Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Beste Lage im Zentrum

Das Haus am Plätzel steht seit 2013 leer.  Foto: van
Das Haus am Plätzel steht seit 2013 leer.

Nach jahrelangem Ringen steht fest: Die protestantische Kirchengemeinde Kandel steckt noch einmal Geld in ihr Gemeindezentrum. Die Zukunft des Fachwerk-Gebäudes am Plätzel ist indes weiter offen. Klar ist nur: Die Kirchengemeinde kann sich den Umbau nicht leisten.

. Reich an Gebäuden mit Geschichte ist die protestantische Kirchengemeinde Kandel zweifellos: Neben der St. Georgskirche und einem Gebäude in der Schillerstraße gehört ihr unter anderem das Gemeindezentrum am Marktplatz und das „Haus am Plätzel“. Der Haken: Das Fachwerk-Juwel ist marode, das Gemeindezentrum in die Jahre gekommen. Und mit finanziellem Reichtum ist die Kirchengemeinde – wie viele andere – nicht gesegnet.

Seit Jahren beschäftigt sie die Frage, wie es mit beiden Häusern weitergehen soll. Im Sommer 2013 hatte der protestantische Kindergarten aus dem „Haus am Plätzel“ wegen akuter Einsturzgefahr kurzfristig werden ausquartiert müssen. Der Kindergarten ist später in städtische Trägerschaft übergegangen, die Kinder besuchen jetzt die neu gebaute Kita „Die Entdecker“. Das Fachwerkgebäude selbst ist zwar stabilisiert. Aber die Pläne, das Gemeindezentrum an die Stadt zu verkaufen und das „Haus am Plätzel“ mit dem Erlös zu sanieren, hatten sich Ende 2017 zerschlagen.

Denn der Umbau des denkmalgeschützten Hauses in ein Gebäude, das öffentlich genutzt werden soll, wäre kostspielig – Stichworte sind hier unter anderem Barrierefreiheit und Brandschutz. Allein die Erneuerung des Bestandes wäre nach damaligen Kostenschätzungen auf eine Million Euro gekommen. Zu viel für die protestantische Kirchengemeinde.

Private Investoren wären da. „Aber das machen wir nicht“, betont Pfarrer Arne Dembek auch mit Blick auf die Lage. „Das Haus muss in öffentlicher Hand bleiben.“ Ein großer Teil der Kandeler Märkte spielt sich quasi vor der Haustür ab. Probleme zum Beispiel wegen Lärmbelästigung wären bei der Nutzung als privates Wohnhaus vorprogrammiert. „Wir sind gerne bereit, zusammen mit anderen zu denken. Wir müssen die Bürger mobilisieren, Ideen sammeln“, sagt der Pfarrer. Derzeit ruht das Thema jedoch: Vor der Kommunalwahl sei kein geeigneter Zeitpunkt, um zum Beispiel mit der Stadt über mögliche Finanzierungen zu reden.

Gemeindezentrum bekommt Aufzug

Dafür wurde vom Presbyterium eine Entscheidung hinsichtlich des Gemeindezentrums getroffen: Noch 2017 sollte das Gebäude an die Stadt verkauft werden, der Stadtrat hatte im Februar 2017 sogar schon einen entsprechenden Beschluss gefasst. Im November 2017 war jedoch klar, dass das Gemeindezentrum nicht in das „Haus am Plätzel“ umziehen kann, die Kirchengemeinde zog ihre Zusage an die Stadt zurück. Damals hieß es, dass es erstmal eine Denkpause geben soll. Und die ist jetzt vorüber: „Wir investieren nochmal in das Gebäude, und hoffen dann ein paar Jahre Ruhe zu haben“, erläutert Dembek.

Ein wichtiger Faktor ist die kirchliche Variante des Fachkräftemangels: Viele Pfarrstellen bleiben vakant. „Kandel wird dann ein Zentrum sein“, glaubt Dembek. Damit benötige man ein Gemeindezentrum. Maximal 350.000 Euro will die Gemeinde investieren, „das können wir uns noch leisten“. Die Einnahmen über die Kirchensteuern seien nur wegen der Konjunktur so gut, „das wird zurückgehen“, lautet seine Einschätzung.

Das Zentrum habe eine relativ gute Bausubstanz, allerdings sei seit 25 Jahren nichts gemacht worden. Ein Knackpunkt, auch hier: Das Gebäude ist nicht barrierefrei, weder der Zugang, noch die Toiletten. Deshalb sind kleinere Baumaßnahmen vorgesehen. In der Schulgasse soll es einen Lift geben. Dieser soll in der Höhe des Schaukastens das Erdgeschoss mit dem großen Saal verbinden. Die Garagen sollen vielleicht entfallen, der Innenhof offen zugänglich sein.

Permanente Mieter hat das Gebäude schon: Die Flüchtlingsberatung der Diakonie hat Räume angemietet, der Bezirkskantor hat dort sein Büro, Pfarrerin Johanna Baum nach der Rückkehr aus der Elternzeit ebenfalls. Derzeit ist die Kirchengemeinde allerdings mit dem Jubiläum „500 Jahre St. Georgskirche“ ausgelastet. Deshalb wird mit den Arbeiten wohl frühestens 2020 begonnen.

Auch das Gemeindezentrum ist in die Jahre gekommen.  Foto: van
Auch das Gemeindezentrum ist in die Jahre gekommen.
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