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Dienstag, 15. Januar 2019 Drucken

Kirchheimbolanden

„Eine gute Zeit für Investitionen“

Sippersfeld: In der höchst originell dekorierten Gemeindehalle fand am Freitagabend der gemeinsame Neujahrsempfang der Ortsgemeinde und der Verbandsgemeinde Winnweiler statt. Ortschef Kolb nutzte die Gelegenheit, seinen Rückzug vom Amt anzukündigen, VG-Chef Jacob dankte allen ehrenamtlich Engagierten und gab einen Überblick über die 2019 geplanten Maßnahmen.

Von Anja Hartmetz

Der Gemeindearbeiter, der Waldarbeiter und Mitglieder des Gemeinderates hatten die Sippersfelder Halle in eine „Außenstelle des Gemeindewaldes“, wie Bürgermeister Jacob es nannte, verwandelt.

Der Gemeindearbeiter, der Waldarbeiter und Mitglieder des Gemeinderates hatten die Sippersfelder Halle in eine „Außenstelle des Gemeindewaldes“, wie Bürgermeister Jacob es nannte, verwandelt. ( Foto: Loeffel)

„Ich glaub ich steh im Wald!“ – Beim Neujahrsempfang der VG Winnweiler in der Dorfgemeinschaftshalle in Sippersfeld war dieser Ausdruck ungläubigen Staunens schlicht eine Tatsachenbeschreibung: Der Fußboden knöchelhoch mit trockenen Blättern bedeckt, an den Wänden Laub- und Nadelbäume, dazwischen Baumstümpfe, eine Hütte, ausgestopfte Waldtiere, Vogelgezwitscher – sogar drei Windräder samt Blinklichter rotierten gemächlich vor sich hin. Ortsbürgermeister Ulrich Kolb und VG-Chef Rudolf Jacob hielten ihre Reden von Hochsitzen aus, und auch die musikalische Unterhaltung war vom Ambiente inspiriert: Es spielten die Jagdhornbläser aus Rockenhausen.

 

Ortsjubiläum

Dass Sippersfeld außer der Reihe als Gastgeber zum Zug kam, hatte seinen Grund: In diesem Jahr feiert der Ort das 1000. Jubiläum seiner ersten urkundlichen Erwähnung. Und natürlich wurde beim Empfang auch mehrfach darauf eingegangen, nicht zuletzt in einem Vortrag von Walter Hermann, der die Ortsgeschichte anhand der Jahreszahlen auf Sippersfelder Türstürzen erläuterte, und in einem Sketch der Theatergruppe, wo Ritter „Sipperatus“ seinen Widersacher in der Schlacht auf dem Feld besiegte...

Ortsbürgermeister Ulrich Kolb kündigte an, bei der Kommunalwahl im Mai nicht mehr antreten zu wollen und nutzte die Gelegenheit für einen Rückblick auf die Dorfentwicklung in den vergangenen 15 Jahren seiner Amtszeit.

Bürgerschaftliches Engagement

Verbandsbürgermeister Rudolf Jacob dankte zunächst all denjenigen, die sich in der Verbandsgemeinde und ihren Ortsgemeinden eingebracht haben, nicht zuletzt den kommunalen Amts- und Mandatsträgern, von denen sich rund die Hälfte erneut zur Wahl stellen wird. Viele von ihnen hätten sich jahrzehntelang für ihre Gemeinde oder die VG engagiert und dabei „unzählige Stunden ihrer Freizeit geopfert“, betonte er.

Es seien nicht zuletzt die „kleingliedrigen örtlichen Strukturen“, die es ermöglichten, das bürgerschaftliche Engagement zu erhalten und zukunftsfähig zu machen, sagte Jacob weiter. Daher warnte er davor, gerade auch nach den Erfahrungen mit der Fusion der Verbandsgemeinden im Land, „kleine Ortsgemeinden aufzulösen und kleine Kreise zu fusionieren“.

Kommunalreform

Oft seien Kommunen seitens der Landesregierung genötigt worden, entsprechende Weichen zu stellen, bis hin zu Zwangsfusionierungen. „Wozu das führt, kann man nicht nur in unserer Nachbarschaft sehen“, betonte Jacob und nannte gleich auch noch eine daraus resultierende Gefahr: „Die Bereitschaft, sich kommunalpolitisch zu engagieren, nimmt ab.“ Dadurch werde das Feld womöglich Kräften überlassen, von denen sich die meisten Menschen nicht repräsentiert fühlten.

Viel nötiger als eine Kommunalreform wäre eine Reform bei den Strukturen der Landesverwaltung, wo Doppel- und Mehrfach-Zuständigkeiten nicht die Ausnahme, sondern die Regel seien, mahnte Jacob. In der VG Winnweiler setzte man dagegen schon seit vielen Jahren auf interkommunale Zusammenarbeit und Kooperationen in den verschiedenen Zuständigkeitsbereichen.

Als Beispiel nannte er die Anstalt des öffentlichen Rechts, die die VG mit allen Ortsgemeinden gegründet habe, um Projekte wie die Erschließung mit Glasfaser oder die zahlreichen Photovoltaik-Anlagen kostengünstig umsetzen zu können. Auch die Holzvermarktungsgesellschaft Pfalz, zu dessen Gründungsmitgliedern die VG gehört, und die Klärschlammverwertung führte Jacob ins Feld. Letztere werde in einer in diesem Jahr in Betrieb gehenden Monoverbrennungsanlage in Mainz stattfinden, für die man sich rechtzeitig entsprechende Kapazitäten gesichert habe. Deshalb sei man auch in der Lage, eine hundertprozentige Entsorgungssicherheit garantieren zu können, während andere Kommunen leer ausgingen.

Bevorstehende Maßnahmen

Als wichtigste in diesem Jahr anstehende Maßnahmen nannte Jacob die Einweihung des neuen Feuerwehrhauses in Münchweiler, in das die VG rund 500.000 Euro investiert hat, den Baubeginn für eine dreigruppige Kindertagesstätte in Winnweiler, hier wird mit Kosten in der Größenordnung von rund zwei Millionen Euro gerechnet, und die Inbetriebnahme des grundsanierten, „fast neuen“ Freibades in Winnweiler. Die Sanierung werde mit rund 4,5 Millionen Euro zu Buche schlagen, allerdings liege man nach der Vergabe von drei der vier Ausschreibungspakete rund 750.000 Euro unter der Kostenschätzung.

Jacob kündigte außerdem an, dass die VG zur Unterhaltung der bestehenden Einrichtungen die noch zur Verfügung stehenden Mittel, 500.000 Euro, aus dem kommunalen Investitionspaket 3.2 verbauen werde. So sollen an der Grundschule Imsbach sämtliche Fenster und Außentüren erneuert werden, außerdem wird der Schulhof in Münchweiler neu gestaltet.

Für den Kindergarten und die Grundschule in Sippersfeld bestehe Bedarf für ein völlig neues Konzept. Das Kita-Gebäude aus dem Jahr 1836 sei nicht mehr zeitgemäß, stehe aber unter Denkmalschutz und könne daher nicht ertüchtigt werden. Das Grundschulgebäude bedürfe einer Renovierung, außerdem fehle es an Räumen, und die Erschließung für Busse und Pkw sei unzulänglich. Ihm schwebe daher vor, beide Einrichtungen am Schulstandort zusammenzufassen, dort ein neues Gebäude zu bauen und Bestehendes abschnittweise zu sanieren. Voraussetzungen dafür seien eine geeignete Erschließungsstraße, eine wirtschaftlich sinnvolle Folgenutzung für das Kita-Gebäude sowie eine entsprechende Förderung von Land und Bund.

Grundsätzlich sei es eine gute Zeit für Investitionen, da Darlehen derzeit quasi zum Nulltarif zu bekommen seien.

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