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Dienstag, 22. Dezember 2015 Drucken

Kirchheimbolanden

Der große Showdown rückt näher

Advents-Krimi – „Im Namen ihrer Majestät“ (19): Weichmeier „entledigt“ sich seiner neuen Freundin und trifft Vorbereitungen

Von Anja Hartmetz

 

„....u-u-und dann hat Schlossssssssssr.... hat Schlosssssgr... hat Schlosssieger gssssgt... gesagt, ich soll meine Nnnse nich in Sachn steckn, die mich nix angehn. Knnst du dir das vorstlln, Walter? Mich, Rabea Litt? Das is doch mein Job, oder? Meine N-n-nase in Sachn reinsteckn...“ – „Da hast du vollkommen recht“, sagte Weichmeier und klopfte ihr auf die Schulter.

Nach viereinhalb Stunden und zwei Flaschen Whisky war es ihm endlich gelungen, Rabea Litt abzufüllen. Sie hatte sich als sehr viel trinkfester erwiesen, als er das erwartet hatte. Um keinen Verdacht zu erregen, hatte er am Anfang ganz ordentlich mithalten müssen. Später hatte er dann immer wieder ihr leeres gegen sein volles Glas ausgetauscht. Sie hatte es nicht gemerkt.

Zunächst hatte er natürlich vorgegeben, mit ihr bei einem oder fünf Gläschen Whisky die weitere Vorgehensweise besprechen zu müssen, um den Raub der Mozartorgel zu verhindern. In Wirklichkeit wollte er die Litt außer Gefecht setzen, damit sie ihm nicht in die Quere kam. Das war zwar ein wenig gemein, immerhin hatte sie ihm ja an entscheidender Stelle geholfen, aber wenn es morgen zum Showdown kam, konnte er auf keinen Fall irgendwelche Amateure auf der Bildfläche gebrauchen.

Mittlerweile hatten sie Brüderschaft getrunken (mit Küsschen), sie hatte ihm von ihrer Zeit als Reporterin bei der „Roten Fahne“ erzählt, und er hatte versprochen, während ihrer bevorstehenden Weltreise ihren Terrier Franz bei sich aufzunehmen. Er konnte nur hoffen, dass seine neue beste Freundin sich an diese Zusage nicht mehr erinnern würde, wenn sie wieder nüchtern war. Denn wie er das seiner Dörthe beibringen sollte, wusste er selbst noch nicht. Sie war ohnehin nicht gerade bester Stimmung, nachdem sie aus London zurückgekommen war und er sie, was das Nachholen des Urlaubs anging, auf unbestimmte Zeit hatte vertrösten müssen. Außerdem hasste sie Hunde, und obendrein nannten Weichmeiers zwei Katzen ihr eigen – oder vielmehr diese sie. Wie Katzen halt so waren.

„Rabea, altes Schlachtross, ich glaub du hast genug“, sagte er. Seine Stimme hatte gerade das richtige Maß an freundschaftlicher Besorgnis. „Fahr nach Haus und schlaf dich mal ordentlich aus!“ – „Aber die R-russn! Die M-mzrtorgel! Das K-komplott...!“ – „Da kümmer ich mich drum, mach dir keine Gedanken. Und wenn du dich morgen schön erholt hast, dann kommst du und hilfst mir dabei.“ Litt murmelte etwas Unverständliches. Weichmeier gab Heinz Torf ein Zeichen. „Taxi!“, raunte er und machte die Geste des Telefonierens. Torf kapierte zum Glück schnell, und zehn Minuten später stand ein beigefarbener Diesel mit laufendem Motor vor dem Irish Pub.

Eine weitere Stunde später bewegte sich ein Schatten auf das Portal der Paulskirche zu. Nachdem der Polizist w.i.D. (wieder im Dienst) seine Komplizin a.G. (außer Gefecht) samt Terrier Franz im Taxi auf den Heimweg geschickt hatte, war er nach Hause gegangen, um ein paar wichtige Utensilien für seinen großen Coup einzupacken. Dörthe war alles andere als begeistert gewesen, hatte ihn aber schließlich ziehen lassen. Sie hatte sich sogar bereiterklärt, daheim die Stellung zu halten. „Wenn es soweit ist, schick ich dir eine SMS. Dann setzt du dich sofort mit der Polizei in Verbindung. Aber erst dann!“, hatte er ihr eingeschärft.

Mit einem Dietrich öffnete Weichmeier die Kirchentür. Im spärlichen Schein seiner Taschenlampe suchte er sich den Weg in die Fürstenloge. Dort packte er einen Schlafsack samt Isomatte, eine Thermoskanne mit Kaffee und drei doppelte Scheiben Leberwurstbrot aus. Mit Gürkchen. Wenn er sich schon auf solch gefährliche Mission begab, sollte das wenigstens nicht ohne eine ordentliche Unterlage sein, fand er. Sein Mobiltelefon legte er griffbereit neben sich. Dann stellte er die Weckfunktion auf 6 Uhr. Er würde natürlich kein Auge zumachen, aber sicher war sicher. Jetzt konnten die Schurken kommen. (Illustration: Uwe Herrmann)

 

Fortsetzung folgt

 

Werden die Gangster am nächsten Tag wirklich versuchen, die Mozartorgel zu rauben? Und wenn ja, kann Weichmeier es tatsächlich ganz alleine mit einem Gangstersyndikat aufnehmen, oder hat er jetzt endgültig den Bogen überspannt? Lesen Sie die nächste Folge in unserer morgigen Ausgabe. Alle bisher erschienenen Teile unseres Advents-Krimis kann man auch im Internet nachlesen unter www.rheinpfalz.de/adventskrimi.

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