Kreis Bad Duerkheim Hafen vorerst nicht benutzbar
Von einem Normalbetrieb ist der Landeshafen Nord drei Wochen nach der BASF-Explosion noch weit entfernt. Denn erst, wenn die eigentliche Unglücksstelle, der Rohrgraben an der Kaimauer, von den Ermittlern freigegeben wird, kann die BASF die Reparatur der Hafenanlagen angehen.
Durch den Graben verlaufen insgesamt 38 Leitungen – zehn davon sind Ver- und Entsorgungsleitungen für nichtchemische Stoffe wie etwa Brunnenwasser, die restlichen Rohre für verschiedene Inhaltsstoffe. Eine Fremdfirma war von der BASF mit Wartungsarbeiten an einer gespülten und entleerten Propylenleitung in dem Graben beauftragt worden. Laut BASF sollten mehrere Stücke der Rohrleitung ausgetauscht werden. Die Arbeiten fanden schon mehrere Tage statt, als es am Montag, 17. Oktober, zu dem Unglück kam. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankenthal schnitt einer der Fremdarbeiter mit einem Winkelschleifer (Flex) offenbar versehentlich eine andere Leitung an, durch die ein brennbares Gemisch aus Butanen und Buten strömte. Es kam zu einem Feuer, dann zur Explosion und weiteren Folgebränden. Drei Männer der Werkfeuerwehr und ein Matrose eines Tankschiffs kamen ums Leben. Sieben weitere Menschen wurden schwer verletzt, 22 andere leicht. Die Staatsanwaltschaft lässt derzeit unter Aufsicht die Leitungen in dem Rohrgraben von der BASF leeren und spülen, um dann gefahrlos Teile heraussägen und abtransportieren zu können. Die Rohrstücke werden auf ein Gelände der Bereitschaftspolizei in Enkenbach-Alsenborn gebracht. Dort sollen die Beweisstücke in einer frei geräumten Fahrzeughalle gelagert und untersucht werden. Die Aktion soll in den kommenden Tagen stattfinden. Mit einer Auswertung der Experten rechnet der Leitende Oberstaatsanwalt Hubert Ströber nicht mehr in diesem Jahr. Die Polizei ist derzeit mit mehreren Dutzend Beamten am Unglücksort im Einsatz. Mit dabei sind Experten der Spurensicherung und Brandermittler. Außerdem werden von den Kripo-Beamten Zeugen des Unglücks vernommen. Der Arbeiter, der ein falsches Rohr angeschnitten und damit das Unglück ausgelöst haben soll, hat bisher noch keine Aussage gemacht. Er ist momentan der einzig Beschuldigte im strafrechtlichen Ermittlungsverfahren, in dem es um fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässiges Herbeiführen einer Explosion geht. Es gebe mehrere Aussagen von Zeugen, die vor Ort gewesen seien. Nähere Angaben wollte Ströber aus „ermittlungstaktischen Gründen“ nicht machen. Ob allein menschliches Versagen zu der Katastrophe geführt hat, kann die Staatsanwaltschaft erst sagen, wenn das Gesamtergebnis der Ermittlungen vorliegt. Geprüft wird auch, ob alle Sicherheitsvorkehrungen und die Einweisung der Fremdfirmenmitarbeiter ordnungsgemäß gewesen sind. „Wir haben aber bisher keine Erkenntnisse, dass an der Anlage im Hafen etwas nicht in Ordnung gewesen sein könnte“, so Ströber. Unterdessen haben im freigegebenen Hafenteil die Aufräumarbeiten begonnen. Wie hoch der Sachschaden im Hafen ist, konnte eine BASF-Sprecherin nicht beziffern. Die wirtschaftlichen Folgen des Unglücks werden noch aufgearbeitet. Das gesperrte Tor 15 ist seit Mittwoch wieder geöffnet. Die Lkw-Abfertigung läuft laut Konzern wieder normal. Damit könne auch der Güterverkehr per Zug wieder stattfinden. Einschränkungen gebe es beim Schiffsverkehr, da der Landeshafen erst nach umfangreichen Reparaturen in Betrieb genommen werden kann. Ein Zeitpunkt dafür sei derzeit noch nicht absehbar.