Kreis Germersheim
AfD-Kandidat Wondra: Alles hängt von der Wirtschaft ab
„Von der Wirtschaft leitet sich alles ab.“ Das betont Andreas Wondra immer wieder. Sozialstaat, Bildung, Kommunen – alle Bereiche der Gesellschaft seien von einer florierenden Wirtschaft abhängig. Und die wirtschaftliche Entwicklung im Land bereite im Sorgen, betont Wondra, der das Direktmandat im Wahlkreis 52 für die AfD gewinnen will. „Wenn man sieht, wie viele Unternehmen allein hier im Kreis Germersheim zuletzt geschlossen wurden, wie viele Arbeitsplätze abgebaut wurden, dann sieht man, dass die SPD-Regierung abgewirtschaftet hat.“ Wondra verweist dabei auf die im Januar veröffentlichten Zahlen des Ifo-Instituts, wonach im dritten Quartal 2025 die Wirtschaftsleistung in acht Bundesländern im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft ist. Rheinland-Pfalz nimmt dabei den zweitletzten Platz ein.
Wondra ist Diplom-Wirtschaftsingenieur und arbeitet als selbstständiger Unternehmensberater. „Ich bin überzeugter Europäer, aber der Euro zerstört unser Land“, meint der 65-Jährige. Die Zweifel am Euro waren es auch, die Wondra bereits 2013, kurz nach der Gründung der Partei, in die Alternative für Deutschland eintreten ließ. Im April 2013 war die AfD mit Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke an der Spitze als eurokritische Wahlalternative gegründet worden. Er fühle sich „der alten CDU-Politik der sozialen Marktwirtschaft nach Ludwig Erhard verpflichtet“, so Wondra.
Seit ihrer Gründung ist die AfD nach Einschätzung des Verfassungsschutzes immer weiter nach rechts gerückt, gilt in Teilen als gesichert rechtsextremistisch, etwa in Thüringen und Sachsen-Anhalt. „Ich kenne persönlich keine Rechtsextremisten“, sagt Wondra, der Vorsitzender des AfD-Kreisverbands ist. Er spricht nicht über Rechtsextremisten, sondern lieber über Rechtskonservative, die seiner Ansicht nach von Beginn an mehrheitlich in der AfD gewesen seien. „Die AfD wächst nicht nach rechts, sondern in die Mitte der Gesellschaft hinein – mit ehemaligen SPD-, FDP- und sogar Grünen-Wählern.“ Die AfD sei auf dem Weg zur Volkspartei. Wondra steht hinter den Forderungen seiner Partei, wonach die Polizei „die innere Sicherheit wieder herstellen muss“, Kriminelle müssten verurteilt und „Ausreisepflichtige müssen abgeschoben werden“.
Geboren und aufgewachsen ist Wondra in Ulm. In Karlsruhe hat er Wirtschaftsingenieurwesen studiert. So kamen er und seine Frau in die Pfalz, seit 1999 leben sie Hagenbach. „Wir lieben den Wald und die Natur. Deshalb sind wir froh, dass wir ein Haus am Ortsrand gefunden haben.“ Er ist in der Pfalz längst heimisch geworden, auch wenn es ihn beruflich immer mal wieder in die weite Welt zog, etwa nach Südafrika.
Wondra lobt das duale Ausbildungssystem in Deutschland, das sei einzigartig in der Welt. Das dürfe nicht weiter an Bedeutung verlieren. Er will das Handwerk stärken. Vom Bildungssystem in Rheinland-Pfalz hält er nicht viel, die Integrierten Gesamtschulen seien eine Fehlkonstruktion. „Begabte dürfen nicht ausgebremst werden, nur weil sich die Lehrer an den Unterdurchschnittlichen orientieren müssen“, meint er. Bildung und Ausbildung seien zentrale Pfeiler der Wirtschaft. Ebenso wie die Energiekosten. „Die sind bei uns viel zu hoch. Um Rente und Arbeitsplätze sicher zu halten, müssen die Energiekosten runter“, sagt Wondra. Die AfD sei offen, was die Energiegewinnung betreffe. „Es ist völlig unverständlich, dass wir auf billiges Gas aus Russland verzichten und dafür viel teureres Flüssiggas aus Amerika importieren.“
Seit 2019 ist Wondra Vorsitzender der AfD-Fraktion im Kreistag und im Verbandsgemeinderat Hagenbach. Er sei Kommunalpolitiker, deshalb lägen ihm die Kommunen am Herzen. Deren finanzielle Ausstattung sei katastrophal. Er sei ein Anhänger des Subsidiaritätsprinzips, wonach staatliche Aufgaben primär von der kleinsten möglichen Ebene – Individuum, Familie, Gemeinde – wahrgenommen werden sollen. Höhere Ebenen (Staat, EU) greifen nur unterstützend ein, wenn die untere Instanz überfordert ist. „Vor Ort weiß man doch am besten, was gebraucht wird“, meint Wondra.
Wie der Politikbetrieb in Mainz funktioniert, weiß Wondra. Von Juni 2016 bis Oktober 2017 war er Leiter Presse und Kommunikation der AfD-Fraktion im Landtag. Anschließend wechselte in die Bundeshauptstadt. Von November 2017 bis Februar 2021 war Büroleiter des Bundestagsabgeordneten Heiko Wildberg. Gerne würde der 65-Jährige nach Mainz zurückkehren, doch dafür müsste er den Wahlkreis gewinnen. Auf die Landesliste wollte er nicht.