Minfeld RHEINPFALZ Plus Artikel Applaus in der Scheune, Ärger im Hotel: Erinnerungen an einen besonderen Adorf-Abend

Mario Adorf bei einer Lesung in der Kuschmi.
Mario Adorf bei einer Lesung in der Kuschmi.

Wie Mario Adorf nur auf Umwegen eine Übernachtungsmöglichkeit für die Lesung in Minfeld fand und warum ein Landrat einen Tisch frei halten musste.

[Korrigiert: 13. April 2026, 18.54 Uhr] Er hat lange in München und in Rom gelebt, letzte Woche ist er im Alter von 95 Jahren in Paris verstorben. Doch auch in der kleinen Südpfalzgemeinde Minfeld erinnert man sich dieser Tage an den großen Mimen Mario Adorf.

Am 17. und 18. März 2000 war der berühmte und zumindest deutschlandweit bekannte und mit Preisen überhäufte Schauspieler unterwegs, um sein erst erschienenes Buch „Himmel und Erde“ vorzustellen. In Karlsruhe zunächst, und einen Abend später auch in Minfeld, war man gespannt auf die „Erinnerungen an ein unvergleichliches Leben zwischen einem kleinen Eifelstädtchen und der großen Welt des internationalen Films“. Hier gab es mit der Kuschmi einen durchaus rustikales Veranstaltungsort, eingerichtet in einer früheren Scheune. Und der Schriftsteller Mario Adorf hatte zugesagt, auch hier sein Buch vorzustellen. Schnell waren die Karten ausverkauft, der Termin rückte näher. Und für den Schauspieler, wie auch für andere Künstlerinnen und Künstler, die in der Kuschmi auftraten, war ein Hotelzimmer im benachbarten Kandel reserviert.

Star hat keinen Ausweis dabei

Dort kam am späten Nachmittag auch Mario Adorf an, meldete sich an der Rezeption. Und nun sollte das Drama beginnen. Denn der junge Mann, der an diesem Tag Dienst hatte, erkannte den berühmten Schauspieler überhaupt nicht. Sein Name sagte ihm nichts, weshalb er auch die Ausweispapiere verlangte, die Adorf aber erstens nicht zur Hand hatte, seine persönlichen Daten aber auch nicht angeben wollte. Voller Verärgerung kehrte er auf dem Fuß um, ging in sein Auto zurück, in dem der Fahrer noch wartete und bat, ihn wieder nach Karlsruhe zu bringen.

Doch auch im Karlsruher Schloss-Hotel, wo er zuvor genächtigt hatte, war – angeblich – kein Zimmer mehr frei. Der Grund: Bundesparteitag der Grünen, alles belegt. Doch hier konnte geholfen werden, natürlich fand man für den berühmten Schauspieler, ein adäquates Zimmer. Welch großes Glück für die Veranstalter, wie sich der damalige Ortsbürgermeister und Kuschmi-Vorsitzende Clemens Nagel heute noch genauestens erinnert. Die Geschichte vom Kandeler Hotel, in dem man Mario Adorf nicht zu erkennen vermochte, machte damals die Runde, Kopfschütteln überall: „Wie kann man nur?“ „Es gibt halt Vorschriften!“

Weinstube reserviert nicht

Nun wollte man den Star nach seinem Auftritt nicht von dannen ziehen lassen, ohne ihm Minfelder Spezialitäten zu offerieren. Die gab es damals noch vor allem in der „Weinstubb uff de Bach“, die freitags aber meist gut besucht war. Selbst ein Anruf von Clemens Nagel für sechs Personen doch einen Tisch zu reservieren, führte nicht zum Erfolg. „Wir reservieren grundsätzlich nicht“, so erinnert sich der heute 81-jährige Minfelder Ehrenbürger Nagel an die Antwort auf seine Anfrage. Doch mit Gottfried Nisslmüller war der damalige Landrat auch unter den Kuschmi-Gästen. Er fuhr in die Weinstube, hielt Ausschau nach einem geeigneten Tisch für sechs Personen, und belegte diesen mit dem Hinweis, die übrigen Personen kämen in Kürze vorbei. Als Adorf schließlich alle Wünsche nach einer Signatur in „Himmel und Erde“ erfüllt hatte, ging es in die Weinstube.

Pfälzer Spezialitäten standen hier auf der Karte, doch die konnte der Filmstar auch nicht so richtig genießen, denn immer wieder wurde er vom Nachbartisch aus angesprochen. Auf Dauer wurde es Adorf nun doch zu bunt und er empfahl sich bei den Gastgebern. Die Einladung einer Frau als Karlsruhe, die ihn schon am Abend mehrfach zu sich und ihrer Begleitung an den Tisch gebeten hatte, am nächsten Tag zu ihr doch zum Mittagessen zu kommen, hat er vermutlich nicht angenommen. Die Kuschmi indes dürfte ihm in guter Erinnerung geblieben sein, stürmischer Applaus belohnte die Lesung in einer überfüllten Scheune.

Korrektur

Im Ursprungstext war versehentlich ein falscher Auftrittstermin von Mario Adorf genannt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

x