Kreis Bad Duerkheim Schorle, Swing und die Qual der Wahl

„Es war der beste Vorverkauf, den wir je hatten“, meint, Marcus Brill, Leiter des städtischen Tourismus-Büros, der sich in einer grauen Fleece-Jacke ins Getümmel stürzte. Rund 3500 Tickets sind im Vorverkauf über die Ladentheken gegangen - ganz Dürkheim war beim Nightgroove in Feierlaune.

Der Römerplatz, sonst am Samstagabend eher verwaist, ist schon gegen 20 Uhr, vor dem Beginn der meisten Konzerte, von gut gelaunten Musikliebhabern bevölkert, die sich zum Pläneschmieden und auf ein Eis am Römerbrunnen verabredet haben. Mit einer Schorle aus dem „Haus der guten Weine“ in der Hand stellt sich dann aber die Frage: Wo sollen wir nur zuerst hin? Gospel in der Cha Cha Bar, zum Salsatanzen ins Haus Catoir oder mit den „Geman Monkees“ im Parkcafé Traubenkur abrocken? Um alles anzuhören, dafür ist die Auswahl beim Nightgroove einfach zu groß. Bei leider nicht ganz sommerlichen Temperaturen wird einem im Tanzhaus La Danza trotzdem nicht kalt. Mit einem Hugo in der Hand und den heißen Merengerhythmen tanzen sich die Dürkheimer einfach warm. Und wer nicht tanzen kann, der singt einfach mit. Besonders gut geht das im Alten Weingut am Maxbrunnen. Gleich zwei Bands treten in der gemütlichen Lokalität auf: Sängerin Clem Perkins performt wie eine deutsche Aretha Franklin mit ihrer Band „Jamdeluxe“. Die rund 50 Zuhörer, die in den kleinen Saal passen, feiern mit ihr, mit Fußwippen und Mitklatschen oder mit dem Rockersymbol und tanzen sich in Ekstase. Keine zehn Meter davon entfernt, getrennt durch eine Wand und den Waffelstand des jungen Rotaryclubs Bad Dürkheim, geht es in die frühen 60er Jahre, die Ära des Rock `n` Roll. Die Mannheimer Coverband „Just for fun“, die viele Dürkheimer von ihren Auftritten im Hamelszelt am Wurstmarkt kennen, geben bei Hits wie „The Wanderer“ oder „Stand by me“ alles und bringen das Publikum abwechselnd zum Mitsingen und Mithüpfen. „Die Atmosphäre ist geil, das Publikum der Hammer, so kann es den ganzen Abend weitergehen“, sagt Sänger Otto Raad. Etwas gemütlicher geht es da im Weingut Fitz Ritter zu. Im lauschigen Innenhof ist romantische Lagerfeuerstimmung: Auf den begehrten Bänken um die Flammen kuscheln vor allem Pärchen und lauschten den Klängen des Irish-Folk-Duos „Pot O`Stovies“. Auch Stefanie Grebe wärmt ihre Hände am Feuer auf. Gemeinsam mit einem Freund ist die 49-Jährige aus Göllheim zum ersten Mal auf dem Nightgroove. „Bisher waren wir nur hier im Weingut, bei der entspannten Musik, dem Feuer und einer Schorle war es einfach zu gemütlich, um weiterzuziehen“, gesteht sie lachend. Auf der anderen Seite des Weinguts, im verglasten Veranstaltungsraum mit Blick auf den Garten, wird dagegen gerockt mit „The Groove Generation“. Eine kleine Pause davon gönnt sich Lukas Dammert. Der 24-jährige Deidesheimer war schon in den letzten Jahren immer dabei. „Die Bands hier sind einfach klasse, nur leider ist es heute recht voll“, sagt er. Nicht nur beim Grooven im Fitz-Ritter-Garten, sondern auch bei vielen kleineren Locations wie etwa dem Storyville in der Leiningerstraße wird klar, dass es wohl der bestbesuchte Nightgroove in der achtjährigen Geschichte der Veranstaltung ist. Schon gegen 21 Uhr ist es teils schwer, überhaupt ’reinzukommen, von einem Sitzplatz ganz zu schweigen. Aber wozu sitzen, wenn man tanzen kann? Auch in der K-Bar wird zu Rockhymnen wie „I want to break free“, gecovert von „AcoustasoniXs“, gejohlt, getanzt und ordentlich Gerstensaft getrunken. „Für uns läuft es top, die Band kam schon im letzten Jahr gut an, wir könnten nicht zufriedener sein“, sagt Uwe Krauß, Inhaber der K-Bar. Gegen 1 Uhr morgens enden die meisten Konzerte. Die Innenstadt leert sich langsam, in den Schorlegläsern ist nur noch der Restschluck. Wer aber noch Lust zu feiern hat, meist Jugendliche und junge Erwachsenen unter 30, für die gibt es noch eine Adresse, die seit Jahren den krönenden Abschluss des Nightgroove bildet: SWR3-DJ Carange 23 legt im Autohaus Köhler Partyklassiker wie die Backstreet Boys, die Spice Girls oder die neusten Chartshits auf. Die Dürkheimer feiern bis 3 Uhr in der gut geheizten Halle, in der sogar die Glasscheiben beschlagen. Und wer eine Pause vom Tanzen braucht, der malt Smileys auf die Fenster, die von außen bestaunt werden ...

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