Interview
Wie sich beim Müll sparen lässt
Herr König, wissen Sie, wie oft Sie heute schon am Mülleimer waren?
Ja, keinmal.
Achten Sie persönlich darauf, Müll einzusparen? Wie zum Beispiel?
Ich achte beim Kauf von Kleidung, Geräten, Möbeln und anderen Haushaltsgegenständen auf Qualität. Bevor ich etwas Neues kaufe, benutze ich die Dinge, so lange es geht. Ich kaufe auch gerne gebrauchte Dinge, aber das ist Einstellungssache. Viele können sich das nicht vorstellen. Ich gebe es unumwunden zu: Ich bin ein Konsummuffel. Die Restmüllmenge hängt natürlich auch davon ab, wie sorgfältig ich meinen Müll trenne. Dadurch, dass ich konsequent alle organischen Abfälle aus der Küche über die Biotonne und alle Verpackungsabfälle über den Gelben Sack entsorge, fällt bei mir kaum Restmüll an. Deshalb steht meine Restmülltonne nicht bei jeder Abfuhr an der Straße.
Bei jedem von uns kommt einiges an Abfall zusammen. Und je mehr entsorgt werden muss, desto teurer wird es. Wie viel Müll ist das im Kreis eigentlich pro Jahr?
Im langjährigen Mittel lag die Restmüllmenge bei zirka 21.000 Tonnen. Das entspricht etwa 160 Kilogramm pro Einwohner im Jahr. Anders gerechnet sind das durchschnittlich 3,3 Kilogramm je Einwohner in der Woche.
Wie würden Sie die Entwicklung in den letzten Jahren beschreiben?
Bis 2020 hat das Restmüllaufkommen im Landkreis kaum Schwankungen gezeigt. Seit Corona sind die Mengen um etwa 1000 Tonnen gestiegen. Im Jahr 2021 lagen wir bei 22.400 Tonnen. Das sind 168 Kilogramm je Einwohner im Jahr. Vermutlich liegt das am vermehrten Anteil von Home-Office. Da viele außerhalb des Landkreises arbeiten, fällt die tägliche Menge, die an der Arbeit entsteht, nun zu Hause an. Während der Pandemie wurden offensichtlich Keller und Speicher ausgeräumt und diverse Renovierungsarbeiten durchgeführt, was zu einem höheren Abfallaufkommen geführt hat.
Was kostet die Entsorgung den Kreis im Jahr?
Für die Sammlung, den Transport und die Entsorgung der über die Straßensammlung gesammelten Rest- und Bioabfälle wurden im Jahr 2021 insgesamt knapp 6,28 Millionen Euro aufgewendet. Für Restmüll waren es rund 3,44 Millionen Euro, für Biomüll knapp 2,84 Millionen Euro.
Wird das komplett über die Gebühren aufgefangen?
Diese Kosten sind durch die Gebühren gedeckt.
Ein wichtiger Kostenfaktor für Privatleute ist die Tonnengröße. Welche stehen da zur Verfügung?
Beim Restmüll bieten wir eine große Auswahl an, damit unsere Kundinnen und Kunden eine individuell passende Größe bestellen können. Konkret gibt es 60, 80, 120, 180 und 240 Liter. Für Großwohnanlagen gibt es die vierrädrigen 660-Liter- und 1200-Liter-Container. Bei den Single-Haushalten besteht zusätzlich die Möglichkeit, bei den 60-Liter- und 80-Liter-Tonnen eine kostengünstigere Variante mit vierwöchentlichem Leerungsrhythmus zu wählen. Beim Biomüll gibt es zwei Größen: die 120-Liter- und die 240-Liter-Tonne. Auch hier gibt es für größere Wohnanlagen 660-Liter- und 1100-Liter-Container.
Und gibt es eine Faustregel, wie viel Liter Müll man pro Kopf einplanen sollte?
Unsere derzeit geltende Abfallwirtschaftssatzung schreibt beim Restmüll ein sogenanntes Mindestvolumen von zwölf Litern pro Person und Woche vor. Da die Tonnen alle zwei Wochen geleert werden, können Sie mit 24 Litern pro Person rechnen. Eine vierköpfige Familie benötigt also ein Volumen von vier mal 24 Litern, also 96 Liter. Die nächstgrößere Tonne ist das 120-Liter-Gefäß. Beim Biomüll beträgt das Mindestvolumen fünf Liter pro Woche. Das heißt, bei einer Leerung alle zwei Wochen können sich bis zu zwölf Personen eine 120-Liter-Tonne teilen. Bei der Papiertonne kann frei gewählt werden, wir empfehlen bei mehreren Personen jedoch immer die größere 240-Liter-Tonne.
Wie viel kostet das eine vierköpfige Familie etwa pro Jahr?
Seit Jahren liegt bei der 120-Liter-Restmülltonne die Gebühr relativ konstant, aktuell bei 133 Euro. Dafür wird die Tonne 26 Mal im Jahr geleert. Eine Leerung kostet also etwa 5,12 Euro. Das sind bei vier Personen 1,28 Euro pro Kopf. Die Gebühr für die 120-Liter-Biotonne beträgt 75 Euro. Da bei der Biotonne im Sommer vier Leerungen hinzukommen, beträgt die Gesamtzahl 30 Leerungen. Eine Leerung kostet 2,50 Euro. Die Papiertonne ist kostenfrei.
Und wenn die empfohlene Tonne doch zu groß ist? Welche Optionen habe ich? Kann ich jederzeit eine kleinere bestellen oder vielleicht auch mit einem Nachbarhaushalt eine Art Müll-Gemeinschaft gründen?
Sie können eine kleinere Tonne bestellen, solange das Mindestvolumen nicht unterschritten wird. Und ja, Sie können sich auch mit ihren direkten Nachbarn sowohl Bio- als auch Restmülltonne teilen. Sie müssen sich nur einigen, wer den Gebührenbescheid erhalten soll.
Manche Kommunen berechnen die Kosten nach Müllgewicht. In anderen wird etwa die Restmülltonne nur ein paar Mal im Jahr geleert, und jede weitere Leerung kostet extra. Bieten solche Modelle einen Anreiz, weniger Müll zu produzieren und so letztlich Geld zu sparen?
Nicht unbedingt. Solche Systeme können auch ausgenutzt werden. Wenn Kunden die Kosten für Zusatzleerungen umgehen wollen, indem sie zum Beispiel versuchen, ihren Müll anderswo zu entsorgen oder ihre Tonnen zu überfüllen. Wir wollen keine Anreize schaffen, Abfälle illegal zu entsorgen, um damit Abfallgebühren sparen zu können. Übrigens wird die Restmülltonne bei solchen Modellen tatsächlich nicht ein paar Mal kostenlos geleert. In diesen Fällen gibt es eine Grundgebühr, mit der eine bestimmte Anzahl von Leerungen abgedeckt ist. Wer darüber hinaus Leerungen in Anspruch nimmt, muss dafür eine Zusatzgebühr bezahlen.
Haben Sie für uns zum Abschluss noch fünf Tipps, wie man beim Müll schnell und einfach sparen kann?
1. Müll trennen, 2. Müll trennen, 3. Müll trennen… Spaß beiseite. Es gibt eigentlich nur zwei Wege: Müll vermeiden und Müll trennen. Dann kann die kleinstmögliche Tonne genommen werden.
Zur Person
Thomas König (63) arbeitet seit Dezember 2003 beim Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) in Bad Dürkheim. Dort ist der Diplom-Geograf unter anderem für Öffentlichkeitsarbeit, Wertstoffhöfe und Problemmüllsammlungen zuständig. König ist leidenschaftlicher Radfahrer, der schon Touren durch ganz Europa unternommen hat. Außerdem liest und wandert er gerne.