VG Lingenfeld
Beste Tierpfleger-Auszubildende: Katzenzähmerin aus Leidenschaft
Tiere gehörten schon immer zum Leben von Lena Sander: Die 23-Jährige ist auf einem Aussiedlerhof in der Nähe von Grünstadt aufgewachsen, hatte Hunde und Katzen, die Tante auch Pferde. Nach der Schule und einem Umzug nach Schwegenheim suchte sie einen Platz für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) – und fand ihn bei der Lustadter Tierauffangstation Terra Mater. „Hier hat es mir gleich gut gefallen“, berichtet sie. Und auch Tierheim-Leiterin Desiree Wabner war von Sanders Engagement angetan. So stand schnell fest, dass sie eine Ausbildung zur Tierpflegerin vor Ort machen kann.
„Sie war von Anfang an sehr interessiert an allem, hatte einen breitgefächerten Wissensdurst“, lobt Wabner ihren Schützling. „Außerdem ist sie sehr zuverlässig.“ Und auch menschlich habe sie sehr gut zum Team gepasst, das derzeit aus sieben Festangestellten, vier Aushilfen, einem Azubi und einem „FÖJ-ler“ besteht. Weil sie bereits vorher in der Tierauffangstation mitgeholfen und gute Noten hatte, konnte Lena Sander ihre Ausbildung in zweieinhalb statt drei Jahren abschließen – „unsere Turbo-Azubine“, sagt die Chefin. Ernährung, Anatomie, Transport oder Unterbringung von Tieren – all das seien Themen einer Ausbildung zum Tierpfleger, berichtet Sander, die mittlerweile in Weingarten wohnt. „Ein bisschen Mathe“ gehöre auch dazu.
Erster Einsatz im Messie-Haus
Den Alltag für Tierpfleger lernte die Auszubildende, die kürzlich als Jahrgangsbeste ihres Fachs von der Industrie- und Handelskammer Pfalz ausgezeichnet wurde, aber bei Terra Mater kennen. Ein wichtiger Teil des Betriebs dort: Einsätze zum Einsammeln von Fundtieren. Etliche Gemeinden, unter anderem die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen, haben mit der Auffangstation einen Vertrag abgeschlossen. Bereits am zweiten Tag ihres FÖJ lernte Sander, was das bedeuten kann: Es galt, Katzen aus einem Messie-Haushalt zu sichern. Für die 14 Tiere habe es nur ein Katzenklo gegeben, dass offenbar auch nicht gereinigt wurde. Der Boden habe geklebt und wegen des Geruchs habe keiner in die Wohnung gewollt, erinnert sich Sander. „Das war mein erster Eindruck“, sagt sie und lacht. Abschrecken ließ sie sich davon nicht. „Je ekliger es ist, umso mehr machen wir uns einen Spaß daraus.“
Die 14 Katzen aus der Messie-Wohnung seien anfangs scheu gewesen, doch bei Terra Mater seien sie alle zahm geworden und hätten an neue Halter vermittelt werden können. Den Umgang mit den Tieren empfindet Lena Sander als einen der schönsten Aspekte ihrer Arbeit. „Meine Katze zu Hause war auch verwildert. Es hat drei Monate gedauert, bis man sie anfassen konnte. Mittlerweile schläft sie sogar bei mir im Bett“, erzählt sie.
Neben rund 80 Katzen und zwölf Hunden leben in der Auffangstation von Terra Mater auch 15 Kaninchen, zwölf Degus, elf Hühner, sieben Ziegen, drei Großpferde, zwei Ponys und ein Esel. Nachdem sie ein Jahr lang im Hundebereich gearbeitet hat, ist Sander derzeit fest im Katzenhaus eingeteilt. „Das ist ihre Tierart“, hat Leiterin Desiree Wabner beobachtet. „Ich mag Tiere, die einen Charakter haben und etwas eigen sind“, erklärt Sander ihre Vorliebe für die Samtpfoten.
Bissigen Hund aufgenommen
Neben der Aufzucht von Katzenbabys gehört beispielsweise auch das Geben von Medikamenten zu ihren Aufgaben. Besonders wichtig sind auch die Vermittlungsgespräche mit Interessenten, die gerne eine Katze bei sich aufnehmen wollen. „Man unterhält sich lange mit den Leuten“, sagt Sander.
Was passiert, wenn der Wunsch nach einem Tier nicht zu Ende gedacht ist, hat Lena Sander an Mischlingshund Loki erlebt. Der kommt ursprünglich aus einem Tierheim in Rumänien und ist schließlich in der Lustadter Auffangstation gelandet. „Er mag Menschen nicht besonders“, berichtet die Tierpflegerin. Bei Fremden, insbesondere bei Kindern, bestehe die Gefahr, dass er beiße, weshalb er auch beim Besuch der RHEINPFALZ einen Maulkorb trägt. Fast ein Jahr lang sei Loki bei Terra Mater gewesen, Interessenten habe es wegen seiner Verhaltensmuster keine gegeben. „Ich habe monatelang mit ihm trainiert, dann habe ich mich entschieden, ihn mit nach Hause zu nehmen“, erzählt Sander. Die Tiere selbst bei sich aufnehmen – das können Lena Sander und ihre Kollegen natürlich nur im Ausnahmefall. Deshalb sind sie froh, wenn sie ein gutes Zuhause für ihre Schützlinge finden.
Termin
Tierweihnacht bei Terra Mater in Lustadt, Am Klärwerk 2, am Sonntag, 14. Dezember, 13 bis 16 Uhr. Es gibt Kaffee, Kuchen, Glühwein und Kinderpunsch. Ein Weihnachtsbaum ist geschmückt mit kleinen Wunschkärtchen für die Tiere. Mit einer Spende können Besucher helfen, die Wünsche, die von Futter über Spielzeug bis hin zu kuscheligen Decken reichen, zu erfüllen.
Geehrte
Außer Lena Sander wurden im November mehr als 100 weitere Azubis von der IHK Pfalz ausgezeichnet, weil sie die Besten ihres Ausbildungsberufs waren. Darunter waren auch zwei Speyerer: Mervan Arbag, der eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Sparkasse Vorderpfalz absolvierte, und Alexander Martirosyan, der in der Gaststätte „Schwarzamsel“ zur Fachkraft für Gastronomie ausgebildet wurde.