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Freitag, 08. September 2017 Drucken

Donnersbergkreis

Gelebte Demokratie

Vor der Bundestagswahl: Beim RHEINPFALZ-Speeddating am Hohenstaufen-Gymnasium in Kaiserslautern sind am Mittwoch zum ersten Mal im Wahlkampf alle acht Bundestagskandidaten des Wahlkreises 209 in einer Veranstaltung zusammengekommen. Sie stellten sich den Fragen der Schüler.

Von Julia Luttenberger

Standen den Schülern Rede und Antwort (von links): Stefan Scheil (AfD), Alexander Ulrich (Linke), Achim Bertram (FDP), Gustav Herzog (SPD), Paul Bunjes (Grüne), Xaver Jung (CDU), Günther Mack (Freie Wähler) und Alexander Mühlmann (Die Partei).

Standen den Schülern Rede und Antwort (von links): Stefan Scheil (AfD), Alexander Ulrich (Linke), Achim Bertram (FDP), Gustav Herzog (SPD), Paul Bunjes (Grüne), Xaver Jung (CDU), Günther Mack (Freie Wähler) und Alexander Mühlmann (Die Partei). ( Foto: VIEW)

Mittwochmorgen, kurz nach 9 Uhr: 35 Schüler aus zwei Leistungskursen Sozialkunde der MSS 11 nehmen ihre Plätze an einem der acht Tische ein. Dort warten bereits die Kandidaten des RHEINPFALZ-Speeddatings: Alle Direktkandidaten des Wahlkreises 209 sind an diesem Tag ans Hohenstaufen-Gymnasium nach Kaiserslautern gekommen. Die Schüler hatten sich zuvor 24 Fragen überlegt, die sie den Kandidaten in den folgenden zwei Stunden stellen werden. „Das ist konkrete politische Bildung und ein Beitrag zur politischen Kultur“, zeigt sich Schulleiter Roland Frölich von der Veranstaltung überzeugt.

Nach kurzer Begrüßung geht’s direkt los. Hans-Joachim Redzimski, Leiter der RHEINPFALZ-Lokalredaktion Kaiserslautern, gibt die Zeit vor. 90 Sekunden haben die Kandidaten für eine Antwort, danach kommt die nächste Frage. „Kann ich mir die Zeit jetzt gutschreiben lassen?“, will Gustav Herzog (SPD) nach der ersten Runde wissen. Er hat während des Gesprächs seine eigene Stoppuhr mitlaufen lassen und für seine Antwort nur 20 Sekunden gebraucht. Nö, geht nicht.

Dann stellen die Schüler eben eine Nachfrage oder Herzog hakt selbst bei seinen Gesprächspartnern nach, wie sie dies oder jenes sehen. Ihren Fragenkatalog, mit dem sie von Tisch zu Tisch ziehen, haben die Schüler im Sozialkundeunterricht vorbereitet, berichten die beiden Lehrer, Judith Berres und Fabian Walther. Das Interesse der Schüler an der Bundestagswahl sei groß. Die RHEINPFALZ war schon einmal zu Gast am Hohenstaufen-Gymnasium, bei der letzten Landtagswahl. Die Schüler von damals sind mittlerweile in der 13. Klasse und haben ihren jüngeren Mitschülern vom Speeddating vorgeschwärmt, wie Walther erzählt. „Die Schüler stellen Fragen, auf die andere nicht kommen“, sagt er.

Kreativ sind die Fragen allemal und alle so ausgelegt, dass die Kandidaten nicht mit Ja oder Nein antworten können, sondern erklären müssen. So wollen die Schüler unter anderem wissen, mit welchem Emoji die Kandidaten ihren Beruf umschreiben würden. Eine laminierte Karte mit langen Emoji-Bilderreihen liegt für die Antwort bereit. Bei ihren Antworten werden die Politiker immer wieder persönlich, berichten davon, wie sich Politik auf ihre Familien auswirkt und warum sie welche Überzeugungen vertreten. Doch auch für einen Teil der eigenen Lebensgeschichte ist Zeit. Günther Mack von den Freien Wählern erzählt den Schülern von seiner Zeit als Lehrer und erläutert, warum die Große Koalition nichts bringe. „Es geht immer nur um den kleinsten gemeinsamen Nenner“, kritisiert er. Alexander Mühlmann (Die Partei) schildert, dass er seit über 30 Jahren vegetarisch lebt und warum er dafür ist, dass alle Politiker zur Nassrasur verpflichtet werden sollten: „Dann müssen sie jeden Tag in den Spiegel schauen!“ Alexander Ulrich (Die Linke) und Achim Bertram (FDP) diskutieren derweil mit den Schülern über politische Vorbilder und die Frage, was sie dem türkischen Präsidenten Erdogan sagen würden, wenn sie ihn träfen. Von Paul Bunjes (Grüne) wollen die Schüler wissen, ob er es in Ordnung findet, dass Menschen in Pflegeberufen schlecht entlohnt werden. Nein, findet er nicht, sagt Bunjes und holt zur Antwort aus. Am Tisch von Stefan Scheil (AfD) geht es um das Thema Parlamentarismus und warum dieser aus Sicht Scheils derzeit nicht funktioniere. Xaver Jung (CDU) soll seine Persönlichkeit in drei Stichworten wiedergeben. Er entscheidet sich für „geduldig, Teamworker und heimatverbunden“. Als Familienvater und Politiker seien das notwendige Eigenschaften. Haben die Schüler ihre Fragen gestellt, wechseln sie an den nächsten Tisch.

„Das ist gelebte Demokratie und politische Bildung live und in Farbe“, bringt Frölich die Veranstaltung am Ende auf den Punkt. Der direkte Austausch mit den Kandidaten sei für die Schüler ein besonderes Erlebnis, betonen Berres und Walther.

Nach der letzten Frage geht es für die Schüler zur Wahl. Bei der Bundestagswahl seien nur zwei der 35 Schüler wahlberechtigt, so Walther. Während die Schüler das Erlebte noch diskutieren, finden auch die Kandidaten lobende Worte. Die Fragen der Schüler seien spannend und unvoreingenommen gewesen.

Info

Wie die Schüler gewählt haben, was sie gefragt haben und was die Kandidaten darauf geantwortet haben, lesen Sie am Mittwoch, 13. September, auf einer RHEINPFALZ-Doppelseite.

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