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Mittwoch, 20. März 2019 Drucken

Donnersbergkreis

„Der Wald hat Fieber“

Der Wald ist das Klimasensorium schlechthin. Und die Signale, die er nach den Wetterextremen des letzten Jahres sendet, lassen Sorgen keimen bei den Forstleuten. Manches könnte sich ändern im Wald. Werden vielleicht sogar Zedern und Platanen Einzug halten, um den Baumartenmix zu stärken?

Von Thomas Behnke

Ganze Arbeit hat der Borkenkäfer auf dem Schillerhain geleistet. Baumfällarbeiten hier in den letzten Wochen galten den Folgen dieser Entwicklung.

Ganze Arbeit hat der Borkenkäfer auf dem Schillerhain geleistet. Baumfällarbeiten hier in den letzten Wochen galten den Folgen dieser Entwicklung. ( Foto: WINFRIED MAIER)

„Der Wald hat Fieber“, sagt Forstamtschef Lothar Runge, der damit einen Kollegen zitiert. Der Satz impliziert, dass das klimatisch extreme Jahr 2018 keineswegs abgehakt ist. „Wenn die Bäume im Frühjahr austreiben, werden wir sehen, dass manche es nicht schaffen“, erwartet Runge, dass das Jahr 2019 die Folgen der langen Hitze- und Trockenheitsperiode des Vorjahres noch hervorkehren wird. Über allem steht das große Thema Klimawandel.

Extreme Wetterereignisse seien nichts Ungewöhnliches. Runge erinnert an schwere Stürme wie etwa Wiebke (1990) oder Kyrill (2007), die zu ihrer Zeit im Wald schwer gewütet haben. Das aber seien regionale Ereignisse gewesen. Was das Jahr 2018 besonders mache, sei die Tatsache, dass es europaweit fast flächendeckend Wetterextreme gegeben habe, beginnend mit schweren Stürmen im Januar, die in Polen, Slowenien und auch in Deutschland Millionen Festmeter Holz gekostet hätten. Hitze und lange Trockenheit im Sommer begünstigten Käferbefall mit schweren Folgen vor allem für die Fichten. Herbststürme haben Italien schwer getroffen. Schneekatastrophen in Südbayern und Österreich verursachten massenhaft Schneebruch.

Die Folge: „Keine Region ist ohne Schadholz geblieben.“ Rheinland-Pfalz sei bei all dem zwar noch glimpflich davongekommen, doch ließen sich die Folgen eines Jahres mit einer derartigen „Leidensgeschichte“ nicht einfach zwischen den Regionen ausgleichen. Es sei schwer, für das angefallene Holz Abnehmer zu finden. Erstmal sei Fichtenschadholz sogar in Container verladen und nach China verschifft worden.

„Einzelne Buchen verlieren Rinde“

Die langwährende Wärme und Trockenheit des letzten Sommers habe vor allem die Entwicklung von Käfern begünstigt, die im Forst Schäden verursachen, vor allem Buchdrucker, Kupferstecker und andere Borkenkäfer. „Auf ein Weibchen kommen 30.000 Nachkommen“, erläutert Runge die Dimension des Problems. Und die klimatischen Bedingungen hätten letztes Jahr nicht, wie üblich, zwei, sondern drei Käfer-Generationen möglich gemacht. „Der Fortschritt wird 2019 sichtbar, das wird jetzt erst richtig losgehen“, befürchtet der Forstamtsleiter. Was die Waldbesucher derzeit auf dem Schillerhain an Baumfällungen wahrnehmen, hat genau damit zu tun (wir berichteten).

Zwar sei der Wald im Donnersbergkreis von Laubbäumen geprägt, auch im Nadelholz sei die Fichte eher eine Ausnahme. Doch es gibt sie, ihr Anteil liegt bei etwa 2,5 Prozent, und in all ihren Beständen im Kreis finde sich Käferholz. Hier verfahre das Forstamt so, dass in sehr engen Zeitabständen kontrolliert werde. Befallene Bäume werden gefällt, die Stämme auf den Lagerplatz auf der ehemaligen US-Bunkeranlage nach Börrstadt gebracht. Das ebenfalls befallene Kronenholz bleibe in der Rückegasse zurück und werde kleingemulcht. „Wir tun das alle zwei Wochen“, betont Runge die Intensität dieses Verfahrens, das mit Blick auf den angespannten Markt auch wirtschaftlich aufwändig ist, mit dem sich aber der Einsatz von Pestiziden vermeiden lasse.

Ähnliche Probleme gebe es bei der Lärche, die vom Lärchenborkenkäfer bedroht sei. Die Douglasie werde geschwächt durch den aus Nordamerika vorgedrungenen Schüttepilz, erstmals fände sich in der Douglasie auch ein Käfer, der sich eigentlich auf die Tanne spezialisiert habe, listete Runge weitere derzeitige Stressfaktoren für den Wald auf. Auch der Hauptbaum der Donnersbergregion, die eigentlich sehr robuste Buche, habe mit langen Trockenperioden erkennbar Probleme. „Einzelne Buchen verlieren Rinde“, hat Runge beobachtet. Die Forschung komme bislang zu dem Schluss, dass die Buche es auch dann, wenn die Klimaziele erreicht werden und sich die Erwärmung in Rheinland-Pfalz auf ein Plus von 1,5 Grad begrenzen lässt, schwerer haben wird. „Die Buchen brauchen dann mehr Wasser, um sich ihre Konkurrenzkraft zu erhalten. Sie werden zu kämpfen haben.“ Fazit: „Wenn das so weitergeht mit Wärme und langen Trockenperioden, wird das ganz, ganz schwierig.“

Runge macht indes auf einen Aspekt aufmerksam, der Waldspaziergängern auffallen könnte: Abgestorbene Bäume, die für die Entwicklung des Borkenkäfers oder anderer Risikofaktoren keine Bedeutung haben, werden auch mit Rücksicht auf knappe Arbeitskapazitäten nur dann entnommen, wenn die Verkehrssicherheit das erfordert. „Das wird dazu führen, dass vermehrt abgestorbene Bäume wahrnehmbar im Wald stehen.“

Eiche wird größere Rolle spielen

Was tun? Die Entwicklung von Strategien sei gerade im Forst schwierig, da bei der Waldbewirtschaftung in extrem langen Zeiträumen gedacht werden müsse. Unerlässlich sei vor allem, auf einen stabilen, klugen Baumartenmix zu setzen. Klar sei, dass die Fichte als Flachwurzler hier problematisch sei. Die tiefwurzelnde Tanne sei dazu eine gute Alternative, „wir versuchen, sie überall hinzubekommen.“ Auch Eibe und Baumhasel empfehlen sich. Auch wolle man die Kiefer „ein Stück weit auf den Schild heben“. Sie sei zwar wirtschaftlich weniger interessant, „sie kann mit extremer Trockenheit zurechtkommen“, so Runge. Die Eiche, mit 15 Prozent Anteil bereits einer der zentralen Donnersberger Bäume, werde eine größere Rolle spielen. In Rockenhausen werde man die Kahlschlag-Flächen, die wegen des Borkenkäferbefalls der dort angepflanzten Küstentanne entstanden sei, mit Eichen aufforsten, ebenso andere passende, das heißt vor allem lichtreiche Kahlflecken, so Runge. Ins Gespräch gebracht würden mitunter die im Mittelmeerraum heimischen Zedern oder Platanen. Auch dieser Diskussion dürfe man sich nicht prinzipiell verschließen, auch wenn man dazu noch mehr Erkenntnisse abwarten müsse. Über allem gelte: „Es muss eine große Risikostreuung geben.“

Auch auf anderen Wegen werde versucht, Stress im Wald zu vermindern. Runge nennt etwa das Stichwort „Vulnerabilität“, also „Verletzlichkeit“ des Waldes in Anbetracht der Klimaveränderung und anderer Einflussfaktoren. Ein Forschungsansatz weitet hier den Gedanken der Nachhaltigkeit auf die Frage aus, wie es um die Nährstoffversorgung der Böden über das zugrundeliegende Ausgangsgestein steht. Insbesondere den Phosphoranteilen gelte ein besonderes Augenmerk. Aus diesem Ansatz habe man für die Region bereits Schlüsse gezogen. So werde auf dem Donnersberg selbst und im Stumpfwald die Nutzung dahingehend verändert, dass Schwachholz nicht mehr geerntet wird und auch mehr Kronenholz zurückbleibt, damit eine größere Nährstoffreserve in den Beständen zurückbleibt, um die Robustheit des Waldes zu stärken.

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