Kreis Bad Duerkheim Kelten im Mittelpunkt

Pascal Kettner erläutert einer Besucherin, wie der Bronzeguss früher funktionierte.
Pascal Kettner erläutert einer Besucherin, wie der Bronzeguss früher funktionierte.

Der Stadtfestsonntag ist seit acht Jahren ein fester Termin für den Bad Dürkheimer Museumstag. Die Neugestaltung der Archäologischen Abteilung des Stadtmuseums war daher ein willkommener Anlass, dabei erstmals die Kelten in den Mittelpunkt zu stellen.

Um Bad Dürkheim gibt es viele außergewöhnliche Fundplätze wie das Fürstinnengrab von 450 vor Christus, die Heidenmauer, den Limburgberg sowie ein Grabhügelfeld am Ebersberg. Archäologe Thomas Kreckel demonstrierte dazu an Schaubildern seine Vorgehensweise bei den Grabungen an der Heidenmauer. Museumsleiterin Britta Hallmann-Preuß hatte sich deutschlandweit bei Vereinen und Personen umgesehen, die zu ihrem Konzept „Lebendiges Museum“ passten und am Museumstag dazu beitrugen, Einblick in das Leben der Menschen der Eisenzeit in Europa zu vermitteln. So konnte die Gäste im Innenhof des Hauses Catoir bei der Herstellung von Ziegenfrischkäse zuschauen und an einem Gemüseeintopf schnuppern. An verschiedenen Ständen konnten die Besucher „handgreiflich“ werden, die bearbeiteten Sachen anfassen und deren Herstellung aus der Nähe begutachten. Wer dem Kupferschmied über die Schulter schaute, sah, wie damals die Kaltmetallbearbeitung funktionierte. Auf kaltem Weg wurden Stangen rund vorgeschmiedet und durch eine sich verjüngende Öse eines Zieheisens gezogen. Der so entstandene Draht konnte mit verschiedenen Hilfswerkzeugen weiter verarbeitet und mit Schmuckmotiven versehen werden. Die daraus hergestellten Fibeln dienten zum Beispiel zur Befestigung von Kleidungsstücken. Aus Eisendraht hergestellte Ringe wurden zu einem Kettenhemd verarbeitet, der wichtigsten Schutzausrüstung von Kriegern. Besonderes Interesse fanden auch die Bronzegießer. Im Innenhof demonstrierten sie, dass die Kelten schon das Prinzip der verlorenen Form kannten, um Werkstücke wie eine Skulptur herzustellen. Mit einem handbetriebenen Blasebalg wurde unter einem Lehmofen das Feuer auf die zum Schmelzen der Bronze nötige Temperatur gebracht. Die flüssige Bronze wurde dann in die modellierte Form gegossen, die nach dem Erkalten zerschlagen wurde. Glasperlen konnten an einem Stand im Museum bewundert werden. Aus geschmolzenem Quarzsand wurden früher dünne Stangen geformt und zu Schmuckperlen weiterverarbeitet. Zu sehen waren kleine Widderköpfe und Augenperlen, wie sie früher einmal von den Kelten im heutigen Slowenien hergestellt wurden. Alles über die Technik des Brettchenwebens erfuhren die Besucher am Nachbarstand. Ein spezieller Webstuhl diente zur Herstellung von Borten und schmalen Bändern, mit denen Stoffe für Kleidungsstücke eingefasst und verziert wurden. Die für das Weben notwendigen hauchdünnen Fäden entstanden mit Hilfe einer Handspindel. Ein Bogenmacher zeigte seine Nachbauten voll funktionsfähiger Bögen. Das interessierte besonders die Kinder, die auch in der Offenen Kreativwerkstatt Amulette mit keltischen Motiven basteln konnten.

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