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Donnerstag, 10. Januar 2019 Drucken

Kirchheimbolanden: Kultur Regional

Hinter-, wider- und tiefsinnig

Das Lauterer Kabarett-Ensemble „Untiere“ begeht sein zehnjähriges Bestehen

von Reiner Henn

Wie die „Untiere“ ist auch dieses Porträt exakt zehn Jahre alt: Wolfgang Marschalls Haar ist grauer geworden, Edwin Schwehm-Herter musste krankheitshalber aufhören. Marina Tamassy ist so schön wie eh und je.

Wie die „Untiere“ ist auch dieses Porträt exakt zehn Jahre alt: Wolfgang Marschalls Haar ist grauer geworden, Edwin Schwehm-Herter musste krankheitshalber aufhören. Marina Tamassy ist so schön wie eh und je. ( Foto: PR/frei )

Wer ist wer? Die (täuschend echt gespielte) Glanzrolle des äußerst vielseitigen Musikers und Komödianten Philipp Tulius ist der Kaiserslauterer Oberbürgermeister „Klausi“ Weichel.

Wer ist wer? Die (täuschend echt gespielte) Glanzrolle des äußerst vielseitigen Musikers und Komödianten Philipp Tulius ist der Kaiserslauterer Oberbürgermeister „Klausi“ Weichel. ( Archivfoto: GIRARD)

Außergewöhnliche Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Die beiden bereits ausverkauften Jubiläumsveranstaltungen der Lauterer „Untiere“ am 18./19. Januar werden alles aufbieten, was die Kabarettgruppe um Wolfgang Marschall während ihres jetzt zehnjährigen Bestehens überregional bekannt gemacht hat. Im RHEINPFALZ-Gespräch lassen Marina Tamassy und Marschall die Ereignisse Revue passieren.

Die galligen Spaßmacher begehen ihren Jahrestag im SWR-Studio mit über 300 Plätzen − und allen Protagonisten an Bord, die in den vergangenen Jahren die erfolgreiche Mischung aus messerscharf-scharfzüngiger Abrechnung kommunal- bis bundespolitischer Ereignisse, Parodie und Persiflage sowie Musikkabarett mitgeprägt haben.

Wolfgang Marschall ist ein Mann der ersten Stunde bei den „Untieren“. Seine kabarettistische Biografie scheint vordergründig untypisch. Studierte er doch Biologie, aber auch Psychologie und Pädagogik an der Uni Mainz. Schon zuvor beim Zivildienst gründete er aber eine Polit-Rockband namens „Notstands-Ensemble“, das mit Marschalls Texten zur Friedensbewegung und eigener, gemeinsamer Bandvertonung schon damals für Furore sorgte.

Es war der Startschuss für regionale bis überregionale Auftritte, die bis nach Stuttgart und Heidelberg führten, wobei der südwestdeutsche Großraum bis heute sein geografisches „Spezialgebiet“ bleibt. Parallel schrieb Marschall fürs Pfalztheater politisch angehauchte Revuen, damals – 1984/85 – in der Ära des Intendanten Wolfgang Blum, der ohnehin auf dem Sektor Musical sich für seine Offenheit bei programmatischen Neuerungen auszeichnete.

Marschall bediente darüber hinaus Kleinkunstbühnen bis Karlsruhe mit seinen hinter-, wider- und tiefsinnigen Texten, schrieb sogar für die legendären Berliner „Stachelschweine“, das traditionsreiche Kabarett im Herzen der Hauptstadt.

Überhaupt studierte und kannte Marschall die kabarettistischen Hochburgen wie München, Wien oder das Düsseldorfer Kom(m)ödchen, das Frankfurter Schmieren-Kabarett und natürlich − sozusagen vor der Haustür − die Mannheimer „Klapsmühl“-Kleinkunstbühne am Rathaus, die nicht ratlos, sondern schlagfertig ist.

Marschall hat also nie in seinen eigentlichen Studiengebieten gearbeitet, die kabarettistische Auseinandersetzung mit Zeitgenossen aller Art hatte für ihn eine Eigendynamik, ließ ihn nicht mehr los. So arbeitete er ab 1985 im Vollberuf als Texter fürs Kabarett, war 1998 Drehbuchautor für den SWR in Baden-Baden, was seinen vorübergehenden Wohnsitz in Karlsruhe erklärt. Nach dieser Ära schrieb er Projekte für seinen Kollegen Reiner Kröhnert, eigene Regiearbeiten führten ihn bis Darmstadt, Frankfurt und Mannheim.

Apropos Mannheim. Dort lernte er im Oktober 2008 seine Bühnen- und heutige Lebenspartnerin Marina Tamassy kennen und lieben, die sich für seine Vision einer eigenen Kabarettgruppe als „Traumfrau“ erwies: Sie bringt mit einer klassischen Gesangsausbildung, als Sprecherin beim SWR, gelernte Schneiderin (für eigene Kostüme) und schauspielerischer Erfahrung alles mit, was der weiteren Umsetzung von Marschalls zündenden Ideen dient.

Schon im folgenden Januar fingen die unter dem Signum „Untiere“ gegründeten Kabarettisten als Trio an. Für die musikalischen Arrangements der meist gecoverten und umgetexteten Musikstücke sorgte damals noch der aus dem Landkreis stammende Keyboarder Edwin Schwehm-Herter. Er blieb bis Ende 2016 in der Truppe, bis er krankheitshalber ausscheiden musste. Mittlerweile haben die Jazz-Pianisten David Punstein und Matthias Stoffel seine Aufgaben übernommen, wobei Ersterer auch mit eigenen Kompositionen neue Akzente setzt.

Inzwischen war 2012 mit Philipp Tulius ein weiterer maßgeblicher Protagonist zum Team gestoßen, der täuschend echt kommunale bis bundespolitische Politiker parodieren kann, allen voran der Lauterer Oberbürgermeister, der für die „Untiere“ schlicht Klausi heißt. Zu Tulius’ Stimmenrepertoire gehören ferner Fußballer wie Lothar Matthäus und Fernsehikonen wie Otti.

Bis einschließlich 2013 traten die „Untiere“ mit ihrem regelmäßigen Programm „Da lacht das Schaf“ im Kulturzentrum Kammgarn auf, danach bis Ende 2014 im Lauterer Wirtshaus im Bahnheim und seitdem im Edith-Stein-Haus. Mit dem räumlichen Rahmen änderten sich auch die Titel, so in „Da lacht man scharf“ und jetzt „Ein Untier kommt selten allein“.

Die Doppelveranstaltung am 18. und 19. Januar setzt neben den Genannten auch Petra Mott und Clara Künzel ein, die dem Team mit Gastauftritten verbunden sind. Und dieses Mal − so verrät Marschall − wird die musikalische Seite noch durch einen Bläsersatz aufgewertet.

Wie kommt ein hochtalentierter, auch philosophisch gebildeter, sehr belesener und mit Humor gesegneter Kabarettist dazu, in Kaiserslautern zu bleiben? Marschall lächelt süffisant und betont, dass hier die Politiker ja genügend Stoff liefern. Und seine Programme hier konkurrenzlos seien. Man darf also auf die Jubiläumsveranstaltung als eine Art „Best of the Best“ gespannt sein.

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