Esthal
Schon bald ein neuer Kaufvertrag für Kloster?
Warum der Verkauf nicht geklappt hat, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: „Der Kaufpreis wurde vollständig nicht bezahlt“, sagt Sabine Schöffmann von der in Nürnberg ansässigen Provinzleitung Deutschland der Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser. Der Orden ist Eigentümer des Klosters. Der Kaufvertrag mit der Slow Life GmbH sei deshalb am 28. Dezember aufgelöst worden. Das Anwesen sei „praktisch“ zurückgegeben worden, doch sei die rechtliche Rückabwicklung „noch abschließend zu vollziehen“, so Schöffmann. Die Slow Life GmbH ist indes auch weiter im Spiel: Laut Schöffmann gibt es einen Interessenten, der das Kloster übernehmen möchte, und mit diesem „heißen Kandidaten“ führe Slow Life jetzt Gespräche.
Die Slow Life Esthal GmbH war eigens zum Kauf des Esthaler Klosters von den polnischen Geschäftsleuten Jacek Krzton und Jaroslaw Przybycin gegründet worden. Als deren Berater trat Jaroslaw Krzewicki auf, Theologe und Universitätsdozent in Rom und Warschau. Dieser teilt nun mit, dass das Kloster von einer anderen Gesellschaft gekauft werde, die „den Betrieb des Hauses zu den gleichen Bedingungen wie bisher“ übernehme. „Ich bin persönlicher als je zuvor in das gesamte Projekt involviert“, erklärt Krzewicki in seiner schriftlichen Antwort auf eine RHEINPFALZ-Anfrage. Er kündigte an, dass wahrscheinlich Anfang Januar ein neuer Kaufvertrag unterschrieben werde. Im Moment allerdings sei er „weder berechtigt, über Slow Life Esthal GmbH zu sprechen“ noch habe er eine „spezifische Grundlage“, um über ein anderes Unternehmen zu sprechen.
Weitere Interessenten
Es gebe noch weitere Interessenten, mit denen die Kongregation „zumindest Sondierungsgespräche“ führen werde, so Schöffmann. Eine aktive Vermarktung des Klosters wolle man erst angehen, wenn die Rückabwicklung des Verkaufs „formal ordnungsgemäß“ abgeschlossen sei. Wunsch der Kongregation sei es, „dass sich die Slow Life GmbH mit dem derzeitigen Interessenten zügig einigt“. Sollte das nicht der Fall sein, sei sie „zuversichtlich“, dass bald ein neuer Investor gefunden wird.
Auch Anette Reinacher hofft, dass es bald weitergeht im Kloster. Die Esthalerin hat bereits vor dem (geplatzten) Verkauf des Hauses für die Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser in der Verwaltung des Klosters gearbeitet und war seit März 2020 für die Slow Life Esthal Verwaltungsleiterin. Ebenso wie der Esthaler Bürgermeister Gernot Kuhn (CDU) berichtet Reinacher, dass sie erst am 30. Dezember von der Rückabwicklung des Verkaufs erfahren habe.
Pandemie belastet Angestellte
„Mir liegt das Kloster am Herzen“, sagt Reinacher. Das gehe allen Mitarbeitern so, die fast alle in Esthal wohnen. Das Kloster war seit einigen Jahren von den Niederbronner Schwestern als Gäste- und Veranstaltungshaus genutzt worden. Die Slow Life Esthal GmbH hatte mitgeteilt, dass sie das fortführen und ausbauen wolle. Sie habe mit Unterstützung ihrer Kollegen den Betrieb im vergangenen Jahr geführt, erzählt Reinacher.
„Nach dem ersten Lockdown bis zum Beginn des zweiten Lockdowns im November hatten wir immer gut Betrieb“, sagt sie. Kurse und Seminare, die teils mehrtägig waren, seien angeboten worden und auch Familien und Wanderer seien zum Übernachten gekommen. Aufgrund der Pandemie-Hygieneregeln sei viel zusätzliche Arbeit zu bewältigen gewesen. „Unsere Mitarbeiter mussten ständig desinfizieren, und das Essen musste in mehreren Schichten angeboten werden“, nennt Reinacher Beispiele. Auch in der Verwaltung sei viel zusätzliche Arbeit angefallen.
Keine Investitionen möglich
Diese bewältigte Reinacher mit Hilfe einer Kollegin. „Ich habe in den vergangenen Monaten viel gelernt“, sagt die Bankkauffrau. „Die beiden Gesellschafter leben in Polen, sie waren einige Male da, sprechen aber kaum deutsch“, erzählt sie. Obwohl die Anzahl der Übernachtungsplätze wegen der Pandemie-Regeln reduziert werden musste, sei es gelungen, fast die gesamten Ausgaben für den laufenden Betrieb durch Einnahmen abzudecken. Investitionen seien aber nicht möglich gewesen.
Auch für dieses Jahr sei ein durchgehendes Programm geplant, und es gebe schon Buchungen, berichtet Reinacher. Wie es nun weitergeht, weiß sie nicht. „Ich bekomme kaum Informationen“, bedauert die Esthalerin.
Kurzarbeit angemeldet
Aufgrund der vielen Arbeit hätten fast alle Mitarbeiter Überstunden und noch eine ganze Anzahl an Urlaubstagen. Diese seien im November und von einigen Mitarbeitern auch noch im Dezember abgebaut worden. Inzwischen habe sie für alle Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet, nur sie selbst habe noch restliche Überstunden, und nach wie vor sei im Büro einiges an Arbeit zu erledigen. „Kurzarbeitergeld bekommen die Mitarbeiter nur, solange die GmbH besteht“, sagt Reinacher. Wie lange diese weiterbestehen wird, weiß sie nicht.
Die vier Schwestern, die noch im Kloster leben, seien aus Altersgründen nur noch bedingt in der Lage, sich selbst zu versorgen, berichtet Reinacher. Sie habe organisiert, dass die Schwestern Essen auf Rädern bekommen und eine Schwester aus Nürnberg sei einmal da gewesen und habe Hausarbeiten erledigt.