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Dienstag, 15. Januar 2019 Drucken

Kirchheimbolanden: Kultur Regional

Zurück zu altem Glanz

Pfalztheater-Orchester und Protagonisten begeistern bei Neujahrskonzert „Johann Strauss in St. Petersburg“

von Reiner Henn

Unermüdlich antreibend, emotionsgeladen, mitreißend: Kapellmeister Anton Legkii und seine Musiker. Schon der Auftakt mit Glinkas „Ruslan und Ludmilla“ gelang furios.

Unermüdlich antreibend, emotionsgeladen, mitreißend: Kapellmeister Anton Legkii und seine Musiker. Schon der Auftakt mit Glinkas „Ruslan und Ludmilla“ gelang furios. ( Foto: J. Hoffmann)

«Rockenhausen.» Das Neujahrskonzert des Pfalztheater-Orchesters in der dicht besetzten Donnersberghalle Rockenhausen war am Sonntag ein Riesenerfolg. Eine „zündende“ programmatische Leitidee und restlos überzeugende und begeisternde Protagonisten bestimmten den erfolgreichen Verlauf dieser Sternstunden.

Eigentlich sind die Erfolgstitel der legendären Strauss-Ära vielleicht etwas abgespielt; doch mit der Konzeption auf den Spuren des legendären Walzerkönigs Johann Strauss und seinem Siegeszug durch europäische Kulturmetropolen erstrahlte wieder der alte Glanz. So nach dieser thematischen Ausrichtung vor allem der im Umfeld der zaristischen Residenz in St. Petersburg, wo sich weitere vorgestellte Komponisten ein Stelldichein gaben: Einerseits wurden diese – wie Glinka, Tschaikowski oder Rimsky-Korsakow – mit Kostproben aus den Genres Konzert, Ballett- und Opernmusik Reverenz erwiesen, andererseits die leichte Muse der Strauss-Ära in Operettenmelodien, Quadrille, Schnell-Polka und Walzer gegenübergestellt.

Um dem Ganzen noch mehr Authenzität zu verleihen, agierten mit dem zweiten Pfalztheater-Kapellmeister Anton Legkii und der Mezzosopranistin Polina Artsis zwei Nachwuchskräfte des Pfalztheaters, die beide aus Russland stammen, entweder in Moskau (Artsis) oder Jekaterinburg im Ural (Legkii) studierten und inzwischen den überaus hohen und gestiegenen Standard des Pfalztheaters repräsentieren.

Der Reihe nach: Das Orchester stellte sich auf die abgehängte, gedeckte und etwas trockene aber durchaus ansprechende Akustik gut ein. Es zeigte sich lediglich eine gewisse Problematik aufgrund der Unterbesetzung an manchen Streicherpulten. Dagegen kam diese Akustik wiederum den Bläsern sehr entgegen. Der Einstieg mit der rasanten und brillanten Ouvertüre zu „Ruslan und Ludmilla“ von Glinka gelang furios, in bestechender Präzision und prägnanter, gestochen klarer Artikulation. Unter Legkiis unermüdlich antreibendem, emotionsgeladenem und mitreißendem Dirigat hatten dann die Kompositionen der leichten Muse „Gewicht“. Legkii und das bestens disponierte Orchester nahmen sie so gar nicht auf die sprichwörtliche leichte Schulter, sondern werteten die stilisierte Tanzmusik im eleganten Notenflug enorm auf. Da funkelte alles im spielerischen Feinschliff, atmete Noblesse und Akkuratesse. Mit Präzision bis ins kleinste motivische Detail wurde alles mit Akribie und Esprit ausgeformt, locker, leicht kamen diese „Schmankerln“ (wie der Wiener sie nennt) daher – was nur gelingen kann, wenn man (frau) so souverän spielerisch „darübersteht“.

Neben dem mit Übersicht, Charisma und suggestiver Ausdruckskraft leitenden Kapellmeister bestand auch die Mezzosopranistin mit Bravour ihre gestellten Aufgaben: Arien oder Couplets aus Oper und Operette profitierten von der sehr schönen Klangfarbe im sonoren Timbre ihrer Stimmgebung. Mit gesangstechnischer und intonatorischer Reinkultur par excellence und hoher Bühnenpräsenz hielt sie alle in Atem, sorgte für magische Momente musikalischer Faszination und Inspiration.

Musikdramaturg Elias Glatzle als Moderator und sozusagen Reporter über die Eskapaden, Episoden und Anekdoten der Konzertreisen des Strauss-Sohns lockerte nicht nur die ohnehin gute Stimmung auf: Er gab auch damit kulturgeschichtliche Einblicke in die damalige zaristische Kulturförderung, in Leben und Wirken von davon profitierenden damaligen Idolen. Dass Strauss ein umschwärmter Frauenheld war und in einem Blumenmeer – gesendet von seinen Verehrerinnen – badete, schilderte Glatzle ebenso genüsslich wie die Episode um den armen Pudel von Strauss: Der Streit der Damenwelt um die üppige Lockenpracht des stets galanten Strauss veranlasste dessen Diener, doch stattdessen die Hundehaare zu vermarkten. Bis der Arme schon kahle Stellen hatte ... Nicht nur da hatte der Moderator die Lacher auf seiner Seite und trug ebenfalls wesentlich zu diesem außerordentlichen Konzerterfolg bei.

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