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Freitag, 18. Januar 2019 Drucken

Kirchheimbolanden: Kultur Regional

„Dieser Erfolg war nicht normal“

Interview: DJ Bobo kommt am 24. Mai in die Mannheimer SAP-Arena

Entspannter Typ: DJ Bobo bei seiner Stippvisite in Mannheim.

Entspannter Typ: DJ Bobo bei seiner Stippvisite in Mannheim. ( Foto: Kunz)

„This is the party song that makes the party going on.“ Diese oder andere Liedzeilen hat jeder im Ohr, wenn der Name DJ Bobo fällt. Er ist übrig geblieben von all den Eurodance-Künstlern der 1990er-Jahre. Schon früh hat DJ Bobo auf bunte Shows gesetzt. Am 24. Mai kommt er mit einer solchen wieder nach Mannheim. Mit Nicole Sperk sprach er über die Arbeit auf und hinter der Bühne.

DJ Bobo, ich denke fast jeden Tag an Sie.

Warum das denn?

 

Als wir uns vor sechs Jahren schon einmal begegnet sind, haben Sie gesagt: „Unsere beste Zeit wird noch kommen.“ Sprich, die Zeit, in der die Neunziger Kult werden. Das fällt mir immer ein, wenn ein Eurodance-Hit im Radio läuft, was sehr oft der Fall ist.

Ich erinnere mich, dass ich Ihnen damals genau erklärt habe, wie das mit der Nostalgie im Popgeschäft funktioniert. Die Eurodance-Nostalgie ist tatsächlich angelaufen und wird noch sehr lange andauern. Wir haben nämlich einen großen Vorteil.

 

Welchen?

Die Nullerjahre werden die 90er-Jahre nicht so ablösen wie die 90er-Jahre die 80er-Jahre.

 

Warum nicht?

Fällt Ihnen ein Star der Nullerjahre ein?

 

Robbie Williams. Coldplay.

Es mag einige Stars gegeben haben. Aber es war nicht so wie bei uns, die wir für drei, vier, fünf Jahre die Welt beherrscht haben. Dass das möglich war, lag an den politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. 1989 fiel nicht nur in Deutschland die Mauer, sondern in ganz Europa herrschte eine Aufbruchstimmung, und Eurodance war die Jugendkultur dazu. In den Nullerjahren kam das Internet, und die Leute haben viel Energie darauf verwendet, sich damit zu beschäftigen. Wenn die Jugendlichen der Nullerjahre älter werden, werden sie sich kaum nostalgisch an Popstars erinnern.

 

Snap, Haddaway, Dr. Alban, 2 Unlimited, Mister President, Captain Jack, Culture Beat – niemand Ihrer damaligen Mitstreiter macht die SAP-Arena voll. Sie sind in der Versenkung verschwunden, ergehen sich in Rechtsstreitigkeiten oder treten bei Neunziger-Partys auf. Solche Anfragen bekommen Sie sicher auch en masse?

Natürlich, und es wäre für die Veranstalter das Größte, wenn ich da auftreten würde. Aber auf solchen Revival-Partys wird man mich nie sehen. Nie.

 

Warum nicht?

Weil wir uns damit selbst kannibalisieren würden. Uns gibt es ja noch als Original. Welchen Grund hätten denn dann die Leute noch, Tickets für eine DJ-Bobo-Show zu kaufen?

 

Was haben Sie denn damals anders gemacht als die anderen? Sind Sie nach den Auftritten als einziger nüchtern ins Hotel und haben die nächsten Karriereschritte geplant?

Nüchtern war ich vielleicht tatsächlich oft. Vielleicht habe ich von Anfang an eine gewisse Distanz zu dem ganzen Hype gehabt. Ich wusste schnell, dass dieser Erfolg nicht normal ist und dass man sich etwas einfallen lassen muss, um im Geschäft zu bleiben.

 

Dieses Geschäft hat sich in den mehr als 30 Jahren, seitdem Sie dabei sind, radikal verändert.

Ja, wirklich radikal. Man kann das traurig finden. Aber eine CD ist heute für mich ein Merchandise-Produkt wie ein Buch oder ein T-Shirt. Die Musik ist der Soundtrack zur Tour, und zumindest die Idee für die Show existiert vor der CD.

 

Deswegen haben Sie auch noch nicht gesagt, dass das neue Album das ehrlichste und authentischste ist, das Sie je gemacht haben?

(Mit weinerlicher Stimme.) Endlich kann ich machen, was ich will.

 

Das tun Sie tatsächlich, oder?

Es gibt eine Sache, die ich mir von keinem Veranstalter aus der Hand nehmen lasse, und das sind die Ticketpreise. Die geben wir vor, sind aber auch bereit, das Risiko zu tragen. Das ist gut für uns und gut für den Veranstalter. Es gibt internationale Künstler, die die Preise so weit ausreizen, dass klar ist, dass sie damit einen Teil ihrer Fans ausschließen. Das mache ich nicht mit. Das wäre der Anfang vom Ende.

Müssen Ihre Shows ausverkauft sein, damit es sich rechnet?

Nein. Das wäre ja krank. Aber eine DJ-Bobo-Tour ist sehr komprimiert. Die neue Tour muss in sieben Wochen ablaufen. Die Hallenmiete ist nicht mal der größte Batzen. Aber wenn wir auf Tour sind, arbeiten nicht wie sonst sieben, sondern 100 Menschen für mich. Die müssen auch bezahlt werden, wenn wir zwei Tage Pause machen. Andererseits kann das Zirkuspferdchen – also ich – nur vier bis fünf Shows am Stück spielen und braucht dann zwei bis drei Tage Pause. Das alles muss bei der Planung berücksichtigt werden und die Distanzen und die Verfügbarkeit von Locations. Es geht schon lange nicht mehr darum, ob ich es besonders schön finde, in Mannheim zu spielen. Das ist ganz unromantisch.

 

Sie sind vor einigen Tagen 51 Jahre alt geworden. Denken Sie darüber nach, wie lange Sie noch auf der Bühne herumhüpfen können?

Ich tanze schon weniger als früher. Es sieht irgendwann einfach albern aus neben 25-Jährigen aus New York, die sieben Jahre Ausbildung hinter sich haben. Es geht auch mit weniger Körpereinsatz. Wir haben die Hits, wir haben die Crew – es ist ein Gesamtspektakel.

 

Wenn Ihnen ein Theater in Las Vegas eine eigene Show anbieten würde: Würden Sie es machen?

Ich bin unheimlich gerne dort. Aber das würde mich langweilen. Und ich vermute, dass es unglaublich anstrengend ist, wie Céline Dion jeden Abend auf höchstem Level zu performen. Eine eigene Show entwickeln – das würde ich unheimlich gerne machen. Es ist nämlich hinter den Kulissen mindestens so spannend wie auf der Bühne.

Termin

DJ Bobo gastiert auf seiner „KaleidoLuna“-Tour am Freitag, 24. Mai, 20 Uhr, in der SAP-Arena in Mannheim. Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Mehr Infos unter

www.djbobo.ch/willkommen

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