Kreis Germersheim
Berg: 17-jährige Johanna Supper leitet Kirchenchor
Mit gerade mal 17 Jahren hat Johanna Supper im vergangenen November den Kirchenchor „De Cantare Vita“ (Vom Leben singen) in Berg übernommen, der zuvor lange von Achim Knoll geleitet wurde. Die Schülerin ist Organistin und möchte nach dem Abitur Theologie studieren.
Berg/Büchelberg. „Den Text singen wir in Italienisch-Latein, und dieser Ton muss höher klingen!“ Konzentriert probt die junge Dirigentin mit ihren Sängern die Einzelstimmen, singt Passagen vor, gibt Tipps von der Aussprache bis zum gewünschten harmonischen Zusammenklang. Ihre Sänger folgen ihr und schon ist das „Ave Verum Corpus“ von Mozart viel inniger zu hören.
„Es war überraschend, ich habe etwas gezögert, aber es war wohl eine gute Fügung“, sinniert Johanna. Kurz zuvor hatte sie die C-Prüfung, ein Zertifikat für Kirchenmusiker, am Bischöflichen Kirchenmusikalischen Institut in Speyer abgelegt und erfüllte damit die fachlichen Voraussetzungen für das Dirigat. Trotzdem ist es eine Herausforderung: Der Chor mit vier Männer- und 16 Frauenstimmen ist auf seinen langjährigen Dirigenten geprägt. Doch Autoritätsprobleme gab es nie, immerhin sind manche der Sängerinnen dreimal so alt wie Johanna, deren Eltern ebenfalls im Chor singen.
Das Orgelspiel war anfangs ein Kampf mit Pedalen und Registern
Im Gegenteil, alle Sänger fügen sich motiviert den musikalischen Anweisungen ihrer Dirigentin. So singen sie nicht nur im Gottesdienst dem Herrn Lob und Dank, sondern haben in der Singstunde auch jede Menge Lob für ihre Johanna bereit. „Sie hat klare Ansagen, geht mit uns kleine feine Schritte in der Tongestaltung, findet immer gute Tipps, und bringt so eine frische muntere Note ins Singen.“ Sie kennt die Hochfeste im Kirchenjahr, die Gestaltung eines Gottesdienstes und macht hierfür die Liedvorschläge selbstständig.
Die Ausbildung in Speyer mit Gesang, Gehörbildung, Dirigat, Musiktheater, Liturgiegestaltung und Orgelbaukunde sei die beste Grundlage für die jetzigen Aufgaben. Es waren drei harte Jahre mit regelmäßigem Samstagsunterricht, zu dem die Eltern das Mädchen vom Wohnort Büchelberg nach Speyer fahren mussten. Dazu gab es Hausaufgaben, jährliche Prüfungen und natürlich Orgelunterricht. Zum Orgelspiel fand Johanna, als sie erstmals dem vielseitigen Klang in der St. Georgskirche in Kandel lauschte. Sie schwärmt von den unendlich vielen Möglichkeiten dieses Instruments, eine einzelne Flöte oder ein ganzes Orchester erklingen zu lassen. Anfangs sei es aber ein Kampf mit Pedalen und Registern gewesen, der dank ihres Lehrers Martin Erhard inzwischen längst der Freude am Spiel in den Kirchen Büchelberg, Berg und Scheibenhardt gewichen ist.
Zukunftspläne sind vom christlichen Elternhaus geprägt
Auch zuhause kommt die Freude an der Musik nicht zu kurz. Bruder Benedikt spielt Posaune, Schwester Ruth Cello, Vater Markus und Mutter Patricia singen, „und wenn wir uns zusammengerauft haben, hört sich das ganz prima an“, lacht Johanna. Ihre Zukunftspläne sind nicht zuletzt von ihrem christlich geprägten Elternhaus beeinflusst. So klar wie die Ansagen der jungen Dirigentin sind, so klar sieht sie ihren Weg vor sich. Inzwischen ist sie 18 Jahre, macht nächstes Jahr Abitur an der IGS Kandel und wird danach ein Theologiestudium beginnen.
In Zeiten wachsender Kirchenferne ist es wenig erstaunlich, dass sie immer mal wieder von Mitschülern auf ihren Glauben angesprochen wird, „aber es ist nie abwertend, eher Neugierde und Unwissen“. Er sei „eine Kraftquelle, ein Geschenk. Es ist bedauerlich, dass es uns Christen so schwerfällt, die Freude am Glauben weiterzugeben“, meint Johanna Supper. „Ich möchte in Zukunft als Pastoralreferentin versuchen diese Freude an Andere zu verschenken.“
Die Serie
In der Serie „Im Takt“ stellen wir junge Dirigenten in der Region vor. Sie erscheint in unregelmäßigen Abständen in „Marktplatz regional“.