Lustadt
Brand in Recyclingunternehmen: Deshalb sterben diesmal keine Fische
„Müde, erschöpft, glücklich“, beschreibt Steffen Andres, Wehrleiter der Feuerwehren in der Verbandsgemeinde Lingenfeld, seine Gefühlslage am Tag nach dem Großbrand im Lustadter Industriegebiet. Dorthin waren die Wehrleute am Montag gegen 14.30 Uhr gerufen worden, eine größere Menge Elektroschrott war in einer Halle in Brand geraten. Wehrleiter Andres war schnell klar, dass die Nacht wohl kurz werden wird: „Wenn man losfährt und sieht den Rauchpilz, dann weiß man, dass das Abendessen ausfällt“, sagt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
Schaum kam aus Kanal
Dabei kamen auch Erinnerungen an einen Großbrand vor etwa 15 Jahren hoch, auf eben diesem Gelände. „Anderer Hallenteil, selbes Muster“, sagt Andres. Zu diesem Zeitpunkt seien gerade bestimmte Löschmittel verboten gewesen. Das Löschwasser war damals in die Druslach gelangt und damit auch in die Angelweiher. „Aus den Kanaldeckeln quoll Schaum“, erinnert er sich. Daher habe er diesmal das Thema Löschwasser gleich zur Chefsache gemacht und sich mit dem Abwassermeister darum gekümmert, dass Rückhaltung und Entsorgung auf sicheren Beinen standen.
Auch die Wasserversorgung habe man diesmal auf stabilere Beine gestellt: Für einen Teil des Einsatzes wurde Wasser aus der aufgestauten Druslach verwendet, außerdem hatte ein Landwirt auf eigene Initiative einen Brunnen zur Verfügung gestellt. Damit musste letztendlich nur das Löschwasser, das über die Drehleiter zum Einsatz kam, aus dem Trinkwasser entnommen werden, schildert Andres.
Diesmal habe man außerdem auf den Einsatz von Schaummitteln verzichten können – auch wenn man gar nicht genau wisse, warum, sagt der erfahrene Feuerwehrmann. Denn gebrannt hätten überwiegend Kunststoff und Gummi, „das geht eigentlich ohne Schaum gar nicht“. Verkürzt gesagt geht es um die Oberflächenspannung des Wassers, das dank des Schaums, als einer Art Seife, dann besser in das Brandgut eindringen kann. Der Einsatz der Schaummittel sei sogar schon mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion abgesprochen gewesen – und sei dann doch nicht notwendig gewesen. Das sei auch besser so: Denn der Schaum ändert nicht nur die Oberflächenspannung des Löschwassers, sondern auch in den Gewässern, sofern er in diese gelangt. „Manche Tiere brauchen die Spannung aber.“
Ein Bagger hatte schließlich die betroffene Halle zerlegen müssen. Dieser sei direkt vom Riwald Recycling gekommen, mit eigenem Fahrer, sagt Andres. Der Betriebsleiter habe der Wehr alles Notwendige zur Verfügung gestellt, „das lief alles, wie man es sich wünscht“.
Schaulustige stehen im Weg
In der Spitzenzeit waren an die 250 Einsatzkräfte aus der „Blaulichtfamilie“ vor Ort, die Unterstützung kam auf unterschiedliche Weise aus dem gesamten Kreis. Und viele davon hätten sich eben an den Großbrand vor 15 Jahren erinnert, „das bleibt im feuerwehrkollektiven Gedächtnis“. Derweil hatte das Ordnungsamt viel damit zu tun, der Schaulustigen Herr zu werden, die versucht hatten, an die Einsatzstelle zu kommen.
Gegen 17 Uhr hieß es zwar „Feuer unter Kontrolle“, und gegen 18.45 Uhr konnte die Warnung hinsichtlich der Schadstoffbelastung in der Luft aufgehoben werden. Doch die Nachlöscharbeiten gestalteten sich zeitaufwendig. Um 3 Uhr nachts wurde schließlich „Feuer aus“ gemeldet. Die Brandwache blieb bis in die Morgenstunden vor Ort, der Einsatz wurde erst nach einer abschließenden Kontrolle am Dienstag um 9.30 Uhr offiziell beendet.
Angler sind vorsichtig
Beim Angelsportclub Lustadt ist man trotz aller Entwarnungen hinsichtlich der Schadstoffbelastungen noch vorsichtig. Denn nach dem Brand vor etwa 15 Jahren habe es ein großes Fischsterben gegeben, sagt ASC-Vorstand Jan Valendzik. Sein Telefon habe während des Brandes Sturm geklingelt. Die Angler hätten den Druslach-Zulauf abgesperrt und hatten auch Kontakt zur Feuerwehr. Nun werde man als Vorsichtsmaßnahme einige Tage vom Angeln absehen und vor der Freigabe, wohl am Wochenende, auch noch einmal bei der Feuerwehr nachhören, so Valendzik.