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Dienstag, 15. Dezember 2015 Drucken

Kirchheimbolanden

Das Verschwörungspuzzle

Advents-Krimi - „Im Namen ihrer Majestät“ (13): Weichmeier beschließt, die Sache selbst in die Hand zu nehmen

Von Thomas Behnke

 

Sprich zu mir, dachte Weichmeier beim Blick in den bernsteinfarbenen Mc Fart in seinem Schwenker. 30 Jahre gereift, da muss doch mit dem Alkohol auch etwas Weisheit in die Blutbahn übergehen! Torf hatte an Weichmeiers Gesicht gesehen, dass Not am Mann war, und seine beste Pulle aus dem Regal geholt. Nun saß Weichmeier brütend, mit tranigem Blick und dank Yoga von Rückenschmerzen geplagt im hintersten Winkel des „Kilkenny“.

Nein, er war nicht angefressen. Die Abfuhr bei Schlosssieger in der Polizeiinspektion, der von seinen Ermittlungen nichts wissen wollte, hatte ihn vielmehr stutzig gemacht, als fiele da ein weiteres Puzzleteil an seinen Platz – um das Gesamtbild aber noch verworrener zu machen. Kann es sein, dass sein Kollege bei dieser Mozartorgel-Verschwörung, auf dessen Spur Weichmeiers Frau Dörthe in London gekommen ist, selbst die Finger mit drin hat? Andererseits: Hockt der in letzter Zeit nicht immer öfter mit irgendwelchen dubiosen Russen zusammen? Wie auf Stichwort streifte in diesem Moment ein unverkennbar russischer Wortschwall vom Nachbartisch sein Ohr. Auf seinen versonnenen Schulterblick herrschte ihn der Nachbar giftig an: „Tschto takoje?“ – „Hä?“ machte Weichmeier, worauf der andere sich mit einem gegrummelten „Durak!“ abwandte. Du mich auch, knurrte der Hauptkommissar a. D. in sich hinein und wandte sich wieder seinem schwindenden Mc Fart und der Sehnsucht nach Erleuchtung zu.

Sein umherschweifender Blick machte in der Pub-Szenerie auch andere Gestalten aus, die geeignet gewesen wären, seinen beruflichen Argwohn zu erregen. Was war zum Beispiel mit den beiden Chinesen, die dahinten konspirativ die Köpfe zusammensteckten? Und die Fröhlichkeit der drei Italiener an der Theke ist doch auch schon wieder verdächtig. Feiern die ihren Coup vielleicht schon im Voraus??

„Sag mal, Torf. Hast Du schon mal was von Schutzgeld-Erpressungen in Kibo gehört?“, ließ Weichmeier, mit dem leeren Glas auf die edle Flasche deutend, einen Probeballon in Richtung Mafia steigen. Der Wirt fuhr zusammen, als wäre neben ihm der Blitz eingeschlagen, beinahe hätte er die Flasche fallen lassen. „Was? Wieso? “ stotterte er, fasste sich aber und gab einsilbig zurück: „Ne, Quatsch, vergiss es!“ Er goss Weichmeiers Glas ungewöhnlich voll und wandte ihm demonstrativ den Rücken zu. Seltsam, sinnierte Weichmeier, und legte in Gedanken ein weiteres Puzzleteil in sein wirres Gesamtbild.

Inzwischen hatte der tägliche Ärger über die Lokalredaktion auch Rundblick-Fotograf Stefan Thomas mit seinem Dackel ins „Kilkenny“ getrieben. Kurz nickte er Weichmeier zu, dessen Blick inzwischen bereits deutlich mehr von Alkohol als von Weisheit gezeichnet war. „Alles klar?“ fragte er den Ex-Ermittler unnötigerweise. „So klar wie der Novembernebel“, gab sich Weichmeier mit schwerer Zunge ungewohnt poetisch. „Übrigens“, schob Thomas nach, „vielleicht lohnt sich morgen ausnahmsweise mal der Blick in die Zeitung. Bei der Radarstation auf dem Donnersberg tut sich irgendwas. Hab’ da heute Bilder gemacht - hoffentlich verhunzen die Deppen in der Redaktion nicht wieder den Bildschnitt“, knurrte Thomas. „Ja, und, was läuft da?“, bohrte Weichmeier nach. „Weiß ich doch nicht. Ich mach ja nur die Bilder“, sagte der Fotograf und verzog sich zu einem anderen Tisch, an dem Pfarrer i. R. Hilmar Strunk und Amnesty-Sprecher Ludwig Güldenforst lebhaft über Menschenrechtsfragen diskutierten. Wenn die wüssten, was ich auch nicht weiß..., dachte Weichmeier.

Russenmafia? Camorra? Chinesische Triaden? Geheimdienste? In Weichmeiers Großhirn blinkte zudem immer giftiger ein weiteres Warnlämpchen mit der Aufschrift „Terrorismus“... Aber an diesem Punkt angelangt merkte er, dass er von vielen Fäden nur lose Enden in Händen hielt, um die sein eingetrübtes Hirn heute keinen Knoten mehr schürzen würde. „Schreib an“, rief er Torf zu und schlurfte missmutig nach Hause.

Immerhin, über zwei Dinge herrschte in ihm völlige Klarheit: Da war ein großes Ding am Laufen. Und: Er würde die Sache jetzt selbst in die Hand nehmen.

 

Fortsetzung folgt

 

Wird Weichmeier der Blick in die Zeitung, zu dem ihm Rundblick-Fotograf Stefan Thomas geraten hat, weiterbringen? Morgen erfahren Sie mehr. Alle Folgen unserers Advents-Krimis können Sie auf www.rheinpfalz.de/adventskrimi nachlesen

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