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Freitag, 28. Dezember 2018 Drucken

Kirchheimbolanden: Kultur Regional

Mit „Happy Birthday“ fing es an

Der Frankenthaler Pianist Luca Antonio Fortino spielt allein nach Gehör – Auch in Göllheim aktiv

von Lea Ochssner

Hat nie Klavierunterricht gehabt: Luca Antonio Fortino.

Hat nie Klavierunterricht gehabt: Luca Antonio Fortino. ( Foto: Fortino/Frei)

«FRANKENTHAL/GÖLLHEIM.» „Durch die Musik habe ich Seiten an mir entdeckt, die ich vorher nie gesehen habe“, sagt Luca Antonio Fortino. Der 20-jährige Frankenthaler hatte beim diesjährigen Bürgerempfang der Stadt im Congress-Forum mit zwei Klavierstücken auf sich aufmerksam gemacht. Er ist auch im Donnersbergkreis musikalisch aktiv. Seit einigen Jahren begleitet er in Göllheim die Gottesdienste der Dornbuschgemeinde. Sein Ziel sei es, aus Liedern das Beste herauszuholen, sagt er.

Luca Antonio Fortino sitzt am Klavier. Als der Musiklehrer hereinkommt, fängt er an, die „Toccata und Fuge“ von Johann Sebastian Bach zu spielen. Der Lehrer kann es nicht glauben: Vor einer Woche hatte er mit Fortino gewettet, dass dieser es nicht schaffen würde, nach nur sieben Tagen Proben das anspruchsvolle Stück aufzuführen. Er hatte das nicht für möglich gehalten – Fortino schon. Diese Geschichte erzählt der 20-jährige Frankenthaler schmunzelnd. Noch heute würde der Lehrer davon sprechen.

Keine einzige Klavierstunde hat Fortino je genommen. Auch auf der Geige hat er nur ein paar Grundtechniken in der Schule gelernt. Schlagzeug, E- und Bassgitarre sowie Cajon hat er sich selbst angeeignet. „Ich habe alles durch bloßes Ausprobieren gelernt. Ich kann die Töne heraushören und dann direkt nachspielen“, erzählt der Frankenthaler. Nach Noten spielen kann er nicht, nur nach Gehör.

Zur Musik gekommen ist Fortino durch seine Schwester. Sie habe im Musikunterricht das Keyboard besprochen, worauf die Eltern eines gekauft hätten, so Fortino. „Ich habe mir von ihr dann ,Happy Birthday’ beibringen lassen und das immer wieder gespielt. Daraus wurde dann langsam mehr.“

Von „Something just like this“ von Coldplay bis zu der Mondscheinsonate von Beethoven reicht heute sein Repertoire. Außerdem komponiert Fortino auch selbst. Es könne passieren, dass er um elf oder zwölf Uhr nachts am Klavier sitze und einfach am Tüfteln ist. Fortino weiß um sein musikalisches Talent. Trotzdem bleibe er bodenständig. „Meine ganze Gefühlswelt steckt in der Musik.“

Fortino hat nach seinem Schulabschluss an der Schiller-Realschule eine Ausbildung zum Anleitungsmechaniker bei BASF begonnen. Aktuell steht für ihn die Abschlussprüfung an. Fortinos Vater ist Sizilianer, seine Mutter kommt aus der Schweiz. Am Wochenende spielt Fortino Bassgitarre in einer Band. Sonntags begleitet er auf dem Klavier den Gottesdienst der Dornbusch-Gemeinde in Göllheim, und das bereits seit drei oder vier Jahren, Woche für Woche. Der Kontakt sei über einen Schulfreund zustandegekommen, dessen Vater Prediger dieser freikirchlichen Gemeinde sei.

Wenn Fortino Klavier spielt, befindet er sich in einer anderen Welt. Am liebsten spielt er Lieder, die er mag, aber langweilig findet. Dann dreht er das Stück um und holt mehr aus ihm heraus – etwa bei dem Klavierstück „River flows in you“. Schon zu Beginn baut Fortino mehr Töne ein, das Lied wirkt so verspielter. Dann variiert er das Thema, spielt es mal schneller, mal langsamer, bis es fast nicht mehr zu erkennen ist.

„Die Musik ist definitiv Teil meines Lebens“, so Fortino. „Und es wäre eine verschenkte Gabe, wenn ich mich nicht weiterentwickeln würde.“ Seine Ausbildung und finanzielle Sicherheit sei ihm wichtig. Aber mit der Musik würde er gerne den Durchbruch schaffen, Auftritte haben, Konzerte geben.

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