Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Beste Noten, große Ziele: Drei Top-Abiturienten blicken optimistisch in die Zukunft

Die drei besten Abiturienten an der IGS Kandel (von links): Emma Erkelenz, Jakub Ryndak und Hanna Stoltz.
Die drei besten Abiturienten an der IGS Kandel (von links): Emma Erkelenz, Jakub Ryndak und Hanna Stoltz.

Psychologie, Medizin und Chemie: Hanna Stoltz, Emma Erkelenz und Jakub Ryndak haben an der IGS Kandel die besten Abischnitte erreicht – und fürs Studium feste Pläne.

Hanna Stoltz und Emma Erkelenz sind in und um Kandel aufgewachsen. Beide haben ab der fünften Klasse durchgehend die Integrierte Gesamtschule (IGS) Kandel besucht und sind in der Minfelder Schreberjugend aktiv – vom Kindesalter bis heute als Betreuerinnen. Stoltz reitet gerne, Erkelenz früher auch. An der IGS haben sie zudem zusammen den Chemie-Leistungskurs besucht, von dem im Gespräch mit der RHEINPFALZ noch öfter die Rede sein wird. „Da hatten wir eine gute Gemeinschaft und mit Herrn Piekenbrock einen tollen Lehrer“, sagt Stoltz.

Dem kann sich Jakub Ryndak nur anschließen. Chemie hat ihn so begeistert, dass er nun ein Studium in dem Fach anstrebt. Dass Chemieingenieurwesen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) besonders schwierig sein soll, stört ihn nicht. Mit einer glatten 1,0 als Abischnitt nimmt er solche Herausforderungen gerne an. Dabei war sein Weg lange kein leichter: Ohne Deutschkenntnisse war Ryndak im Kindesalter von Polen nach Deutschland gekommen, die zweite Klasse musste er wiederholen.

Die richtige Entscheidung

„Das war keine schöne Zeit. Ich habe im Unterricht kein Wort verstanden, konnte bei den Mitschülern keinen Anschluss finden“, erinnert sich der 19-Jährige. Das einzige Fach, in dem er schon damals zurechtkam, war Mathematik. Da gab es keine Sprachbarriere. Einen Deutschkurs habe er keinen bekommen, erzählt Ryndak. Den Wortschatz habe er sich im Alltag selbst angeeignet. In der fünften Klasse kam er dann an die IGS – nicht aufgrund einer Empfehlung, sondern weil seine Freunde dort hingingen. Es war die richtige Entscheidung.

Wie haben Ryndak, Stoltz und Erkelenz es geschafft, die besten Notenschnitte ihres Jahrgangs zu erzielen? Alle Drei sagen, dass sie gar keine großen Lerner seien, zumindest keine Auswendiglerner. „Mir war es immer wichtig, auch ein Leben außerhalb der Schule zu haben“, sagt Erkelenz. „Ich war immer schon ein neugieriger Mensch. Ich bin immer gerne zur Schule gegangen und habe im Unterricht zugehört und mitgemacht.“

Bei ihm habe ein durchgetakteter Tagesablauf immer geholfen, sagt Ryndak. „Ich gehe nach Hause, esse was, mach was für die Schule, gehe trainieren. Wenn noch mehr für die Schule ansteht, mache ich nach dem Sport weiter. Die Abendzeit ist meine Zeit, da will ich nichts mehr auswendig lernen müssen.“ Da müssen Erkelenz und Stoltz ein bisschen schmunzeln. Erkelenz sagt, sie werde erst ab 21 Uhr so richtig produktiv, was das Lernen angeht. Jeder ist eben anders.

Nach dem erfolgreichen Schulabschluss kommt für die drei jungen Menschen nun der große Umbruch. Hanna Stoltz will Psychologie studieren, Emma Erkelenz Medizin. Trotz ihres Abischnitts von 1,3 ist sich Erkelenz nicht sicher, gleich einen Studienplatz zu bekommen. Mit einem guten Ergebnis beim Medizinertest zum Beginn des Bewerbungsverfahrens sollte sie aber auf der sicheren Seite sein. Einen ähnlichen Test wird auch Stoltz absolvieren.

Bei der Frage, was sie nach dem Studium beruflich machen wollen, können die beiden mehr ausschließen als eingrenzen: Stoltz will nicht Therapeutin werden, sondern eher in die Forschung gehen. Erkelenz hat keine Lust darauf, mal eine Hausarztpraxis zu eröffnen. In ihrem Lieblingsfach Biologie habe sie sich besonders für Neurologie interessiert, berichtet die junge Frau. Aber ihr bleibe ja noch reichlich Zeit, bis sie sich mit einer Fachrichtung festlegen müsse. Beide Absolventinnen haben vor, die Pfalz fürs Studium zu verlassen. Freiburg, Heidelberg, Mainz, Tübingen, Trier oder Regensburg wären die bevorzugten Ziele.

Engagierte Lehrer

Bei Jakub Ryndak ist das anders. Für sein Studium in Karlsruhe kann der Kandeler erst mal zu Hause wohnen bleiben. Für ihn ist das kein Problem: „Ich mag meine Eltern“. Er freue sich aufs Studium. Am KIT werde er während der Promotion bereits als Ingenieur arbeiten. „In der Zeit verdiene ich dann 80.000 Euro im Jahr“, sagt Ryndak. „Das wird bei meinem praktischen Jahr anders“, wirft Emma Erkelenz ein: „Da verdiene ich, wenn es gut läuft, 2,50 Euro die Stunde.“

Trotz der vielen aktuellen internationalen Krisen, die auch die wirtschaftliche Lage in Deutschland trüben, blicken die drei Top-Abiturienten optimistisch in die Zukunft. Zumindest auf ihre persönliche. „Wenn mir eines Sorge macht, dann ist das die AfD“, sagt Erkelenz mit Blick auf die politische Entwicklung im Land. Die steigenden Miet- und Lebenskosten seien natürlich auch ein negativer Faktor. „Es wird sicherlich eine Herausforderung, unser Studium und das Geldverdienen unter einen Hut zu bringen“, findet Stoltz.

„Ich mache mir am meisten Sorgen darüber, dass die Beziehungen aus unserer Schulzeit auseinandergehen“, gesteht Ryndak. „In meinem Freundeskreis ziehen alle in unterschiedliche Richtungen.“ An diesem Punkt kommen die drei Abiturienten wieder auf ihren Chemiekurs und den guten Teamgeist dort zurück. Überhaupt sei die IGS eine tolle Schule gewesen, mit vielen engagierten Lehrern, die sich auch menschlich für ihre Schüler interessiert hätten.

Die Serie

Viele junge Menschen haben gerade ihr Abitur gemacht. Wir sprechen mit Jahrgangsbesten über ihre Ziele und Pläne nach der Reifeprüfung.

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