Germersheim Abgestellte Einkaufswagen: Nur Sperre kann Problem lösen

Falls die Discounter und Einkaufsmärkte ihre Einkaufswagen vermissen, ein Spaziergang durch die Stadt verschafft Abhilfe.
Falls die Discounter und Einkaufsmärkte ihre Einkaufswagen vermissen, ein Spaziergang durch die Stadt verschafft Abhilfe.

Dass ein Einkaufswagen oder andere Dinge in der Queich liegen, kommt immer wieder vor. Doch hat die Anzahl der in der Stadt abgestellten Einkaufswagen gefühlt extrem zugenommen. Egal ist das weder der Stadt noch den Einkaufsmärkten.

Es gibt Brennpunktstraßen in der Stadt Germersheim, in denen entweder regelmäßig Autos auf dem Radweg parken oder mehrere Einkaufswagen abgestellt sind. Die Orffstraße ist eine davon. Weiter geht es mit der Lilienstraße, Königsstraße, Marktstraße, Am alten Hafen , der Schiffbrückenstraße und vielen weiteren Straßen der Stadt. Häufig sieht man Menschen mit voll gefüllten Einkaufswagen aus den Märkten im Fachmarktzentrum oder bei Kaufland in der Posthiusstraße und Mainzer Straße kommen, die dann ihre Einkäufe aus dem Gelände wegfahren – den vermeintlich persönlichen „Eigentumswagen“ dabei. Sind die Einkäufe in die Wohnung gebracht, wird er irgendwo am Straßenrand abgestellt. Ein Arbeiter einer Baustelle im Gebäude des ehemaligen Woolworth in der Ludwigstraße fährt seine Abbruch- und Arbeitsmaterialien aus dem Hof zum Container, der schon lange vor dem Gebäude abgestellt ist. Dass es sich bei dieser Nutzung der Einkaufswagen eigentlich um Diebstahl handelt – interessiert niemanden – nicht wirklich die richtigen Eigentümer der Wagen, noch deren Diebe.

Eine klassische Form des Diebstahls. Eigentum der Discounter wird entwendet.
Eine klassische Form des Diebstahls. Eigentum der Discounter wird entwendet.

Der Stadt Germersheim sind die abgestellten Einkaufswagen ein Dorn im Auge – seit Jahren. Die Stadt war mit den Märkten, „besonders mit denen im FMZ, im Gespräch“, sagt der Erste Beigeordnete Sascha Hofmann. Mit ins Boot müsste der Besitzer der Immobilie. Sowohl Bürgermeister Marcus Schaile als auch Sascha Hofmann kennen Barrieren, die von Einkaufswagen nicht überfahren werden können. „Technisch ist das machbar“, verdeutlicht Hofmann. Es müsse gewollt sein. „Wir sammeln die Einkaufswagen gegen Kostenersatz ein“, so der Stellvertreter des Bürgermeisters weiter. Es gehe letztlich auch darum, den Aufwand für die Mitarbeiter des Bauhofs zu verringern. Gerade in der Orffstraße müssten Einkaufswagen oft vom Radweg geholt werden. Das seien Verkehrshindernisse und Gefahrenstellen.

Überall in der Stadt werden benutze Einkaufswagen abgestellt.
Überall in der Stadt werden benutze Einkaufswagen abgestellt.

Die eingesammelten Einkaufswagen werden von der Stadt eingelagert und von den Märkten durch ihre Hausmeisterdienste abgeholt. „Oftmals einigen wir uns auf Pauschalen“, sagt Hofmann. Die Kosten pro Wagen dürften zwischen 10 und 15 Euro liegen. In der Spitzenzeit „hatten wir schonmal 140 Einkaufswagen eingelagert“, sagt der Erste Beigeordnete. Es gebe zwar entsprechende Urteile, dass Einkaufswagen in bestimmten Stadtteilen Berlins eingesammelt und von den Berliner Entsorgungsbetrieben entsorgt werden dürften, „doch das finde ich nicht nachhaltig“, sagt Hofmann. Deshalb werde vorerst weiter eingesammelt und Kostenersatz verlangt.

Nachdem die Wagen mit ihren Einkäufen zum zielort geschoben wurden, lassen die Diebe sie stehen.
Nachdem die Wagen mit ihren Einkäufen zum zielort geschoben wurden, lassen die Diebe sie stehen.

Doch von diesem Einsammeln hat nicht jeder Marktleiter, jede Marktleiterin bisher etwas gehört. Zümran Karav leitet die Kaufland-Filiale in der Posthiusstraße. Auf das Thema Einkaufswagen angesprochen, lächelt sie und und sagt sofort: „Seit Corona fehlen uns wahrscheinlich um die 100 Stück.“ Sie selbst ist seit 30 Jahren im Gebäude beschäftigt, anfangs bei Frey&Kissel (SBK) und seit 12 Jahren bei Kaufland. Die Marktleiterin kennt also die Kunden, die Gegend. Wenn ein Einkaufswagen „von unseren Mitarbeitern an den Wohnblocks stehend gesehen wird, dann holen wir den manchmal“, sagt Zümran Karav. Doch man könne ja nicht durch die ganze Stadt laufen. Mitarbeiter des Ordnungsamtes geben manchmal Bescheid, „dass irgendwo ein Wagen steht“. Mit dem Marktleiter vom Kaufland in der Mainzer Straße, spreche sie sich auch mal ab, wer näher an einem Einkaufswagen dran stehe. Es seien ja auch nicht immer die Kunden, die die Wagen mitnehmen, „sondern auch Jugendliche, die sich durch die Stadt schieben“. Dass die Stadt aber die Wagen einsammelt und gegen Kostenersatz heraus gibt, „habe ich noch nie gehört“, sagt die Marktleiterin.

Die Einkaufswagen stehen oftmals auch am Straßenrand. Mehr als einmal wurden diese bei starkem Wind auf Straßen getrieben.
Die Einkaufswagen stehen oftmals auch am Straßenrand. Mehr als einmal wurden diese bei starkem Wind auf Straßen getrieben.

Ebenso ergeht es Patrick Dielmann, Leiter des Rewe-Marktes im Fachmarktzentrum. Ob ihm viele Einkaufswagen fehlen, kann er nicht genau sagen. Seit 1. Januar dieses Jahres ist er Leiter des Marktes, der wieder zum Konzern gehört. Die Einkaufswagen des Marktes haben eine „Wegfahrsperre“. Also eine Vorrichtung, die das vordere linke Rad blockiert, wenn ein gewisser Umkreis um den Einkaufsmarkt verlassen wird. Mit einem Gerät kann Dielmann das Rad blockieren oder auch entsperren. Leer lässt sich der Wagen zwar noch schieben, wenn er voll beladen ist, jedoch nur noch sehr schwer. Eine hundertprozentige Sicherheit, dass „der Wagen entwendet wird, ist das nicht“, weiß auch Patrick Dielmann. Er kennt die Probleme mit fehlenden Einkaufswagen auch aus Heidelberg, wo er früher in einem Markt war.

In der Orffstraße oder wie hier in der Lilienstraße wird man oft fündig.
In der Orffstraße oder wie hier in der Lilienstraße wird man oft fündig.

„40 bis 80 fehlen bestimmt manchmal“, sagt Celine Schott. die die Lidl-Marktleiterin kennt das Problem. Es habe schon mehrere Gespräche gegeben. Ihres Wissens ist „eine Sperre im Gespräch“, wonach Einkaufswagen nicht mehr vom Gelände gefahren werden können. Das sei nicht billig. Wenn Einkaufswagen fehlen, „werden diese über unseren Einkauf ersetzt“, sagt Celine Schott. Alle drei Marktleiter gehen von Kosten von bis zu 150 Euro je nach Qualität eines Einkaufswagens für dessen Anschaffung aus. „Aber ohne Sperre bekommen wir das Problem nicht in den Griff“, sagt Celine Schott.

Um die Weihnachtszeit stand über mindestens eine woche dieser Wagen vor eienr Kneipe in der Sandstraße.
Um die Weihnachtszeit stand über mindestens eine woche dieser Wagen vor eienr Kneipe in der Sandstraße.
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