Kreis Germersheim Neun Kräuter für Gründonnerstagssuppe

Taubnessel
Taubnessel
Waldmeister
Waldmeister
Knoblauchrauke
Knoblauchrauke

„Hoschd dich gezengnesselt? Nein? Dann war es wohl eine Taubnessel.“ Zengnessel, so das lautmalerische pfälzische Wort für Brennnessel, Urtica dioeca, die große Brennessel findet man in vielen Gegenden der Pfalz, auch beispielsweise in Bellheim. In der Südpfalz und Neuburg ist der Ausdruck Sengesl nachgewiesen. Zengen und sengen bedeutet singen, knistern – gemeint ist das sich Verbrennen an den Brennhaaren der Pflanze. Vollkommen harmlos dagegen sind die Taubnesseln, ob es sich um die Purpurrote Taubnessel, die Goldnessel oder die Weiße Taubnessel handelt. Sie gehören zu der Gattung der Taubnesseln und sind Lippenblütler. Die Brennnesseln gehören zur Familie der Brennnesselgewächse. Deren Blüten sind auch deutlich unscheinbarer. In der Pflanzenheilkunde und auch in der Kräuterküche haben alle Nesseln ihren Platz. Eine Suppe oder ein Gemüse aus Brennnesseln, welche am Gründonnerstag gegessen werden, soll das ganze Jahr vor Geldsorgen schützen. Schöne Blüte, süßer Nektar Die Purpurrote Taubnessel, Lamium purpureum, in der Pfalz auch Zuggelblumm, Bieneblumm oder Honigsauger genannt, ist im Gegensatz zu den anderen Taubnesseln nur einjährig. Die Biene kann wegen ihres kurzen Rüssels den Nektar gar nicht erreichen. Sie lässt sich von anderen Insekten, beispielsweise von Erdhummeln, in das Ende der Röhre eine Öffnung hineinbeißen, um an den Nektar zu gelangen. Wegen der Süße des Nektars und der schönen Form der Blüte kann man sie als Beigabe zu Salaten und auch Süßspeisen verwenden. Die frischen Triebe, die purpurn schimmern, werden zum Würzen verwendet. In der Gründonnerstagssuppe, oder Neunkräutersuppe, die schon bei den Germanen zum Fest Ostara gekocht wurde, ist sie eines der neun Kräuter. So viele sollten es schon sein. Dabei auch Knoblauchsrauke, Giersch, Gundermann, Sauerampfer, Löwenzahn, Gänseblümchen, Spitzwegerich und Schafgarbe. So wird’s gemacht Rezept: Eine kleingeschnittene Zwiebel in Öl andünsten. Ein Liter Gemüsebrühe zugeben. Ca 200 Gramm kleingeschnittene Kräuter hinzugeben. Wenige Minuten köcheln. Nach dem Pürieren mit Salz und Pfeffer würzen. Zum Schluss Sahne dazu und mit Blüten verzieren. In diesem Jahr sollte man sich mit der Maibowle beeilen, es wird dann wohl aus der Waldmeisterbowle eine Aprilbowle. Dafür sollte man nämlich den Waldmeister vor der Blüte verwenden, und die Pflanze fängt jetzt schon vereinzelt an zu blühen. Aber auch dann Vorsicht mit der Dosierung wegen des giftigen Cumarins, bei Überdosierung kann es zu Kopfschmerzen kommen. Gääler und weißer Nix Waldmeister, Galium odoratum, in der Pfalz auch Wallmeister (in Neuburg) oder auch Maikraut genannt. Gelb und weiß blühen die verschiedenen Labkräuter, die samt dem Waldmeister zu der Familie der Rötegewächse gehören. Allen gemeinsam ist der Blätterstand, der in Quirlen angeordnet ist. Nicht erklärbar sind die Bezeichnungen „Gääler und weißer Nix“, nachgewiesen in Rülzheim. Im Wurzelstock, dem Rhizom, bildet sich nach dem Trocknen ein roter Farbstoff. Am effektivsten in der Krapppflanze, mit der bis in das 19. Jahrhundert bis zur industriellen Fertigung synthetischer Farben ein intensives Rot hergestellt wurde. Seit dem Mittelalter wurde Krapp in der Vorderpfalz und im Elsass bis nach Hagenau intensiv angebaut. Das Klettenlabkraut, Galium aparine, kann mithilfe seiner Borsten, die als Kletterhilfe dienen, andere Pflanzen überwuchern und so zum Licht gelangen. Daher auch der pfälzische Name: Klebkraut. Vielen Schmetterlingsraupen dienen die Labkräuter als Futterpflanze. Die Raupen des Schachbrettfalters und des Aurorafalters dagegen bevorzugen die Knoblauchsrauke, Alliaria petiolata. Für die Verwendung in der Küche kann man sich, wenn sich der Bärlauch längst zurückgezogen hat, und man den zarten Knoblauchgeschmack mag, fast das ganze Jahr an den Blättern, Blüten und Samen bedienen. Die Knoblauchsrauke ist das älteste bekannte Gewürz. Es existieren Nachweise aus dem Mesolithikum, also von vor 6000 Jahren. Und im Mittelalter bediente sich die ärmere Bevölkerung und nutzte sie als Pfefferersatz. Die Serie Vom Frühlingsanfang am 21. März bis zum Wintereinbruch berichten wir jeweils etwa in der Mitte eines Monats über den aktuellen Wachstumsstand verschiedener typischer Pflanzen im Auwald. Autorin Beate Steigner-Kukatzki ist zertifizierte Naturführerein. Teil 1 der Serie erschien am 21. März.

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