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Freitag, 21. Dezember 2018 Drucken

Kirchheimbolanden: Lokalsport

Den rot-weißen Gürtel im Visier

Ju-Jutsu: Bernd Mohr darf sich als Erster im TV Kirchheimbolanden Großmeister in seinem Sport nennen

Von Kathrin Thomas-Buchen

Großmeister unter sich: Bernd Mohr (rechts) legt Trainerkollege Harald Born auf die Matte.

Großmeister unter sich: Bernd Mohr (rechts) legt Trainerkollege Harald Born auf die Matte. ( Foto: Stepan)

«Kirchheimbolanden.» Bernd Mohr ist „fast ein bisschen stolz“. Der Leiter der Ju-Jutsu-Abteilung des TV Kirchheimbolanden hat seit Kurzem einen neuen Titel. Großmeister darf sich der 59-Jährige aus Hermersberg in der Südwestpfalz nennen. Mohr hat die Prüfung zum fünften Dan im Ju-Jutsu bestanden und damit den letzten Grad erreicht, den man durch Prüfung erlangen kann – eine Seltenheit, nicht nur im Landesverband Rheinland-Pfalz.

Mit einem Artikel in der RHEINPFALZ fing alles an. Beim Turnverein Kirchheimbolanden, hieß es da im Frühjahr 1994, solle es eine neue Abteilung geben. Die Sportart: Ju-Jutsu, Interessenten willkommen. Aufmerksam hatte Bernd Mohr, der damals in der Nordpfalz lebte, den Text gelesen – und war begeistert. Ein paar Jahre lang hatte er sich selbst der waffenlosen Selbstverteidigung gewidmet. Das war zwar schon eine ganze Weile her, aber eine Kontrolle auf dem Dachboden ergab: Die Sporttasche gab es noch. Der Anzug brauchte nur eine Wäsche, auch der Blaugurt, den sich Mohr einst erarbeitet hatte, war da. Letzterer warf jedoch Fragen auf, erinnert sich der 59-Jährige lachend: „Beim ersten Training habe ich erst einmal gefragt, ob ich den nach all den Jahren noch anziehen darf.“ Er durfte. „Das verlernt man nicht“, war sich Harald Born, seit Beginn der Abteilung Trainer beim TVK, damals sicher. Er sollte Recht behalten. Und so stand Mohr zur Abteilungsgründung als einer von 29 Kampfsport-Interessierten auf den Matten des Kirchheimbolandener Dojos.

Auf denen stehen Born und Mohr noch immer regelmäßig. Das TVK-Dojo hat eine ganz eigene Atmosphäre. In den Umkleiden hängen in die Jahre gekommene Haartrockner an der Wand, der Trainingsraum ist teilweise blau gekachelt. Früher befand sich an diesem Ort ein Lehrschwimmbecken, heute lernen hier Kinder, Jugendliche und Erwachsene, wie man in brenzligen Situationen Oberwasser behält. Auch an diesem Abend feilen knapp 20 Kämpfer an Wurf-, Hebel- oder auch Sicherungstechniken für die nächste Prüfung. Neben Born, einst Nationalmannschaftskämpfer und nun Präsident des rheinland-pfälzischen Landesverbands, und zwei weiteren Trainern kümmert sich auch Mohr hier um die Ausbildung der Ju-Jutsuka. Daneben ist der Hermersberger Abteilungsleiter beim TVK, Landesprüfer und gibt unter anderem Selbstverteidigungskurse für Frauen. Hierbei, betont Mohr, gehe es nicht nur darum, sich im Notfall zur Wehr setzen zu können. „Da geht es auch viel um Prävention – und bei einigen auch darum, ihnen die Angst zu nehmen, mutiger zu werden und sich weniger einzuschränken.“

Als Großmeister weiß Mohr, wie man sich verteidigt. Aber das ist nicht das einzige, was ihn an Ju-Jutsu, übersetzt „sanfte Kunst“, fasziniert. „Ju-Jutsu ist gewissermaßen der Zehnkampf der Kampfsportarten“, beschreibt er seinen Sport, der unter anderem Elemente aus Aikido, Judo und Karate in sich vereint. Oder wie Trainerkollege Born es nennt: „Eine intelligente Mischung aus Kampfsport und Selbstverteidigung.“ Und eine, in der Mohr einen Ausgleich zum fordernden Arbeitsalltag gefunden hat. Ju-Jutsu, sagt er, habe ihm zu Gelassenheit verholfen – auch in anderen Lebensbereichen. „Ich nehme die Dinge sportlich. Früher habe ich auch Fußball gespielt, und ich laufe auch viel. Das ist alles gut und schön, aber erst Ju-Jutsu hat mir den Ausgleich gebracht – da powert man sich nicht nur körperlich aus“, glaubt Mohr, der mittlerweile auch den jeweils ersten Dan im Hanbo Jutsu und Jiu-Jitsu erreicht hat. In den vergangenen gut 20 Jahren habe er zudem nie krankheitsbedingt im Training gefehlt. „Das kommt, so glaube ich, von diesem Sport.“

Sein Durchhaltevermögen hat sich gelohnt. Mit dem fünften Dan hat Mohr den höchsten Grad erreicht, den man im Ju-Jutsu durch eine Prüfung erlangen kann. Das letzte halbe Jahr vor der Prüfung habe er vier- bis fünfmal pro Woche trainiert. Alle Techniken mussten sitzen. Ob man da nicht nervös ist? „Ein bisschen Nervosität bringt auch gute Leistung“, erwidert Mohr lächelnd. An den Tag seiner ersten Dan-Prüfung erinnere er sich gut: „Das war für mich das größte“, sagt er. Auch beim zweiten Dan sei die Freude groß gewesen – „auch wenn ich dachte: Schwärzer ist der Gürtel auch nicht“, wie er lachend sagt. Das änderte sich auch mit dem mittlerweile fünften Dan nicht. Dass er sich aber nun Großmeister nennen dürfe – als erstes TVK-Mitglied –, „hatte ich mir nie erhofft“, gibt Mohr zu. Zumal es sich um eine besondere Auszeichnung handelt, wie Landesverbands-Präsident Born bestätigt: Eine Handvoll Sportler im Landesverband, schätzt er, haben den fünften Dan, nur vier Ju-Jutsuka in Rheinland-Pfalz – darunter Harald Born selbst – verfügten über einen höheren Grad und damit einen rot-weißen Gürtel. Mit einem solchen, gibt Bernd Mohr zu, liebäugele er auch. Aber: „Bis dahin sind erst einmal sechs Jahre Wartezeit vorgeschrieben.“ Durch sein großes Engagement für seinen Sport sei dieses Ziel aber nicht unerreichbar.

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