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Donnerstag, 13. Juni 2019 Drucken

Donnersbergkreis

Tod im Mähdrescher –Schutz für Rehkitze gesucht

Von Winfried Maier

Eine Mutter und ihr Rehkitz: Oft sind die Kleinen im hohen Gras nur schwer zu entdecken.

Eine Mutter und ihr Rehkitz: Oft sind die Kleinen im hohen Gras nur schwer zu entdecken. ( Foto: Maier)

Jedes Jahr im Frühjahr spielen sich auf zahlreichen Wiesen Dramen ab: Tiere – allen voran Rehkitze – geraten in die Mähwerke. Der Landesjagdverband appelliert auch an die Landwirte und Jäger im Kreis, das „Ausmähen“ möglichst zu verhindern. Doch wie kann das Jungwild wirksam geschützt werden? Geht das überhaupt? Wir haben uns bei Betroffenen umgehört.

Der Bruder und gelegentliche Helfer eines Landwirts auf einem Hof im Donnersbergkreis ist sichtlich betroffen, als er mit der Frage nach den Niederwildopfern vornehmlich bei der ersten sogenannten Wiesenmahd im Frühjahr konfrontiert wird. „Keiner will das – aber es ist nicht immer zu vermeiden“, bringt der Mann, der namentlich nicht genannt werden will, nach einer Weile des Schweigens hervor. Mit Hasen und Rebhühnern hätten sie keine Probleme, die gebe es hier schon lange nicht mehr. Aber die Rehe seien schon gefährdet. Während sein Bruder oder dessen Sohn bei der Arbeit mit dem Kreiselmäher zumeist nicht bemerkten, wenn ein Kitz ins Messer gerate, biete sich ihm später beim Heuwenden dann der traurige Anblick des getöteten Tieres. Oft zeige ihm schon die „Luftwaffe“ – damit meint er Milan, Bussard und Krähen – von Weitem an, wo ein Kadaver liegt. Falls dieser nicht bereits in der Nacht zuvor von Füchsen und Wildschweinen „entsorgt“ wurde. Dann sei es seine Aufgabe, die Reste zu entfernen. Ins Heu dürfe so etwas nicht gelangen, verdeutlicht der Aushilfslandwirt.

Fehlender Eigengeruch als Nachteil

Er versichert allerdings, dass es auf dem Hof üblich sei, die Jagdpächter am Tag vor der beabsichtigten Mahd zu benachrichtigen. Diese könnten dann die Wiesen mit Hunden absuchen und eventuell gefundene junge Rehe aus dem Gefahrenbereich tragen. Bei den riesigen Flächen von heute sei das allerdings ein sehr mühsames Geschäft. „Die laufen dann vielleicht 20 Zentimeter an einem reglos verharrenden Kitz vorbei, ohne es zu bemerken“, weiß er aus eigener Erfahrung. Weil die jungen Rehe keinen Eigengeruch haben, entdecke sie auch der Hund nicht. Der natürliche Schutz vor Beutegreifern zeige sich hier als Nachteil für das Jungwild.

Und er erzählt, wie vor einigen Jahren beim Mähen einer Fläche von zehn Hektar ein Rest von 2000 Quadratmetern stehen blieb, weil dort ein Kitz vermutet wurde: „Zwei Mann mit Hund suchten etwa zweieinhalb Stunden vergeblich nach dem Tier. Bei der danach fortgesetzten Mahd kam es schon in der zweiten Reihe – gerade mal fünf Meter vom Rand entfernt – in die Messer. Der ganze Aufwand war umsonst.“

Mit Hilfe einer Drohne mit Wärmebildkamera könnte man die Tiere zwar verorten – aber dann müsse trotzdem jemand reingehen und das Kitz fachgerecht bergen. Es nütze nichts, das Tierbaby erst zu retten, damit es dann verhungert, weil es von der Mutter wegen menschlichen Geruchs nicht mehr angenommen wird. Zudem brauche man erst mal eine Drohne – und jemanden, der sie bedienen kann. Ein Kauf mache zudem aus wirtschaftlichen Gründen nur Sinn, wenn sie auch beim Bejagen von Schwarzwild zum Einsatz käme.

Des Weiteren habe er festgestellt, dass die Kitze in manchen Jahren früher und in anderen Jahren später gesetzt werden – abgesehen davon, dass sich die Setzzeit bei den Rehen fast sechs Wochen lang hinziehe. Daher habe man es manchmal bis Juni mit Kitzen zu tun, die sich aufgrund des noch fehlenden Fluchtinstinkts bei Gefahr fest auf den Boden drücken. Im Vorjahr hingegen seien die Kitze so früh entwickelt gewesen, dass sie rechtzeitig weglaufen konnten: Auf 30 Hektar Wiese sei kein einziges Tier ausgemäht worden.

Auch Hein Pirkl vom Wambacherhof gibt an, immer einen Tag vor der Mahd die zuständigen Jäger oder Förster zu verständigen. Diese suchten dann die Wiesen nach Kitzen ab. Manchmal würden dabei auch Flatterbänder und Luftballons aufgehängt, um die Rehe an der Rückkehr während der Nacht zu hindern. Mit den Forstbediensteten – namentlich mit Revierförster Wolfgang Seither – klappe die Verständigung besonders gut, so Pirkl. Da auf dem Wambacherhof Gras insbesondere zur Silage geerntet werde, finde die Mahd etwa zwei bis drei Wochen vor der Heuernte statt. Wegen der unterschiedlichen Setzzeitpunkte und der langen Setzperiode habe dies aber keinen wesentlichen Einfluss auf die Anzahl der Mähopfer. Trotz der vorbeugenden Schutzmaßnahmen käme es leider immer mal wieder vor, dass ein Kitz den Mähtod finde. Der Kadaver sei dann umgehend zu entfernen, damit er beim Verwesen keine Giftstoffe in der Silage bilde. Lediglich auf den Wiesen, die im Rahmen des Vertragsnaturschutzes erst ab 15. Juni gemäht werden dürfen, gebe es eher selten Verluste.

„Nicht für alles verantwortlich“

Die Empfehlung des Landesjagdverbandes (LJV), von innen nach außen zu mähen, bringt nach Meinung des Landwirts keine Verbesserung: Solange die Kitze noch zu jung seien, um instinktiv vor den Maschinen zu flüchten, seien sie so oder so gefährdet. Pirkl betont ausdrücklich, den Tod jedes einzelnen Tieres beim Mähen zu bedauern. Dem pflichtet auch seine Ehefrau Anke bei – sie bitte aber gleichzeitig darum, nicht für alles, was draußen in der Landschaft passiere, die Bauern verantwortlich zu machen. So frage sie sich, wo der Aufschrei der Bevölkerung bleibe, wenn ein Luchs jährlich 50 bis 60 Rehe reiße oder auf der wenig befahrenen L 390 zwischen Winnweiler und Leithöfe im vergangen Jahr 28 Rehe dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen seien.

Torsten Windecker, Jagdrevierinhaber und Vorsitzender der LJV-Kreisgruppe Donnersberg, betont: Niederwild könne nur im Zusammenwirken von Landwirt und Jäger vor dem Mähtod gerettet werden. Werde er von einer bevorstehenden Mahd rechtzeitig informiert, suche er mit Hund und Helfern die Fläche sorgfältig ab. Zudem bringe er häufig Flatterbänder und Lappen als Wildscheuchen an, um Rehe zu vergrämen. Am Mähwerk angebrachte akustische Wildretter, die mit einem Sirenenton das Wild zum Verlassen der Wiese bewegen sollen, gebe es in seinem jagdlichen Umfeld noch nicht. Aber auch dieses Hilfsmittel sei nur wirksam, wenn der Fluchtinstinkt bei Kitzen weitgehend entwickelt sei.

In Sachen Kitzrettung per Drohne hat sich nun André Rück, Geschäftsführer der Sky Analytics UG in Ober-Flörsheim, an die Jägerschaft gewandt. Er bietet an, mit seinem Multikopter und einer Wärmebildkamera große Flächen zur schnellen und effizienten Rettung von Wildtieren abzusuchen (Telefon 0162 3931744).

 

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