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Freitag, 15. Dezember 2017

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Kirchheimbolanden

Begegnung im Mondschein

Advents-Krimi – „Im Namen ihrer Majestät“ (18): Weichmeier gewinnt eine unerwartete Verbündete

Von Anja Hartmetz

 

Weichmeier erstarrte. Sein Herz setzte erst mehrere Schläge aus, dann begann es zu rasen. Kalter Schweiß bildete sich auf seiner Stirn, und in seinen Gedärmen fing es an zu rumoren. Langsam hob er beide Hände.

„Dass ich das noch erleben darf!“, sagte eine Stimme hinter ihm. Eine weibliche Stimme. Eine bekannte weibliche Stimme, die in diesem Moment sehr selbstzufrieden klang. Weichmeier drehte sich um. Vor ihm stand Rabea Litt und zielte mit einem Nordic-Walking-Stock auf ihn. Ihr unvermeidlicher West-Highland-Terrier Franz zerrte ungeduldig an seiner Leine.

Weichmeier entfuhr ein tiefer Seufzer. Zum ersten Mal fühlte er nichts anderes als Erleichterung beim Anblick der Reporterin. „Oh, oh, da hat sich aber jemand seeehr erschrocken“, grinste die Litt. „Was machen Sie denn hier?“, keuchte Weichmeier. „Oh, ich mache einen kleinen Abendspaziergang mit meinem Hund.

Und Sie? Genießen Sie die ungewöhnlich milde Dezembernacht?“ – „Ja, ja, ist ja schon gut“, schnaubte Weichmeier, der sich allmählich von seinem Schrecken erholte. „Sie sind genauso wenig zufällig hier wie ich. Haben Sie das gesehen? Die zwei Autos im Parkdeck?“ Litt musterte ihn abschätzig. „Könnte schon sein“, sagte sie. „Und?!“, fragte Weichmeier. „Was und?“, gab sie unschuldig zurück.

„Jetzt spucken Sie’s schon aus, Sie wissen doch was!“, bellte Weichmeier. „Und wenn? Warum sollte ich das mit Ihnen teilen?“ – „Weil ich vielleicht auch was hab, was Sie interessieren könnte!“ – „Sie bluffen doch nur!“, sagte Litt, wirkte aber schon nicht mehr ganz so selbstsicher.

Weichmeier nahm es befriedigt zur Kenntnis. Er wusste jetzt, dass er sie weichklopfen konnte. Wie auch nicht, schließlich war er in seiner Glanzzeit bei Verhören ein gewiefter Taktiker gewesen. Er hatte schon ganz andere Kaliber dazu gebracht, ihm zu sagen, was er wissen wollte.

Normalerweise ging ihm die Litt ja ziemlich auf die Nerven. Sie hatte so eine Art, hinter allem und jedem gleich eine Sensationsgeschichte zu wittern. Furchtbar, sowas! Und wenn sie sich dann erst mal in etwas verbissen hatte, ließ sie so schnell nicht wieder los. Natürlich ganz im Gegensatz zu seiner eigenen ruhigen und besonnenen Ermittlungsweise. Nachdem sie beim Rundblick in Rente gegangen war, hatte er ja gehofft, sie endlich los zu sein, aber nein, jetzt machte sie als freie Mitarbeiterin einfach weiter. Dass jemand auch im Ruhestand einfach keine Ruhe geben konnte, dafür fehlte Weichmeier wirklich jedes Verständnis.

In diesem speziellen Fall konnte die Reporterin ihm aber von großem Nutzen sein, denn er brauchte dringend jemanden, der ihm die russischen Unterlagen übersetzen konnte. Er ging davon aus, dass Litt, die ja bekanntlich aus der Zone kam, über ausreichende Sprachkenntnisse verfügte.

„Halten Sie es für einen Bluff, wenn ich Ihnen sage, dass sich offenbar ein Verbrechersyndikat über unser Kerchem hermachen will? Dass hier an allen Ecken und Enden verdächtige Dinge passieren? Dass eine Organisation mit Sitz in London plant, ein Loch in die Paulskirche zu sprengen und die Mozartorgel zu rauben? Dass hier offenbar Autos geklaut und in großem Stil verschoben werden? Und dass jetzt auch noch die Russenmafia mit im Boot ist...“ – „Die Russen?!“, rief Litt erstaunt. Aha, das ist ihr wohl neu, schloss Weichmeier aus ihrer Reaktion. „Wie kommen Sie denn da drauf?“, wollte Litt wissen. „Na, dann kommen Sie mal mit, ich zeig’s Ihnen!“

Zehn Minuten später saßen Weichmeier und Litt im Kilkenny vor zwei doppelten Single Malts und steckten die Köpfe zusammen. „...und das hab ich dabei sichergestellt“, sagte Weichmeier gerade und präsentierte ihr stolz die Mappe mit den kyrillischen Buchstaben.

Rabea Litt riss ihm das Dossier aus der Hand. Während sie las, wurden ihre Augen immer größer. „Loch in die Kirchenwand....“, murmelte sie fassungslos, „...Orgel in den Hubschrauber...“ Sie starrte ihn ungläubig an. „Mensch Weichmeier, ich glaube, dieses Mal haben Sie wirklich recht“, flüsterte sie. „Die Russen wollen die Mozartorgel stehlen und außer Landes schaffen! Das hier ist ein genauer Zeitplan.“ Sie schaute noch einmal in das Dossier. Dann wurde sie blass. „Morgen!“, sagte sie. (Illustration: Herrmann)

 

Fortsetzung folgt

 

Kann Weichmeier den Raub der Mozartorgel verhindern? Wird Rabea Litt ihm dabei helfen? Lesen Sie morgen mehr. Alle Teile unseres Advents-Krimis finden Sie auch im Internet unter www.rheinpfalz.de/adventskrimi.

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