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Samstag, 05. Dezember 2015 Drucken

Kirchheimbolanden

Reden ist Silber...

Advents-Krimi – „Im Namen ihrer Majestät“ (5): Walter Weichmeier stößt auf eine Mauer des Schweigens

Von Fabian Kelly

 

„Ottfried, jetzt tu’ nicht so scheinheilig. Das gibt es doch nicht, dass du nichts weißt. Wenn einer weiß, was hier in der Stadt vor sich geht, dann doch wohl du!“ Weichmeier war sichtlich angespannt. In der Hand hielt er einen Becher schwarzen Kaffee, in dem er ungeduldig hin und her rührte, obwohl es eigentlich gar nichts zum Rühren gab. Stadtgärtner Ottfried Tausendschön ließ sich von dem ehemaligen Polizisten nicht aus der Ruhe bringen. Seelenruhig schnippelte er an dem Tannengrün herum, das er hier in einem seiner Gewächshäuser auf dem Gelände des städtischen Bauhofes für den anstehenden Christkindlmarkt vorbereitete. „Ich habe keine Ahnung, wer da was warum ausmisst. Von uns war’s jedenfalls niemand.“ Weichmeier zog ungläubig die Augenbrauen hoch. Auch davon ließ sich Tausendschön nicht beeindrucken. „Wir haben gerade wirklich besseres zu tun, als sinnlos in der Gegend rumzumessen. Die ollen Holzhütten müssen wieder überall aufgebaut werden, dann die kilometerlangen Lichterketten, und nicht zu vergessen: das hier.“ Tausendschön deutete auf den Berg Tannengrün. „Jede Mülltonne und jedes Verkehrsschild müssen wir damit wieder verkleiden, der Stadtchef will’s ja so.“ Weichmeier nickte missmutig. „Und du weißt auch nix zum Thema City-Outlet?“ Das Lachen Tausendschöns war noch auf dem Schillerhain zu hören.

Drei Stunden später stand Weichmeier im Aufzug des Kirchheimbolander Rathauses. Er hatte gerade dem Stadtbürgermeister einen Besuch abgestattet, hatte gehofft, von ihm wenigstens eine kleine Information zum Thema City-Outlet zu erhalten, aber der Stadtchef sagte... nichts. Außer: „Lesen Sie doch die Zeitung. Angeblich weiß der Donnersberger Rundblick doch sowieso immer alles früher.“ Nach dem Desaster bei der Präsentation des geplanten City-Outlets vor kurzem in der Stadthalle lagen die Nerven anscheinend blank. Weichmeier wollte gerade das Rathaus über den Hintereingang verlassen, als er fast über eine quer über den Boden gespannte Leine stolperte. „Komm Franzl, komm hier“. Die Stimme der ehemaligen Lokalblatt-Chefin Rabea Litt erkannte Weichmeier sofort, und auch ihren Terrier Franz, der die Litt ja auf Schritt und Tritt begleitete. „Ach, der Herr Hauptkommissar, das ist aber eine Überraschung“, flötete die Litt. „A.D., genau wie sie“, erwiderte Weichmeier kurz angebunden: „Und Sie? Mal nicht auf Entdeckungsreise in Kirgistan oder auf Sightseeing in Palermo?“ „Nein, gerade mal nicht, Herr Weichmeier, aber demnächst geht’s wieder nach London.“ Weichmeier sparte sich jeden weiteren Smalltalk und wischte auch die Gedanken an seine Gattin Dörthe weg, die ja noch immer in der englischen Metropole weilte. „Was führt Sie ins Rathaus? Termin beim Stadtbürgermeister?“, fragte er unverblümt. Die Litt konterte, von seiner Direktheit sichtlich überrascht: „Das könnte ich Sie auch fragen.“ Weichmeier beschloss, dass Angriff die beste Verteidigung war: „Geht’s ums City Outlet?“ Auf dem Gesicht der Litt zeichnete sich ein breites Grinsen ab. (Illustration: Herrmann)

Fortsetzung folgt

Weiß die Lokaljournalistin mehr, als sie bereit ist zu verraten? Warum schweigt der Stadtbürgermeister? Mehr Details erfahren Sie am Montag in der nächsten Advents-Krimi-Folge. Alle Teile können Sie lesen auf www.rheinpfalz.de/adventskrimi.

 

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