Kreis Germersheim 53-Jähriger gilt früh in der Familie als „schwarzes Schaf“

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„Mein Haus, mein Auto, meine Frau“ – dieser Werbespruch war und ist vermutlich noch die Lebensmaxime des 53-Jährigen, der sich vor der 1. Großen Strafkammer des Landauer Landgerichts wegen Drogenverbrechens sowie illegalen Waffenbesitzes verantworten muss (wir berichteten).

Sein bester Freund aus Jugendtagen fand diese Maxime auch einmal gut. Er berichtete am zweiten Verhandlungstag, wie ihm der Angeklagte eine Corvette C3 in den USA besorgt hatte. Fast zwei Stunden bohrte das Gericht mit seinen Fragen, wie dieser und andere Verkäufe von Autos und Motorrädern abgewickelt und finanziert wurden. „Ich unterstütze ihn, weil wir Freunde sind“, mauerte der 47-jährige Zeuge konsequent. Aus den Akten geht hervor: Er meldete das Auto des Angeklagten ab, als dieser Anfang des Jahres in Untersuchungshaft kam. Er ließ sich als Halter in den Fahrzeugbrief einer Harley Davidson eintragen, aber über die Geschäfte des Angeklagten wollte er nichts wissen. „Eine schöne Uhr“ habe er nur gesagt, als er eine Rolex bei dem 53-Jährigen sah. Ob es wirklich ein teures Stück ist, wird gegenwärtig noch überprüft. Vom Drogenkonsum seines besten Freundes distanzierte sich der Zeuge mit den Worten „er ist ja erwachsen“. Bis zu fünf Gramm Kokain am Tag soll der Mann konsumiert haben. Das Rauschgift soll er sich in den Niederlanden besorgt haben. Die Anklage geht davon aus, dass er mit den Drogen Handel getrieben hat. Dafür sprechen auch über 10 000 Euro in bar, die bei ihm sichergestellt wurden. Denn finanziell, so erzählte sein Freund, habe der Angeklagte gerade so viel wie die Pfändungsfreigrenze hergibt. Deshalb habe er ihn immer mal zum Essen eingeladen. Aber der 53-Jährige lebt gern auf großem Fuß. Er habe einmal zwei Wohnungen, zwei Autos und drei Motorräder gehabt, hieß es. In seinem Heimatort habe er in seiner Familie schon früh als „das schwarze Schaf“ gegolten. Eine Lehre als Betonwerker brach er ab und arbeitete als LKW-Fahrer. Später war er Vermögensberater, sei aber mit einem Schuldenberg von rund 50 000 Euro bei Gelegenheitsjobs gelandet. 2002 wurde er vom Landgericht Frankenthal wegen Drogenverbrechen und Waffenbesitz zu fünf Jahren und 10 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Vor seiner erneuten Verhaftung wegen gleicher Vorwürfe Anfang des Jahres, war er LKW-Fahrer. Seine Arbeit sei „sein ein und alles“, sagte der beste Freund. Sie gehörten zu einer „Brüderschaft“ von sieben Motorradfans, die sich ohne Strukturzwänge zu gemeinsamen Fahrten verabrede, berichtete der Zeuge weiter. Trotzdem trügen er und der Angeklagte eine Kutte. Nur von zwei Mitgliedern dieser Bruderschaft kannte der Zeuge die vollständigen Namen. Ansonsten wusste er nur von Spitznamen. An seinem Freund schätze er den Optimismus und die Lebensfreude, antwortete der Zeuge auf die Frage des forensischen Gutachters Dr. Michael Noetzel. Der beste Freund wollte sogar ein Foto von der Anklagebank haben, weil der 53-Jährige sich während der Untersuchungshaft so einen imposanten Kinnbart habe wachsen lassen. Während der Hauptverhandlung drückte deshalb die Ehefrau des Zeugen auf den Auslöser ihres Handys. Das Foto musste die Frau unter den Augen des Gerichts löschen. Ihre gute Laune ließ sie sich von der Gerichtsordnung dennoch nicht vertreiben wie auch die anderen drei Frauen und drei Männer aus dem Freundeskreis des Angeklagten. Am Montag, 24. Juli, wird der Prozess fortgesetzt.

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