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Kirchheimbolanden

Gerührt und geschüttelt

Advents-Krimi – „Im Namen ihrer Majestät“ (2): Weichmeier und sein Freund Heinz Torf haben einen Verdacht

Von Fabian Kelly

 

Weichmeier blickte tief in das Glas mit Belvedere Vodka. „Ich weiß nicht“, seufzte er in Richtung seines Freundes Heinz Torf. „Hast du keinen einfachen Highland Park oder einen MacBischop, zur Not auch einen Ol’Hangovers Orange Dew?“ „Klar, hab ich alles, aber der Geheimagent von Welt trinkt jetzt das hier: Sechs Teile Wodka, ein Teil trockener Wermut, etwas Olivenlake und eine einzige sizilianische grüne Olive. Der letzte Schrei“, antwortete Torf, während er den Tresen abwischte. „Ich finde, der schmeckt wie Pinselreiniger“, sagte Weichmeier. „Aber wie auch immer. Jetzt mal langsam raus mit der Sprache. Warum habe ich Hals über Kopf meine Londonreise abgebrochen, Dörthe zurückgelassen, meine Ehe riskiert und bin wieder in so einen schrecklichen Billigflieger gestiegen, um schnellstens in die Kleine Residenz zurückzukommen? Was ist so dringend, dass es keine Woche Zeit hatte?“ Torf hatte sich während des Redeschwalls des Hauptkommissars a.D. in aller Ruhe einen Barhocker geschnappt, einen Cognac-Schwenker mit einem undefinierbaren Weinbrand aus einer Flasche ohne Etikett gefüllt und sein Birnen-Tablett auf den Tisch gelegt.

Als Weichmeier seinen Monolog beendet hatte, drückte er stumm einen Knopf auf dem Bildschirm. Das Schwarz verschwand und gab den Blick auf ein Foto frei, das offensichtlich in der Amtsstraße aufgenommen worden war. Im Hintergrund war jedenfalls das Schild des Heimatmuseums zu sehen. Der Fotograf des Bildes hatte für die Aufnahme scheinbar hinter einem Auto gehockt und unbemerkt zwei Touristen fotografiert, die ihrerseits ebenfalls eine Kamera in der Hand hielten. Torf blickte Weichmeier triumphierend an. Weichmeier wiederum blickte fragend zu Torf und zuckte mit den Schultern: „Ähh... und?“ Torf wischte über sein Tablet. Ein weiteres Bild kam zum Vorschein. Zu sehen war jetzt die Rückseite der Paulskirche. Auch auf diesem Bild waren die beiden vermeintlichen Touristen zu sehen, die ganz offensichtlich Aufnahmen von der hinteren Wand der Kirche machten. Weichmeier runzelte die Stirn. Etwas merkwürdig war das schon. Dass Touristen den Mozartbrunnen oder die Stadtmauer fotografierten, war selbstverständlich, oder natürlich die Wutz, das mit Abstand beliebteste Fotomotiv der gesamten Stadt, aber die Paulskirche... und dann auch noch von hinten? Torf nickte, als könnte er die Gedankengänge des ehemaligen Polizisten erahnen. Stumm wischte er auf seinem Tablet weiter und weiter und weiter.

Zig Aufnahmen zeigten das besagte Paar, das Fotos von diversen Details des Kirchengebäudes schoss. Erst jetzt, nach einigen Bildern, fielen Weichmeier einige Merkwürdigkeiten auf. Auffällig zunächst: Es handelte sich um zwei Männer. In der heutigen, liberalen Zeit wäre es zwar durchaus denkbar, dass die beiden als Paar auf Urlaubsreise waren, so vertraut wirkten sie dann allerdings doch nicht. Einer der Männer trug eine Outdoor-Weste mit vielen Taschen, ganz so, wie sie Profi-Fotografen auf Safaris anhaben. Weichmeier musste kurz grinsen. Safari in der Pfalz – warum nicht?

Torf brach als erster das Schweigen: „Die beiden sind mir vor einigen Tagen aufgefallen. Ich war auf dem Weg in den ,Schwarzen Gaul’. Nachdem Herbert Rauhe das Ding ja nun gekauft hat, räume ich Stück für Stück meine alte Sachen raus. Jedenfalls habe ich die beiden am späten Abend gesehen. Zuerst dachte ich, es seien Touris. Amis halt, die das mittelalterliche Flair hier toll finden. Dann ist mir aber aufgefallen, dass sie sich für ganz andere Dinge interessieren. Mehrmals sind sie mir über den Weg gelaufen. Die Bilder habe ich mit dem Handy gemacht, weil mir die Sache komisch vorkam...“

Im Kopf von Weichmeier begann es zu arbeiten. Spannend war die Sache. In der Tat. Aber so spannend, dass er dafür extra seinen Urlaub abgebrochen hatte?... Wieder war es Heinz Torf, der das Schweigen brach: „Ich hätte mir ja nichts dabei gedacht, aber dann habe ich das hier beobachtet.“ Beim nächsten Wisch über das Tablet begann Weichmeier heftig zu husten. Vor Schreck hatte er sich an der sizilianischen Olive verschluckt, die nun im hohen Bogen am Kopf von Heinz Torf vorbeiflog und mit einem matschigen Geräusch in den Spiegel auf der Rückseite des Tresens einschlug. Das nächste Bild zeigte das Innere der Paulskirche. Das verdächtige Paar hatte sich offensichtlich illegal Zugang verschafft, und Torf war ihm gefolgt. Wie Schuppen fiel es Weichmeier von den Augen, und auch er erkannte plötzlich die Brisanz in den Beobachtungen seines alten Freundes. Die Paulskirche war ja nicht irgendeine Kirche. Sie beherbergte ein unschätzbar wertvolles Kleinod europäischer Kulturgeschichte: die Mozartorgel. (Illustration: Herrmann)

 

Fortsetzung folgt

Was führen die Männer im Schilde? Was hat die Mozartorgel damit zu tun, und wird Weichmeier noch zum Martini-Trinker? Lesen Sie morgen die nächste Folge unseres Advents-Krimis und alle Teile auf www.rheinpfalz.de/adventskrimi.

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