Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Am Zügel eigene Stärken entdecken

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Daniela Paul bietet auf ihrem Hagenbacher Pferdehof Apollon Erlebnispädagogik an. Realschüler aus Kandel haben hier ein Teamtraining absolviert. Es geht um Respekt, Rollentausch und darum, eigenes Verhalten zu hinterfragen.

Hagenbach. Neugierig kommen fünf Pferde und ein Esel angetrabt, nachdem bereits Mops Anneliese bellend die Ankunft neuer Besucher auf dem Hagenbacher Pferdehof Apollon gemeldet hat. Mit den 27 Realschülern der fünften bis elften Klassen aus Kandel ist die morgendliche Idylle auf den Weiden munterer Betriebsamkeit gewichen. Der Ausflug gehört zum Glücksunterricht von Susanne Gerdon, mit dem sie ihre Schüler stark fürs Leben machen will. „Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“ kann höchstens als Einstieg dienen, denn heute wird nicht geritten. Stattdessen ist Teamtraining angesagt: Es geht darum „sich gegenseitig zu respektieren und zu helfen, die Pferde sind ein gutes ,Werkzeug’, eigenes Verhalten zu erkennen“, erläutert Daniela Paul, Betreiberin des Pferdehofes. Während zwei Gruppen mit Teamspielen aktiv sind, ermuntert Paul die erste Gruppe auf ihre Tiere zuzugehen, alles Haflinger und Kaltblüter, deren Verhalten die Trainerin einschätzen kann. „Fast alles ist erlaubt, aber achtet auf die Sprache der Tiere.“ Dazu schnaubt Santos schon mal so kräftig, dass Tobias und Nesrin erschreckt zurückweichen. „Keine Angst, das Abschnauben bedeutet Entspannen, aber hütet euch beim Anlegen der Ohren“, erklärt Daniela Paul.

Der störrische Apollo fordert Willensstärke ein

Eine ihrer sechs Mitarbeiter ist Katja, von der die Schüler lernen, wie die sensiblen Tiere direkt auf das Verhalten und die Energie der Menschen reagieren. Hektisches Agieren macht die Pferde unruhig, sie erschrecken und galoppieren plötzlich über die Koppel. Und weil eines der Mädchen nur zögerlich an den Zügeln zieht, bleibt der selbstbewusste Apollo störrisch. „Er braucht Willensstärke von dir“, fordert Katja. Eben diese zeigen die Schüler Raul und Dominik bereits, die mit ihrem Pferd am Strick übers Gelände rennen. „Ich hatte früher in Rumänien Pferde“, erzählt der 16-jährige Raul. Auch Keana hat Erfahrung mit Pferden, sie kann reiten und lobt und streichelt das Tier. Schwerer haben es dagegen Kinder, die Umgang mit Tieren nicht gewohnt sind, wie einige schüchterne Mädchen, die dem Geschehen zurückhaltend zuschauen. Bis schließlich Felix, der Esel, die Initiative ergreift und seinen Kopf an die Schulter eines nun lächelnden Mädchens kuschelt. Für die ganz Ängstlichen wartete am Ende immerhin die kleine Möpsin Anneliese auf ein paar Streicheleinheiten.

Umgang mit Tieren kann Mobbing vorbeugen

„Keine Angst vor Tieren haben, ist keinesfalls der Hauptgewinn dieses Ausflugs“, fasst Susanne Gerdon zusammen. Manche Kinder übernähmen hier andere Rollen als in der Schule, weil sie Verantwortung zeigen oder sich an Vorgaben halten. Der Umgang mit den Tieren veranlasse zu gegenseitiger Unterstützung und Hilfe und sei letztendlich auch Mobbing-Prävention. „Weil die Tiere so direkt reagieren, hilft es den Kindern ihr Verhalten zu reflektieren, ein Thema in unserem Glücksunterricht.“ Es gehe dabei nicht um das Warten auf Zufallsglück, sondern um das Erkennen eigener Stärken. Diese wiederum sollen für selbstgesteckte Ziele, eingesetzt werden. Da passe wieder der Spruch: „Jeder ist seines Glückes Schmied.“

Info

Daniela Paul bietet auf ihrem Hof regelmäßig pferdegestützte Erlebnispädagogik mit verschiedenen Schwerpunkten an: Apollon - Führen Erleben Reiten, Ringstraße 16, Neuburg, Telefon 0170 9286011, E-Mail daniela.paul@web.de; Internet: www.apollon.info.

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