Kreis Bad Duerkheim Viele Fragen nach Schlägerei

Keine leichte Aufgabe haben der Richter und seine Schöffen am Amtsgericht Frankenthal zu lösen: Auch nach einer dreistündigen Vernehmung von Zeugen einer schweren Körperverletzung ist nicht eindeutig geklärt, was am Abend des 28. Juni 2016 am Grünstadter Bahnhof passiert ist. Ein 40-jähriger aus dem Leiningerland und ein 28 Jahre alter Grünstadter sollen einen 44-Jährigen aus Bad Dürkheim geschlagen und getreten haben. Der Prozess wird am 21. Februar fortgesetzt.

Zu den Details des Vorfalls hatte jeder der Befragten Erinnerungslücken. Gesichert ist, dass es am 28. Juni gegen 20 Uhr eine laute Auseinandersetzung auf dem Grünstadter Bahnsteig in Höhe des Kiosks gegeben hat. Unstrittig ist ebenfalls, dass der Dürkheimer im weiteren Verlauf auf der anderen Seite des Bahnhofsgebäudes in der Friedrich-Ebert-Straße vor den beiden Bankfilialen zu Boden ging, getreten wurde und mindestens eine blutige Nase davon trug. Das Opfer sagte aus, dass es sich um einen Nasenbeinbruch gehandelt habe, der im Kreiskrankenhaus geröntgt worden sei. Der Polizei gegenüber haben die Ärzte auf Nachfrage jedoch nur eine blutende Nase attestiert und keine Fraktur erwähnt. Der Dürkheimer sprach zudem davon, ins Gesicht getreten worden zu sein. Wer seine Füße gegen ihn eingesetzt hat, wisse er nicht. Der ältere mutmaßliche Täter hatte zuvor aber erzählt, dass er den am Boden liegenden Mann nur ins Gesäß getreten habe. Dessen Pflichtverteidigerin Anke Wagner fühlte dem Geschädigten, der angab, psychische Probleme zu haben, deshalb auf den Zahn: Ob die Verletzung schriftlich ärztlich bestätigt sei, ob sie nicht auch hätte vom Sturz herrühren können und ob er noch an anderen Körperstellen Tritte gespürt habe. Die letzten beiden Fragen verneinte der 44-Jährige. Zum Nasenbeinbruch räumte er ein, dass er das auch falsch verstanden haben könnte. Der Angeklagte aus dem Leiningerland will am Bahnhof in Grünstadt mit ein paar Leuten Bier getrunken haben. Als er von der Toilette zurückgekommen sei, habe plötzlich der Dürkheimer vor ihm gestanden und verkündet, dass er ihn angezeigt habe. „Ich wollte wissen, warum und stellte ihn zur Rede. Da schlug der mich ohne Vorwarnung zu Boden“, sagte der 40-Jährige, der zur Tatzeit 2,38 Promille Blutalkohol gehabt hat. Der Mann sei dann weggelaufen und gestürzt. Der 40-Jährige aus dem Leiningerland will ihm „als Revanche“ in den Hintern getreten haben. Der zweite Tatverdächtige sei zufällig dazu gekommen, „und ich habe nicht gesehen, dass er auch getreten hat“. Der einschlägig vorbestrafte 28-Jährige verweigerte die Aussage. Von einem Mithäftling, den er im Januar 2016 im Frankenthaler Gefängnis niedergeschlagen hat, wurde der jüngere Angeklagte als sehr aggressiv beschrieben. Der Bewährungshelfer des Grünstadters stellte „keine positive Sozialprognose“. Die entscheidende Frage, wer den Dürkheimer wohin getreten hat, versuchte das Gericht durch die Vernehmung von fünf Zeugen herauszufinden. Dabei gab es kein eindeutiges Ergebnis. Ein Mann gab beispielsweise an, dass er nicht wisse, ob beide Beschuldigten Gewalt angewendet haben. Ein 17-Jähriger erkannte nicht einmal die Angeklagten wieder. Auf die Idee, dem Opfer zu helfen, kam niemand. Von einer Gruppe Jugendlicher seien zwei eindeutige Personenbeschreibungen der Täter abgegeben worden, berichtete ein Beamter der Polizei Grünstadt, der nach dem Notruf um 20.05 Uhr zum Bahnhof gefahren war. Daraufhin seien die Beschuldigten kontrolliert worden. Der ältere sei auch mit zur Wache genommen worden, um ihm eine Blutprobe zu entnehmen. |abf

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