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Dienstag, 15. Januar 2019 Drucken

Kirchheimbolanden: Kultur Regional

Spielkunst und Humor

Neujahrskonzert des Johann-Strauss-Orchesters Frankfurt begeistert das Publikum in Eisenberg

Von Anja Benndorf

Gut in Form: Sopranistin Katja Bördner.

Gut in Form: Sopranistin Katja Bördner. ( Foto: Benndorf)

«Eisenberg.» Für viele Menschen ist es ein fester Termin im Kalender: das Neujahrskonzert des Johann-Strauß-Orchesters aus Frankfurt in Eisenberg. Am Samstagabend war das Evangelische Gemeindehaus wieder bis nahezu auf den letzten Platz besetzt. Die Musiker unter Leitung von Witolf Werner, die diesmal mit den Solisten Katja Bördner und Reto Rosin angereist waren, brachten mit ihrem Programm „Von allem etwas – von allen das Beste“ den Saal einmal mehr zum Beben.

Sie kommen nicht ohne drei Zugaben davon. Am Ende gibt es große Ovationen. Aber schon zu Beginn, noch vor dem ersten Ton, werden die Akteure mit Applaus begrüßt. Diese Vorschusslorbeeren zeigen, wie man sich auf ihren Auftritt freut. Sehr schwungvoll grüßt das Orchester zurück, mit der Ouvertüre der Operette „Die Fledermaus“ von seinem Namensgeber Johann Strauss. Perfekt in Dynamik und Tempo, ausgereift differenziert, sodass jedes Instrument gut herauszuhören ist, dabei dem Werk angemessen locker und beschwingt – eine Darbietung auf Top-Niveau. Hohe Spielkunst beweist das Orchester auch bei allen anderen Instrumentalstücken, darunter der Walzer „Gold und Silber“ von Franz Lehár und ein Medley aus dem Film „Mary Poppins“. Letzteres beginnt mit einer albernen Szene: Als Werner vor seinem Notenständer kniet, starten die Musiker schwungvoll, woraufhin er zusammenzuckt, sich verwirrt umschaut und aufspringt.

Insgesamt schwingt stets eine gehörige Portion Humor mit. Der 40-Jährige, der 2011 in einer Kritiker-Umfrage der Welt am Sonntag zum „Dirigent des Jahres“ gewählt worden ist, hat auch Erfahrung im Theater und schwingt gern den Taktstock vor Jugendensembles. Seit 2014 ist der gebürtige Mönchengladbacher Chef des Bühnenorchesters der Wiener Staatsoper und seit 2017 zudem Leiter des Akademischen Symphonieorchesters Wien. Er führt locker und lustig durchs Programm, wobei man nebenbei auch dies und das erfährt, etwa dass die Flatterulme Baum des Jahres ist und es rund 1000 Volkshochschulen in Deutschland gibt.

Unverkrampft, mit Charme und Witz, gibt sich auch der Tenor, der als erstes mit der Arie „Komm, Zigany!“ aus „Gräfin Mariza“ von Emmerich Kálmán zu erleben ist. Reto Raphael Rosin beweist dabei Temperament, wirft sich einer Geigerin zu Füßen und steppt im nächsten Moment über die Bühne. Es macht Spaß, ihm zuzuschauen, das Publikum jubelt. Seine Stimme ist angenehm und hat ein enormes Volumen. Der Schwabe, der sein Studium mit Auszeichnung abgeschlossen hat und auf internationalem Parkett in Gesangswerken von Opern bis Musicals zu hören ist, hat einen langen Atem und sein Gesang ist voller Inbrunst. Sehr gefühlvoll präsentiert er „Be My Love“ aus dem Film „The Toast Of New Orleans“. Klasse sind auch seine Interpretationen des Jan-Kiepura-Schlagers „Ob blond, ob braun, ich liebe alle Fraun“, der durch Robert Stolz berühmt wurde, und des Titellieds zum Musikfilm „New York, New York“, das man noch von Frank Sinatra im Ohr hat.

In höchsten Tönen legt Katja Bördner bei ihrem ersten Lied in Eisenberg dem Publikum ihre Gefühlslage dar. Die Sopranistin singt „Ich bin verliebt“ aus Nico Dostals erfolgreichstem Werk „Clivia“. Die Gewinnerin zahlreicher Wettbewerbe studierte in Berlin und Mainz, wo sie 2006 ihr Diplom ablegte. Sie ist vielfältig engagiert, hat aber einen besonderen Faible für Tonfilmschlager und deutsche Chansons der 1930er und 40er Jahre. Im Verlauf des Abends demonstriert sie auch ihr Tanztalent. Fröhlich mit den Hüften wippend gesteht sie „I Feel Pretty“ (West Side Story). Gänsehaut bekommt der Zuhörer bei „Don’t Cry For Me, Argentina“ aus Andrew Lloyd Webbers „Evita“. Dargeboten wird von Bördner auch „Frühling in San Remo“ aus der Operette „Maske in Blau“ (Fred Raymond).

Im Duett singt sie mit Rosin „Wunderbar“ aus Cole Porters Musical „Kiss me, Kate“. Dabei überzeugen die beiden nicht nur durch ihre schönen Stimmen, sondern auch durch ihre Gestik und Mimik als Verliebte. Zu zweit tragen sie auch „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ aus der 1891 uraufgeführten Carl-Zeller-Operette „Der Vogelhändler“ vor. Nett: Beim Verlassen des Saals werden an die Konzertbesucher Rosen verteilt.

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