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Freitag, 30. November 2018 Drucken

Kirchheimbolanden

Umschlagplatz für Windrad-Teile

ROCKENHAUSEN: An der L 386 bei Dörnbach werden riesige Bauelemente für Weitertransport zum Windpark Imsweiler verladen

Von Julia Hoffmann

Wer zurzeit auf der L 386 von Rockenhausen Richtung Dörrmoschel fährt, kann an der „oberen“ Abzweigung nach Dörnbach ein imposantes Schauspiel beobachten: Hier ist ein Umladeplatz für Windrad-Teile errichtet worden. Denn die Stahlelemente, mit denen die Firma Abo-Wind auf Imsweilerer Gemarkung einen Windpark errichtet, können wegen der serpentinartigen Straße nicht auf herkömmlichem Weg zu ihrem Standort beim Felsberger- und Spreiterhof transportiert werden. Deshalb werden die insgesamt neun Rotorblätter und sechs Turmteile auf dem Gelände des früheren Umspannwerkes zwischengelagert, ehe sie ihren Weg mit einem selbstfahrenden Transporter fortsetzen.

Zur Herrichtung des Umladeplatzes war eine gewaltige Logistik erforderlich, informierte der bei Abo-Wind für das Projekt zuständige Bauingenieur Juraj Strucka: So sind auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Areal – das entspricht etwa der Hälfte eines Fußballplatzes – 653 Metallplatten ausgelegt und miteinander verschraubt worden. In zirka zwei Wochen sollen alle Stahlteile die enge und kurvige Straße nach Dörrmoschel passiert haben.

Angeliefert werden sie über Nacht von der Transportfirma Hofmann aus Paderborn. Anschließend werden die Ungetüme von den Lastwägen mit Kränen auf Holzbohlen umgebettet und warten auf den zweiten Teil ihrer Reise zum Windpark Imsweiler. Dort werden schon bald drei Anlagen des Typs Nordex N117/3000 – jede von ihnen hat eine Leistung von drei Megawatt – ihre Flügel mit einem Rotordurchmesser von 117 Metern durch den Wind gleiten lassen. Zum Vergleich: Der Airbus A380, das größte Mitglied der Airbus-Familie, hat eine Spannweite von 80 Metern.

Der Windpark gehört zwar zur Ortsgemeinde Imsweiler, die Zufahrtsstraße befindet sich allerdings kurz vor Dörrmoschel. Dorthin gelangen die Bauteile laut Strucka mit einem Modulfahrzeug mit eigenem Antrieb, dem sogenannte Self-Propelled Modular Transporter (SPMT). Das sind fahrbare Plattformen mit mehreren Achsenlinien, die über einen Steuerhebel dirigiert werden. Der große Vorteil besteht darin, dass die geladenen Komponenten bis zu einem Winkel von 60 Grad aufgestellt, geschwenkt und um die eigene Achse gedreht werden können. Somit erreichen sie einen kleineren Wenderadius in Kurven oder engeren Passagen. „Die sechs mal 30 Meter langen Turmteile können in der Nacht zum Windpark gebracht werden. Die 57 Meter langen Rotorblätter werden über Tag gefahren. Im Dunkeln wäre das zu gefährlich, da man das Ende der Rotorblätter bei einer 60-Grad-Neigung nach oben nicht mehr erkennen kann“, erklärt der Bauingenieur von Abo Wind.

Für den Transport ist eine vorübergehende Sperrung der L 386 erforderlich. Um die Auswirkungen auf den Verkehr so gering wie möglich zu halten, werden die neun Flügel an den Wochenenden zum Windpark gefahren: samstags ab zwölf, sonntags ab acht Uhr. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von zehn km/h braucht der SPMT für eine Fuhre zirka zwei Stunden. Pro Flügel werden zwölf Tonnen, pro Turmteil 50 Tonnen Material über die vier Kilometer lange Strecke chauffiert.

Am Windpark werden die Stahlteile dann mit dem bereits fertigen Betonturm verbunden. Dieser besteht aus einzelnen Ringen und erreicht eine Höhe von knapp 80 Metern. Insgesamt ragt der Hybridturm 140 Meter in die Höhe und erreicht damit knapp die Hälfte des Pariser Eiffelturms. Das Fundament hat einen Durchmesser von 21,5 Metern. Der Turm, dessen höchster Punkt über einen Aufzug zu erreichen ist, wird mit einem 125 Tonnen schweren Maschinenhaus verknüpft. Dieses ist mit einer Fläche von 40 Quadratmetern mit einer Singlewohnung in luftiger Höhe zu vergleichen.

Zum Schluss werden Rotorblätter und Nabe am Boden zusammengebaut, ehe das Konstrukt mit einem Gesamtgewicht von rund 100 Tonnen am Turm befestigt. Bildlich gesprochen wären das 20 Elefanten, die in den Himmel gehoben werden – auch das zeigt die außergewöhnliche Dimension des Projekts.

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