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Montag, 07. Dezember 2015 Drucken

Kirchheimbolanden

Zwei sehr verdächtige Café-Besucher

Advents-Krimi – „Im Namen ihrer Majestät“ (6): Ein mitgehörtes Gespräch versetzt Weichmeier in Alarmstimmung

Von Anja Hartmetz

 

„Typisch“, dachte Weichmeier verdrossen und gabelte ein gewaltiges Stück Bisquit mit Marzipan, Nougat und Schokoladenglasur auf. War ja klar, dass die Litt nicht singen würde!

Nachdem ihn die Ex-Lokalchefin des Donnersberger Rundblicks auf seine Frage nach dem City-Outlet nur vielsagend angegrinst hatte und dann ohne ein Wort verschwunden war, hatte er den unüberwindlichen Drang verspürt, sehr schnell sehr viele Kalorien zu sich zu nehmen, am besten in Form von Fett und Kohlenhydraten. Deshalb saß er jetzt im Kaffee Kernel vor einem sündhaft gehaltvollen Mozartballen und einem Gewürzkaffee mit Schuss. Mit schlechtem Gewissen dachte er an Dörthe, die erst kürzlich wieder vergebens versucht hatte, ihn auf Diät zu setzen. Und die er ohne lange Erklärungen alleine in London zurückgelassen hatte.

Plötzlich betraten zwei Männer das Café und setzten sich direkt an den Nachbartisch. Das war natürlich noch nichts Außergewöhnliches. Allerdings war der Kleinere von beiden mit einer beigen Outdoor-Weste bekleidet, die Weichmeier sehr bekannt vorkam. Das waren die beiden Typen, die Heinz Torf fotografiert hatte! Als die beiden dann mit starkem englischen Akzent Kaffee und Schwarzwälder Kirsch bestellten und sich leise auf Englisch zu unterhalten begannen, fing Weichmeier vor lauter Aufregung an zu zittern. Diese ziemlich breite, gaumige Aussprache des einen hatte er erst vor kurzem an jeder Ecke gehört: Er sprach wie ein typischer Londoner! Weichmeier spitzte die Ohren.

„That’s plain bollocks!“, sagte Outdoor-Jacke gerade heftig. „There ain’t enough explosives to blow the bloody doors off, mate! Blimey, I had bigger wet farts than that!“ – Sein Partner zuckte mit den Schultern. „Unfortunately I don’t happen to have a whole ammo dump at my disposal“, konterte er in einem deutlich gestelzter klingenden Akzent. „Well, I’d rather bulldoze down the whole sodding thing, anyway“, knurrte Outdoor-Jacke.

Weichmeier traf fast der Schlag. Wieder einmal verfluchte er sich selbst, weil er sein spärliches Schulenglisch nie aufgefrischt hatte. Aber immerhin: „Blow off“? Das hieß doch irgendwas mit sprengen. Und „the whole wall“ hieß „die ganze Mauer“. Und „bulldoze down“, na, da brauchte man ja wohl nicht viel Phantasie. „Die wollen eine Mauer in die Luft jagen oder mit dem Bulldozer einreißen!“, flüsterte Weichmeier fassungslos. Konnte das sein? Und vor allem: Wie war es möglich, dass die beiden sich so fröhlich mitten im Café darüber unterhielten? Die mussten doch damit rechnen, dass jemand Englisch verstand!

Andererseits hatten sie sich ohnehin schon ziemlich verdächtig gemacht mit ihrer Fotografiererei bei Nacht und Nebel und ihren Vermessungen! Hm. Ob das wirklich etwas mit dem City-Outlet zu tun haben konnte? Weichmeier war sich plötzlich nicht mehr so sicher. Verstohlen musterte er die beiden Männer, die davon nichts mitbekamen, weil sie gerade dabei waren, ihre Rechnung zu begleichen.

Ihr Alter war schwer zu schätzen, Anfang bis Mitte 40 vielleicht. Outdoor-Jacke hatte zwar einen ziemlich jugendlichen Haarschnitt und trug Turnschuhe, sah aber etwas verlebt aus. Der andere wirkte deutlich gepflegter. Er trug gutgeschnittene Jeans, hellbraune Lederschuhe mit Lochmuster, sogenannte Brogues, wie er sich von seiner Einkaufstour noch dunkel erinnerte, ein Karohemd wie einer dieser Wildhüter aus den Rosamunde-Pilcher-Filmen, die Dörthe sich so gern ansah, und ein teuer aussehendes (damit kannte Weichmeier sich inzwischen ja aus!), dezent kariertes Tweed-Jacket. Ein komisches Duo!

Der besser Gekleidete der beiden wischte im Weggehen ohne es zu merken ein Stück Papier vom Tisch. Es flatterte zu Boden und blieb unmittelbar neben Weichmeiers Stuhl liegen. Der wartete, bis von den beiden Engländern nichts mehr zu sehen war. Dann bückte er sich möglichst unauffällig und hob den Zettel auf. Es war eine Visitenkarte mit einer Londoner Adresse.

 

Fortsetzung folgt

 

Was hat es mit der Visitenkarte auf sich? Kann Weichmeier die Adresse ausfindig machen? Lesen Sie morgen die nächste Folge unseres Advents-Krimis – und alle bisher erschienenen auf www.rheinpfalz.de/adventskrimi.

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