Jockgrim
Aufstockung und Neubau: So wächst die Grundschule in Jockgrim
Überraschend still war es am ersten Ferientag rund um die Lina-Sommer-Grundschule in Jockgrim. Klar, die Schüler tummelten sich in den Ferien, aber auch auf der großen Baustelle nördlich des Schulhofes war an diesem Tag niemand von den Handwerkern zu sehen. Damit war ein ungestörter, ausgiebiger Rundgang durch den beeindruckenden Rohbau mit dem Architekten Achim Stadter möglich.
Neben dem Architekturbüro Archas aus Rheinzabern sind zusätzlich die Polychrom Architekten aus Landau an dem anspruchsvollen Schul-Projekt beteiligt, erklärte Stadter. „Wir haben zum ersten Mal und speziell für dieses Projekt eine Arbeitsgemeinschaft gebildet und die einzelnen Arbeits- und Bauphasen untereinander aufgeteilt.“
Das Erweitern der Jockgrimer Grundschule wurde notwendig, weil das bestehende Schulgebäude wegen gestiegener Schülerzahlen wieder zu klein geworden ist. Ein Anbau, der in den 1990er-Jahren gebaut wurde, reichte schon lange nicht mehr aus. Also ging die Verbandsgemeinde Jockgrim als Schulträgerin daran, das bestehende Schulgebäude erneut zu vergrößern. Damit verbunden ist nicht nur das Aufstocken des letzten Erweiterungsbaus. Dieser wurde vor rund 30 Jahren schon so gebaut, dass er um ein weiteres Geschoss vergrößert werden kann. Dafür wurde er jedoch komplett entkernt, praktisch in den Rohbauzustand zurückversetzt.
Verkomplizierte Baupläne
Der Verbandsgemeinderat habe entschieden, so zu verfahren, sagte Achim Stadter. Und ergänzte, dass der Erhalt des Stockwerkes die Baupläne verkompliziert und einige architektonische Kniffe erfordert hätte. Die er später anschaulich erläuterte. Während der Bauphase fallen damit die Klassenräume des „alten“ Anbaus weg. Weitere können nicht genutzt werden, weil neue Übergänge vom Altbau zum neuen Teil geschaffen werden, das hintere Treppenhaus gesperrt wurde und eine provisorische neue Fluchttreppe aus Stahlelementen seitlich am Altbau aufgestellt wurde.
Die raumlos gewordenen Schulklassen werden deshalb bis zum Ende der Bauarbeiten in Containern auf einer Grünfläche gegenüber der Schule untergebracht. Die Durchfahrt der zwischen Schulgebäude und Containern liegenden Straße wurde aus Sicherheitsgründen gesperrt.
Beim Gang durch das alte Erdgeschoss kommt fast ein Gefühl wie in sogenannten „Lost Places“ auf, denn die Wandfarbe ist teilweise noch erhalten, hier und da stehen alte Schulmöbel oder ein ausrangierter Overhead-Projektor. Die Heizungsrohre an den Wänden sind überflüssig geworden, weil es künftig Deckenheizungen in den neuen Räumen geben wird.
Ein großer Mehrzweckraum
Im Erdgeschoss des Neubaus soll es wieder drei Klassenräume geben, und es gibt eine komplett neue Toilettenanlage für Schüler und Lehrer. Weiter ist ein Mehrzweckraum entstanden, in den eine mobile Trennwand integriert werden soll. Seine Ausmaße erinnern schon fast an einen veritablen Turnraum. Mithilfe einer langgestreckten Rampe wird das Erdgeschoss barrierefrei erreichbar sein.
Im Neubau ist ein neues Treppenhaus entstanden. Wer oben ankommt, staunt erst einmal ob der schieren Höhe der Räume im Obergeschoss. Das Niveau der Räume soll auf die Höhe der Flure des Altbaus angepasst werden. Ein Problem, denn sie liegen rund 1,40 Meter höher als der Boden im Obergeschoss des Neubaus. „Wir werden den Boden deshalb aufständern“, sagt der Architekt.
Vom großen Spielflur mit Panoramablick auf den Schulhof gehen weitere Klassenräume ab, die Zimmer für die Schulleitung, das Sekretariat und das Lehrerzimmer werden ebenfalls im neuen Obergeschoss untergebracht. Die alten Räume werden frei für andere Zwecke. Zwischen dem alten Schulteil und dem Neubau entsteht ein zweites Treppenhaus, das optisch an den Anbau für den vor einigen Jahren eingebauten Aufzug angelehnt wird. Überhaupt Optik. Der Neubau bekommt ein Flachdach, das an einigen Stellen für Dachluken durchbrochen ist. „Und wir müssen auch Kunst am Bau unterbringen“, ergänzt Stadter. Sie soll in Form eines dreidimensionalen Kunstwerks an der Wand eines der beiden Treppenhäuser hängen, drei Künstler seien angesprochen und gebeten worden, Angebote zu erstellen.
Nach derzeitigem Stand wird das Erweitern der Grundschule knapp sechs Millionen Euro kosten, fertiggestellt sein soll die Schule in einem Jahr. Ach ja, hier noch die Antwort auf die Frage, warum Anfang April nicht auf der Baustelle gearbeitet wurde. Das Abdichten des großen Flachdaches war gerade fertig geworden, die Fenster vermessen und der Auftrag dafür erteilt. Erst, wenn die Außenhülle geschlossen ist, die Fenster und provisorischen Baustellentüren sitzen, geht es mit dem Innenausbau weiter. Solange ist Baupause.