Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Benzinpreise: Langsam macht sich Panik breit

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Die Rufe nach der Rückkehr zum Verbrennungsmotor sind leiser geworden. Aber mit den Erneuerbaren drohen kurzfristig neue Abhängigkeiten.

Bleiben die Energiepreise hoch oder steigen noch weiter, drohen ein zweiter wirtschaftlicher Einbruch und eine weitere Inflationswelle. Zwischen 2020 und 2025 sind die Lebensmittelpreise um rund 36 Prozent gestiegen, die Mieten bei Neuvermietungen um 15 Prozent (in Ballungsräumen teilweise deutlich mehr), die Energiepreise (Haushaltsenergie und Kraftstoffe) um insgesamt 43,1 Prozent. All das trifft vor allem Haushalt, die über wenig Geld verfügen. Dabei geht es uns noch gut: In Indien und Indonesien soll schon das Gas zum Kochen ausgehen. Es gibt also gute Gründe, garantiert günstigen Energiequellen den Vorzug zu geben: Wind und Sonne. Immerhin: Mit den steigenden Treibstoffpreisen sind die Rufe nach der Rückkehr zum Verbrennungsmotor leiser geworden.

Aber Abhängigkeiten reduziert das nur zum Teil, sie werden auch verlagert. Weg von den nuklearen Großmächten USA und Russland hin zu den wirtschaftlichen Schrittmachern. Solarzellen werden schon länger vor allem aus China importiert, bedeutende Teile der europäischen Windrad-Produktion wurden in den vergangenen zehn Jahren nach China, Indien und Asien verlagert. Leiser geworden ist es auch auf den Autobahnen. Die Menschen fahren freiwillig deutlich langsamer, weil das Benzin spart. Die Zeiten wären also günstig für ein Tempolimit. Aber die Bundesregierung nimmt lieber Rücksicht auf die, die sich das Rasen noch leisten wollen und können. Und warnt im gleichen Atemzug davor, dass der Treibstoff noch knapp werden könnte – das dann aber wieder für alle. Selbst die kleinen Wünsche pflegebedürftiger Senioren sind dann schnell nicht mehr bezahlbar. Kein Wunder also, wenn der verbreitete Fatalismus im Land sich langsam in Panik verwandelt.

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