindewerke in der Südpfalz – kritische Infrastruktur. Laut Bentz steht Brandmauer IT in der Verantwortung für die Wasserversorgung von knapp einer Million Bürgern und für einige 100.000 Kunden von Stromversorgern. „Wenn da Fehler passieren sollten ... Da wird einem bewusst, wie wichtig unsere Arbeit ist.“ Derzeit manage das Unternehmen rund 400 Server mit 2000 Arbeitsplätzen von rund 100 Kunden, die im laufenden Jahr für rund vier Millionen Euro Umsatz sorgen sollen. Dieser sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, von 2,9 Millionen 2021 auf zuletzt 3,7 Millionen Euro, so Bentz.

Allein das Geschäft mit IT-Sicherheit wachse pro Jahr um 20, 30 Prozent. In wenigen Jahren werde dieses Geschäftsfeld die Hälfte vom Umsatz ausmachen. Von dem würden in der Regel pro Jahr zehn Prozent investiert: in die Ausbildung der Mitarbeiter und in Technik. So sei man derzeit dabei, ein Rechenzentrum aufzubauen, das im Juni, Juli fertig sein soll. Es soll der Schwachstellen-Absicherung von Netzwerken dienen, die ein Teil der NIS-2-Richtlinie sei. „Wir wollen Backups reinholen“, also Sicherungskopien, auf die Kunden im Fall der Fälle zurückgreifen könnten. Zudem soll der Fuhrpark auf Elektroautos umgestellt und die entsprechende Ladeinfrastruktur geschaffen werden, wozu auch die Investition in eine Solaranlage zähle.

Auch Hilfe zur Selbsthilfe

Den Kunden werde nicht nur gezeigt, wie sie ihre IT grundsätzlich aufbauen müssen, was in der Regel zwei, drei Jahre dauere, sondern auch welche Sicherheitsvorkehrungen sie treffen müssen, um fit für die gesetzlichen Anforderungen zu sein. Für Letzteres werden laut Bentz Video-Kurse angeboten. Diese leisteten zunächst Hilfe zur Selbsthilfe, wobei Brandmauer IT bei Bedarf auch darüber hinaus unterstütze.

Inzwischen gebe es solche Kurse auch zum Thema Künstliche Intelligenz (KI), das sehr guten Zuspruch erfahre und ein Riesenpotenzial berge. Dabei gehe es nicht um die Anwendung zum Beispiel von ChatGPT oder Copilot, sondern unter anderem um die Frage, „Welche Daten brauche ich für was?“. Es sei enorm wichtig, dass solches Wissen in einem Betrieb ist. Schließlich seien Daten für Unternehmen wichtig, um eine eigene KI zu entwickeln. Deshalb erachtet es Bentz als kontraproduktiv, wenn die EU Unternehmen vorschreibt, Daten nach einer gewissen Zeit zu löschen. „Wie wollen wir KI trainieren, wenn wir die Daten nicht haben? Datenschutz ja, aber man darf sich auch die Zukunft nicht verbauen“, sagt Bentz. Die USA hätten die für diese Technologie erforderlichen Daten. Europa könne auf dem Gebiet noch aufholen. „Wenn das gelingt, kann’s wieder aufwärts gehen (mit der Wirtschaft; Anm. d. Red.).“

Gute Ausbildung gefragt

Für den Wirtschaftsaufschwung bräuchten die Unternehmen auch gut ausgebildete Leute. Dass das Land viele I-Pads an Schulen verteilt hat, ist nach Bentz’ Ansicht „zwar gut gemeint, bringt aber nichts, weil Schüler in Betrieben meist an einen PC mit Windows kommen; entsprechend müsste ausgebildet werden“.

Die Suche nach guten Leuten, insbesondere Cyber-Sicherheitsberatern gestalte sich schwierig, noch dazu im Wettbewerb mit namhaften großen Unternehmen. Denn die gefragten Leute wissen ihren Marktwert einzuschätzen und fordern teils sehr erhebliche Summen, sagt Bentz. Die Lage etwas entspannen würde seit einiger Zeit der Stellenabbau bei einigen Firmen in der Region.

Um den Wachstumskurs halten zu können, hat Brandmauer IT 2021 das neue Bürogebäude am Ortseingang bezogen.
Um den Wachstumskurs halten zu können, hat Brandmauer IT 2021 das neue Bürogebäude am Ortseingang bezogen.

Der 55-Jährige freut sich, dass seine beiden Söhne inzwischen in sein Unternehmen eingestiegen sind. – Dieses habe er 1989 mit einem inzwischen ausgestiegenen Partner gegründet und vor 25 Jahren in eine GmbH umgewandelt. – Damit sei die Unternehmenszukunft gesichert und die der knapp 50 Mitarbeitenden, deren Zahl auf bis zu 100 steigen soll in den nächsten Jahren. Platz für so viele Leute sei in dem 2021 bezogenen neuen Bürogebäude an Bellheims nördlichem Ortseingang, eine Fünf-Millionen-Euro-Investition. Eine Etage des vierstöckigen Gebäudes ist laut Bentz derzeit mit weitgehend vermieteten sogenannten Co-Working-Plätzen belegt.

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