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Samstag, 10. November 2018 Drucken

Kirchheimbolanden: Lokalsport

Familientreffen auf Zweirädern

Radball: Der Radfahrer-Verein Bolanden verfügt derzeit über vier Aktiven-Mannschaften – Auch Nachwuchsarbeit im Fokus

Von Kathrin Thomas-Buchen

Die Bolander Radballer (hinten von links): Markus Hack, Robert Wehnest, Jürgen Brach, Matthias Mergel und Sebastian Gebhardt. Vorne von links: Peter Sziedat, Rodolfo Mollstätter, Noah Gehrhardt, Ansgar und Anton Eule. Es fehlen Patrick Mergel, Christian Ochßner, Daniel Becker, Willi Grund, Andreas Born, Wilfried Kanoffsky und Benjamin Klein.

Die Bolander Radballer (hinten von links): Markus Hack, Robert Wehnest, Jürgen Brach, Matthias Mergel und Sebastian Gebhardt. Vorne von links: Peter Sziedat, Rodolfo Mollstätter, Noah Gehrhardt, Ansgar und Anton Eule. Es fehlen Patrick Mergel, Christian Ochßner, Daniel Becker, Willi Grund, Andreas Born, Wilfried Kanoffsky und Benjamin Klein. ( Foto: Stepan)

«Bolanden.» Rumms! Krachend knallt der rund 600 Gramm schwere, stoffummantelte Rosshaar-Ball gegen den Torpfosten. Es ist Montagabend – Trainingszeit für die Radballer des Radfahrer-Vereins Bolanden (RVB). Wieder einmal ist Feilen angesagt: an der Technik, der Abstimmung, der Taktik. Gute Vorbereitung ist wichtig, denn heute starten die Oberliga-Teams in die neue Runde.

Alles nur wegen eines kleinen Hundes. Ende des 19. Jahrhunderts, so heißt es, lief das Tier einem Kunstradfahrer vors Rad. Der wusste sich und den Hund nur so vor Schlimmerem zu bewahren, indem er das Tier mit dem Vorderrad zur Seite bugsierte. Der Hund war gerettet – und die Idee des Radballs geboren.

Ob die in Radball-Kreisen bekannte Geschichte wahr ist? Wer weiß. Sicher ist: Mittlerweile hat der Sport – natürlich ohne Hund – Fans auf der ganzen Welt gefunden. Auch seit Langem in Bolanden, wo in der Turnhalle im Goschental an diesem Abend reger Betrieb herrscht. Während einige Kinder ihre Runden drehen, machen sich die Aktiven bereit fürs Training, überprüfen noch einmal ihre Spezialfahrräder, bevor es aufs Feld geht. Schließlich stecken nicht nur die Sportler regelmäßig blaue Flecken ein. Auch die Räder bekommen einiges ab.

„Wir brauchen im Jahr etwa 5000 bis 6000 Euro für Ersatzteile“, erzählt Vorsitzender Hermann Schäffer, der den Hallenbetrieb von der Seite verfolgt. Allein aus Mitgliedsbeiträgen kann der rund 210 Mitglieder zählende Verein nicht alle Ausgaben stemmen. Zumal auch die Kunstradfahrer finanziert werden wollen. Zusätzliche Einnahmequellen wie etwa die Veranstaltung von Radrennen – 2020 wird der RVB die Straßen-DM des Nachwuchses ausrichten – sind daher das A und O, weiß der Vorsitzende. Das sei zwar aufwendig, aber man engagiere sich gerne. Schließlich, sagt Schäffer stolz, habe sich der Verein im Radball einen Namen gemacht. „In der Pfalz sind wir die Hochburg“, weiß auch Spieler Jürgen Brach.

Das soll auch so bleiben. Drei Oberliga-Teams werden wieder im Dress des RVB angreifen. In der Zweiten Bundesliga gibt es zudem Neues: Erstmals seit Langem treten die Brüder Patrick und Matthias Mergel wieder gemeinsam in die Pedale. „Wir kennen uns auf dem Spielfeld fast auswendig“, sagt Matthias Mergel. „Wir wollen schauen, dass wir wieder unser Spiel finden, und es ins gute, vordere Mittelfeld schaffen.“

Zweimal pro Woche wird in Bolanden trainiert. Der technisch anspruchsvolle Sport hat es den Spielern angetan. „Einfach nur blind draufschießen bringt nichts“, schätzt etwa Spieler Sebastian Gebhardt den taktischen Aspekt. Und Peter Sziedat ergänzt: „Jeder Fehler kann entscheidend sein. Wenn einer einen schlechten Tag hat, hat das Team einen schlechten Tag.“

Das alles macht den Sport interessant, aber nicht einfach – erst recht für Anfänger. Während sich in anderen Sportarten recht schnell erste Erfolge einstellen, brauchen Nachwuchsradballer einen langen Atem. Sziedat weiß das: „Um Radball halbwegs zu erlernen, braucht man locker zwei Jahre.“ Um das Rad zu kontrollieren, Taktik und Mitspieler im Blick zu behalten und den Ball geschickt in das zwei Mal zwei Meter große Tor zu bugsieren – da helfe nur eins: üben, üben, üben. Und das möglichst von Kindesbeinen an. So manch junger Sportler habe schon ins Training hineingeschnuppert. Doch die Kinder bei der Stange zu halten, bis sie bereit sind für erste Turniere – das sei eine Herausforderung. Eine, der sich der Verein stellt. Zwischen vier und sechs Kinder kommen in der Regel ins Training, die Räder stellt der RVB. Für das Training haben sich mit Matthias Mergel und Noah Gehrhardt zwei Aktive gefunden. Haupttrainer Markus Hack kümmert sich zudem um die Brüder Ansgar und Anton Eule, die in der vergangenen Saison ihr Debüt in der Nachwuchsklasse gegeben haben. Hack, sagen sie beim RVB, sei „derjenige, der Bolanden dorthin gebracht hat, wo wir sind“. Der Haupttrainer zählt ebenso zu den wichtigen Säulen der Radball-Abteilung wie Fachwart Wilfried Kanoffsky. Der begeisterte „Schrauber“ muss derzeit zwar kürzertreten, aber „für die Radballer hat er alles gemacht“, betont Schäffer. Man hilft sich untereinander – das gelte übrigens auch, wenn die Bolander wie heute auf andere Radballer treffen. Die Radball-Familie, da sind sich alle einig, sei „klein aber herzlich“. Oder wie Sebastian Gebhardt es ausdrückt: „Die Kämpfe auf dem Feld sind sehr hart, aber zu 99 Prozent gibt man sich danach die Hand.“ Es geht eben fair zu in diesem Sport. Und das alles wegen eines kleinen Hundes ...

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